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Späte Einsichten und verquere Debatten

KOM-Alexander
KOM-Alexander © Foto: Martin Ebert
Alexander Bögelein / 12.09.2017, 19:04 Uhr
Frankfurt/Main (MOZ) Hochnäsig und selbstgefällig präsentierte sich die deutsche Autoindustrie in den vergangenen Jahren. Im Gefühl, technisch überlegen zu sein, maximierte sie ihren Gewinn, belächelte Kritiker, spöttelte über neue Konkurrenz, ignorierte Umweltbedenken, Feinstaub-Diskussion und den Wandel gesellschaftlicher Einstellungen. Volkswagen verstieg sich in seiner Profitgier gar zu Betrug.

Das alles rächt sich nun. BMW, Daimler und VW stehen in Sachen Profitabilität zwar weltweit an der Spitze, doch auf ihrem Heimatmarkt sind sie Getriebene. In einer emotional aufgewühlten Diskussion steht die Branche kollektiv am Pranger und unter Generalverdacht, Kunden, Behörden und Politik arglistig getäuscht zu haben. Das stimmt zwar so nicht, doch haben die VW-Betrüger das Image ruiniert - und Vertrauen verspielt. Doch gerade auf das ist die Autoindustrie angewiesen, wenn der tiefgreifende Wandel gelingen soll. Es steht außer Frage: Die mobile Zukunft ist vernetzt, automatisiert und emissionsfrei.

Auf der IAA machen VW und Daimler aus der Not eine Tugend. Von dem Ort, an dem sich die Branche alle zwei Jahre selbst feiert, geht nun das Signal aus: Wir nehmen E-Mobilität ernst und investieren Milliarden. Die Einsicht kommt spät und sie ändert nichts an der verqueren Diskussion hierzulande: E-Autos sind nur so sauber wie der Strom, der sie antreibt. Angesichts eines Kohleanteils von 40 Prozent am deutschen Strommix sind sie alles andere als emissionsfrei. Auch die Feinstaubbelastung wird das E-Auto nicht wesentlich reduzieren: Der Verkehr ist zwar für die Hälfte des Feinstaubs verantwortlich, doch der überwiegende Teil davon wird durch Reifen und Bremsen verursacht.

Die Grünen fordern trotzdem das Ende des Verbrennungsmotors. Das ist ideologisch motivierter Blödsinn. Wer über die Autoindustrie redet, muss global denken. In China, Indien und Afrika wird die Zahl der Verbrennungsmotoren zunehmen. An deren weiterer Optimierung führt kein Weg vorbei. Auch hierzulande macht es Sinn, auf verschiedene Technologien zu setzen.

Nach der Bundestagswahl muss sich die neue Regierung schnell mit der Autoindustrie an einen Tisch setzen und einen Plan aufstellen. Für die Mobilitäts- und Energiewende sind Milliarden an Investitionen notwendig, die aufeinander abgestimmt sein müssen. Scheiterten diese Mega-Projekte, die Folgen für unser Land wären dramatisch.

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