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Neue Beeskower Burgschreiberin stellt sich vor

© Foto: Helmut Lackinger
Uwe Stiehler / 07.09.2017, 19:45 Uhr
Beeskow (MOZ) Erwin Strittmatter zum Beispiel: Wenn er an seinen Texten arbeitete, igelte er sich daheim in seiner Schreibstube in Schulzenhof ein. Damit er arbeiten konnte, hatte seine Familie nach seinen Ritualen zu funktionieren. Er war wie ein Baum - fest verwurzelt an diesem Ort, aus dem er den Stoff und die Energie für sein Schaffen sog. Regina Hilber ist das Gegenteil davon. Ihre Literatur gedeiht am besten, wenn sie sich vom Ballast und den Regularien des Alltags befreit.

Wenn sie heute in Beeskow anreist, um dort als neue Burgschreiberin Quartier zu nehmen, wird die Österreicherin, die zurzeit in Wien lebt, dieses Gefühl der Reduziertheit begleiten. Sie werde nur einen Koffer dabeihaben und genötigt sein, mit wenig auskommen, sagt sie. Das hat für sie etwas Reizvolles und ist auch etwas Erprobtes. Sie sagt, sie könne "sehr gut in anderen Ländern arbeiten". Ihre Bücher - bisher sind vor allem Lyrikbände erschienen - zeugen davon, wie sie sich das Unbekannte bekannt macht und vom Fremden inspirieren lässt. Einerseits inspirieren sie neue Orte und das Hineinleben in einen neuen Alltag, andererseits könne sie sich ganz auf ihre Arbeit stürzen, wenn sie sich temporär aus ihrem Leben und ihren Verpflichtungen in Österreich löst.

In den vergangenen Jahren hat sie auf ihren Streifzügen durch Europa vorzugsweise die ehemaligen Randgebiete der Habsburgermonarchie bereist, jene reizvoll-heterogenen Räume, in denen unterschiedliche Kulturen, Ethnien und Religionen nebeneinander existierten. Zuletzt zog es sie ins ehemalige Galizien, also nach Ostpolen und in die Westukraine. Sie durchstreifte Slowenien und das Friaul, was sie herausforderte, sich mit dem Dichter und Filmemacher Pier Paolo Pasolini auseinanderzusetzen, der dem Friaulischen sehr zugetan war. Reisen, erklärt Regina Hilber, sei für sie immer auch mit einer aufwendigeren Recherchearbeit verbunden, die Personen oder Bücher auslösen, auf die sie bei ihren Wanderungen stößt.

Daraus können Essays entstehen, in denen sie über unterschiedliche Verortungen schreibt, oder Gedichte. Die Ausflüge ins Unbekannte münden bei Regina Hilber jedenfalls regelmäßig in Literatur, ob sie nun Armenien auf sich wirken lässt - oder die brandenburgische Gegend um Jüterbog. Vor vier Jahren war die 1970 in Niederösterreich geborene Autorin schon einmal für längere Zeit in Brandenburg - als Stipendiatin auf Schloss Wiepersdorf. In ihrem 2016 erschienenen Lyrikband "Landaufnahmen" (Limbus Verlag) hat ihre Zeit dort Widerhall gefunden. Aus dem Buch wird sie vorlesen, wenn sie sich am Sonnabend auf der Burg vorstellt und in ihr neues Amt eingeführt wird.

Fünf Jahre hat sie an diesem Buch gearbeitet. Nicht kontinuierlich, aber immer wieder. Literatur betreibt sie nicht als eiliges Geschäft und erklärt: "Literarische Texte muss man abhängen lassen wie frisches Fleisch."

In Beeskow, sagt sie, wolle sie vor allem an ihrem ersten Roman weiterschreiben, und sie plant, hier eine Art Logbuch zu führen, in dem sie ihren Aufenthalt dokumentiert. Tagebuch möchte sie das nicht nennen. "Ein Tagebuch bezieht sich in der Regel nur auf das eigene Ich, mein Logbuch soll universeller sein."

Wird Beeskow also nach ihren mit Sprachexperimenten durchsetzten, sich immer wieder auf unterschiedliche Landschaften beziehenden Gedichtbände eine lyrikfreie Periode? Das kann man nicht wissen. Regina Hilber: "Gedichte kommen einfach, wenn sie kommen wollen."

9.9., 19 Uhr, öffentliche Einführung der Burgschreiberin mit Lesung, Burg Beeskow, Eintritt frei

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