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Elektroauto der Grünen-Chefin geht der Saft aus

Hauptsache, es macht Spaß: Auf Gut Boltenhof tankte Simone Peter das E-Auto mit Strom aus dem Kuhstall auf.
Hauptsache, es macht Spaß: Auf Gut Boltenhof tankte Simone Peter das E-Auto mit Strom aus dem Kuhstall auf. © Foto: MZV
Martin Risken / 30.08.2017, 16:47 Uhr
Boltenhof (GZ) Langes Warten auf die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Simone Peter. Mit letzter Kraft trudelte ihr Leih-Elektroauto auf dem Gut Boltenhof ein, wo Parteifreunde und die Gastgeber Andrea und Jan-Uwe Riest die Spitzenpolitikerin bereits sehnsüchtig erwarteten.

"Die Ladesäule in Neubrandenburg war defekt", begründete Simone Peter ihr spätes Eintreffen auf dem Gutshof, wo sie sich über die Biolandwirtschaft informieren wollte. Petra Budke, Bundestagsdirektkandidatin der Grünen für Oberhavel und Havelland II, zollte der Parteichefin dennoch Respekt für ihren Mut, durch die Weiten Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs mit einem Elektroauto zu fahren. Mit Starkstrom aus dem Kuhstall in Boltenhof konnte der Opel Ampera dann wieder aufgeladen werden. Zwischenzeitig traf aber auch ihr giftgrüner BMW aus Berlin ein - immerhin ein Hybridfahrzeug. so dass sie später ihre Sommertour Richtung Prenzlau fortsetzen konnte.

Zuvor aber nahmen sich Andrea und Jan-Uwe Riest viel Zeit für die prominente Politikerin, die mehr über Biolandwirtschaft, Direktvermarktung und sanften Tourismus erfahren wollte. Vor zweieinhalb Jahren hatte das Paar das Gutshaus samt Landwirtschaft und Hotelbetrieb übernommen, nachdem Riests Vater bereits das Anwesen 1997 erworben hatte.

Vor zweieinhalb Jahren entschlossen sich die Rechtsanwältin Andrea Riest und der Marketingexperte Jan-Uwe Riest ihre gutbezahlten Jobs aufzugeben, um den Gutsbetrieb auf eine neue Basis zu stellen. Teile des im August vergangenen Jahres vorgestellten, ehrgeizigen Projektes befinden sich in der Umsetzung. Aus dem alten Rinderstall wird ein Veranstaltungszentrum, was knapp eine halbe Million Euro gekostet wird. Im schattigen Wäldchen ist eine Freilichtbühne für Veranstaltungen aller Art entstanden. Derzeit werden dort noch Walnussbäume gepflanzt, die sollen Mücken abhalten.

Vom Tourismus allein könnte das Gut Boltenhof mit seinen zwölf Mitarbeitern nicht überleben, erläuterte Jan-Uwe Riest. Die Auslastung der 65 Betten im Hotel und den Ferienwohnungen sei zwar schon auf einem guten Weg, aber auch das reiche nicht, um ganzjährig über die Runden zu kommen. Also erschließt sich die Familie neue Geschäftsfelder, bietet der Hof Fleisch von glücklichen Rindern und Gänsen und bietet sich für die Ausrichtung von Firmenevents an. Noch ist nicht alles so, wie es sich die Riests gewünscht haben. So müssten die Rinder 70 Kilometer zum nächsten konventionell arbeitenden Schlachthof transportiert werden. Noch sei es nicht möglich, die Rinder auf dem Hof zu schlachten, das aber bleibe das Ziel. "Man muss nicht nur durchhalten können, sondern auch ziemlich zäh sein", weiß Andrea Riest.

Doch es geht schrittweise voran: Anfang Oktober soll das bisherige Bistro im Gutshaus auf ein Restaurantbetrieb erweitert werden. Zunächst an drei Abenden in der Woche sowie an den Wochenenden sollen den Gästen Spezialitäten des Hauses angeboten werden. Für ausbaufähig hält die Gastgeberfamilie außerdem die Direktvermarktung von Lebensmitteln.

So entstehen auch hier neue Ideen: Einen Regionalmarkt könne sich auf dem Gutshof etablieren, in der Erwartung, dass die Verbraucher bereit sein werden, für vor Ort produzierte Lebensmittel mehr Geld auszugeben.

"Meine Wahrnehmung ist es, dass Regionalität zunehmend zieht", sagte Simone Peter und sprach ihren Gastgebern Mut zu, ihre gesteckten Ziel weiter unbeirrt zu verfolgen, bevor Andrea und Jan-Uwe Riest die Politikerinnen der Grünen zu einem ausgiebigen Rundgang über den weitläufigen Gutshof einluden.

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