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Fotografien von Angela Fensch in Müncheberg

Aus dem Alltag getreten

Dem Betrachter zugewandt: Freundinnen unter Torbogen, 2017
Dem Betrachter zugewandt: Freundinnen unter Torbogen, 2017 © Foto: Angela Fensch
Stephanie Lubasch / 14.09.2017, 09:10 Uhr
Müncheberg (MOZ) Nach vorn gewandt: So begegnen einem die Menschen in den Porträtserien der in Berlin und der Uckermark lebenden Fotografin Angela Fensch. Ein junges Paar vor einer Haustür, drei Mädchen auf einer Bank, eine Handvoll Jungen auf einem Badesteg. Eine Mutter trägt vor dem Hintergrund wild wachsender Natur ihr nur mit Windel und Sandalen bekleidetes Kind auf dem Arm. Der Junge zerrt an ihrer Kette, während ihre freie Hand lässig seinen Nuckel hält.

Fast wirkt es, als seien sie nur für diesen einen Moment aus ihrem Alltag herausgenommen, als habe die Kamera etwas in ihnen aufgespürt, das sonst verborgen liegt. Oder wie die Fotografin, Jahrgang 1952, es selbst einmal ausgedrückt hat: "Den Menschen für kurze Zeit zu zeigen, was in ihnen steckt: Das ist toll!"

Selbstbewusst sehen sie aus, die Frauen und Männer, die Angela Fensch in diesem Jahr in Brandenburg porträtiert hat. Sie stehen und sitzen an Feldrainen und Backsteinmauern, an Pferdekoppeln und auf Rutschen. Manchmal spielt sommerlicher Baumschatten auf ihren Gesichtern. Für den Sekundenbruchteil der Aufnahme haben sie etwas von sich preisgegeben, ohne sich ganz zu offenbaren. Ein Stück Geheimnis bleibt.

Die Schwarz-Weiß-Fotografien aus Brandenburg sind die jüngsten, die Angela Fensch jetzt im Rahmen ihrer Ausstellung "Heimatfilm" in der Stadtpfarrkirche Müncheberg(Märkisch-Oderland) zeigt. Die gebürtige Schwerinerin, die unter anderem für ihre Langzeitstudie mit Jugendlichen aus der Uckermark bekannt ist, Menschen mit Behinderung ebenso porträtiert hat wie Strafgefangene, zeigt sich dort aber auch von einer anderen, weniger bekannten Seite.

2015 führte sie ein Stipendium des Brandenburgischen Verbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler nach Istanbul. Auf den Fotos, die dort entstanden sind, hat Angela Fensch den Einzelnen ebenfalls herausgehoben - ohne dabei jedoch die ihn umgebende Szene aufzulösen. Ähnlich ist es mit den Arbeiten, die von einem Aufenthalt in Kuba stammen: Neben den Menschen hat die Kamera dort auch verfallene Häuser, karge Zimmer, einen Eselskarren eingefangen.

Wen Angela Fensch vor ihr Objektiv bittet, der muss nie Sorge haben, dem Betrachter schutzlos ausgeliefert zu sein. Stets legt sie den Stolz, die Stärke der von ihr Porträtierten offen. Vielleicht kann sie das so gut, weil sie weiß, wie es ist, im Fokus zu stehen: In den 70er- und 80er-Jahren war Angela Fensch als Mannequin tätig, zierte die Cover von DDR-Zeitschriften wie "Sibylle", "Für Dich" und "Junge Mode". Davon erzählt die Müncheberger Schau gleichfalls - und wird so zu einem "Heimatfilm", der auch an ein Land erinnert, das längst vergangen ist.

Bis 1.10., Mo/Fr 10-16 Uhr, Di/Do 10-18 Uhr, So 13-17 Uhr, Ernst-Thälmann-Str. 52, Müncheberg, Tel. 0334 3272806

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