Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Julia Marie Mätzkow bringt anderen ehrenamtlich das Spiel der Könige bei / Von virtuellen Rivalen hält sie nichts

Schach nur mit Gegenüber

Kleiner Schachkurs gefällig? Erst das Zentrum besetzen, dann die Leichtfiguren entwickeln und die Rochade machen. Auf einem Brett im heimischen Wohnzimmer zeigt Julia-Marie Mätzkow wie es geht. Wichtig: erst überlegen, dann ziehen!
Kleiner Schachkurs gefällig? Erst das Zentrum besetzen, dann die Leichtfiguren entwickeln und die Rochade machen. Auf einem Brett im heimischen Wohnzimmer zeigt Julia-Marie Mätzkow wie es geht. Wichtig: erst überlegen, dann ziehen! © Foto: MOZ/Marco Marschall
Marco Marschall / 02.09.2017, 06:15 Uhr
Eberswalde (MOZ) Julia Marie Mätzkow ist fasziniert vom Schach. Sie spielt nicht nur, sondern schreibt darüber, diskutiert Strategien und bringt anderen bei, mit den Figuren auf dem Brett umzugehen. Schon Kindergartenkinder haben bei ihr gelernt. Nun geht die Abiturientin studieren.

Wer mit Julia Marie Mätzkow spricht, bekommt nicht zwingend den Eindruck, dass es ihr beim Spiel mit den schwarzen und weißen Figuren ums Gewinnen geht. Eine Schachpartie ist für die 19-Jährige eher die Grundlage für ein interessantes Gespräch mit ihrem Gegenüber. Darüber, an welcher Stelle, wer welche Ideen hatte und worauf man bei der nächsten Partie besser achten sollte. Deshalb ist sie auch kein Fan von Schachcomputern. Dann fehlt das Menschliche. Die Freude des Spielers, wenn seine Falle zuschnappt, und seine Enttäuschung darüber, wenn sie durchschaut wird oder er selbst in eine tappt.

Ihr Bruder ist das Schach-Ass in der Familie. Er hat bereits mit vier Jahren angefangen zu trainieren. Die frisch gebackene Abiturienten hat das Spiel der Könige im Laufe der Zeit aber ebenso verinnerlicht und lieb gewonnen. Seitdem sie zwölf ist spielt sie. Und sie hat den Drang die Faszination für die Figuren auf dem karierten Brett an andere weiterzugeben. "Schach ist als Sportart ja nicht so bekannt. Ich finde, die Grundlagen sollte jeder kennen", sagt sie. "Auch wenn es am Anfang wenig aussieht. Man kann mit den 16 Figuren ziemlich viel erreichen."

Ganz so minimalistisch mutet das Spiel für Menschen, die noch nicht damit vertraut sind, aber vielleicht gar nicht an. Viele scheuen es gerade wegen seiner Komplexität. Kaum vorstellbar eigentlich, dass Julia Marie Mätzkow es schon Kindern im Kindergartenalter beibringt. In der Johanniter-Kita in Westend und in der Grundschule Finow erklärt sie anderen in ihrer Freizeit ehrenamtlich die Regeln des Spiels. Außerdem unterrichtet sie einen autistischen Jungen. Wie schnell jemand lernt, sei sehr unterschiedlich. "Ich hatte schon ein Kind, dass erst drei war und die Regeln ziemlich schnell begriffen hatte. Und andererseits Zwölf- bis Dreizehnjährige, bei denen es schwieriger war", sagt die Eberswalderin.

Julia Marie Mätzkow, die in der Schachsektion von Motor Eberswalde trainiert, hat ihre ganz eigene Methode, bei der sie am Anfang zum Beispiel Figuren weglässt. Zu Beginn stehen nur Bauern auf dem Brett, die ihre Schützlinge zum Rand des Gegners durchbringen sollen. Pro wöchentlichem Schachkurs erklärt sie eine weitere Figur. "Mit den Kita-Kindern malen wir die Figuren auch und denken uns Geschichten über sie aus", erklärt die Eberswalderin. Das helfe dabei Kreativität hervorzubringen, Strategien und Pläne zu entwickeln.

Ihren eigenen Plan hat sie bereits. Ab dem Wintersemester wird Julia Marie Mätzkow an der Humboldt-Universität in Berlin Biologie studieren. Nach dem Bachelor will sie ihren Master in Mikrobiologe machen. Auch über ein Mathematikstudium habe sie anfangs nachgedacht.

Obwohl die künftige Studentin zunächst in Eberswalde wohnen bleiben und in die Hauptstadt pendeln will, wird für ihre Schachkurse wohl nicht mehr so viel Zeit sein. Bisher sei leider noch kein Nachfolger gefunden. Doch Julia Marie Mätzkow selbst werden die Einheiten ebenso fehlen. "Man bekommt viel von den Kindern zurück. Wenn sie zum Beispiel sagen, es hat ihnen Spaß gemacht. Und ich lerne auch von ihnen", sagt sie.

Neben dem Schach schwimmt die Eberswalderin gern und geht Joggen. Es sei wichtig, dass sich Körper und Geist im Einklang befänden. Auch Weltmeister Magnus Carlsen würde Schwimmen und Tischtennis spielen. Julia Marie Mätzkow schwebt deshalb auch ein Projekt mit Schülern vor, bei dem Schach und körperlicher Sport zusammengebracht werden.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG