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Manfred Lutzens 17.09.2017 12:34 Uhr
Red. Brandenburg/Havel, redaktion-brb@brawo.de

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Einst Gründerstolz, später Umweltlast

Brandenburg (MZV) Als zum Ausklang des Jahres 1969 die hiesige Schmierfettfabrik in der Brielower Straße unmittelbar am Südufer des Silokanals ihre Produktion für immer einstellte, gab es wahrlich ein Aufatmen. Und das vor allem bei jenen Mietern, die in Häuserblocks des damals noch jungen Stadtteils Nord in unmittelbarer Nachbarschaft der Firma ihre Wohnung zugewiesen bekommen hatten.

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So präsentierte die "Vaucefa" in einer Offerte ihren Firmensitz anno 1929. Vom Schornstein prangt da in großen Buchstaben der Name des Unternehmens.

© MZV

Eingebettet zu Füßen der Brielower Brücke und der Chaussee befand sich dieses bei den Brandenburgern zumeist nur abfällig als "Schmierfettbude" bezeichnete relativ kleine Werk. Umso weittragender indes zog es mit seinen bei den Produktionsprozessen entstehenden Dämpfen und oft zugleich äußerst unangenehmen Gerüchen den Unmut auf sich. Dabei beschäftigten sich damals wohl noch die allerwenigsten mit den hohen Belastungen von Erdreich und Grundwasser, die über Jahrzehnte vor allem durch synthetisch hergestellte Kohlenwasserstoffe verursacht wurden. Ganz zu schweigen von den gesundheitlichen Gefahren wie z. B. dem Erregen von Krebs. Nachdem die Kommune diesen enormen Altlasten nun vor mehreren Jahren mit zielgerichteten Maßnahmen teilweise entgegenwirken konnte, wurde aktuell ein weiteres, noch umfassenderes Sanierungsprogramm ausgeschrieben. Demzufolge sollen zwischen November 2017 und März kommenden Jahres ein Bodenaustausch des gesamten, so arg in Mitleidenschaft gezogenen Areals wie auch die intensive Grundwasserreinigung erfolgen. Nahezu 1,5 Millionen Euro sind für dieses Vorhaben notwendig.

Das alles hatten sich dereinst die umtriebigen Gebrüder Frank wahrlich nicht träumen lassen. Ihre 1864 in der Wilhelmsdorfer Straße gegründete Fabrik nahm eine sehr gute Entwicklung. So bot es sich später geradezu an, das Unternehmen aus diesem sich damals zum Wohnviertel entwickelnden Teil Brandenburgs an seine nördliche Peripherie Brandenburgs zu verlegen. Dort befanden sich vorwiegend "nur" Felder der Ackerbürger aus der Brielower Vorstadt. Bereits 1912 hatte es in einem anlässlich des Hohenzollern-Jubiläums herausgegebenen Buch anerkennende Worte für die prosperierende Firma gegeben. "Mit Harzdestillation und der Herstellung von technischen Oelen und Fetten sowie Desinfektions-, Isolier- und Futtermitteln (gemeint waren wohl Abdichtstoffe, d. Autor) befassen sich die Vereinigten Chemischen Fabriken Ottensen, vormals Frank A.-G.. Die Erzeugnisse verbleiben fast ausschließlich im Inlande."

Als zum Vorteil der hiesigen Wirtschaft 1910 der Silokanal eröffnet wurde und bald danach die Hafenbahn folgte, zeigten sich die Geschäftsleute des vorgenannten Unternehmens sofort hellwach. Entsprechend selbstbewusst dann beispielsweise zur 1000-Jahr-Feier Brandenburg im hiesigen "Anzeiger" vom 6. September 1929 ihre halbseitige Offerte: "Westlich der Brielower Chaussee erheben sich in harmonischem Baustil sowie in gelb-blauem Anstrich die Gebäude der Vereinigten Chemischen Fabriken (...), die zum Konzern der Deutschen Petroleum-Aktiengesellschaft Berlin-Schöneberg gehören. Gesteigerter Absatz machte eine Erweiterung erforderlich. Deshalb wurden in den Jahren 1923/24 die unter dem Namen ´Vaucefa` (Anfangsbuchstaben der Firma, d. Verf.) bekannten Werke auf dem zuvor erwähnten Gelände, das Gleisverbindung und Gelegenheit zur Wasserverladung besitzt, in vorausschauend großzügiger Weise errichtet".

Zu den Angeboten hieß es, dass "neben einem Handel in allen Maschinen, -Putz- und Spindelölen sowie diversen Spezialölen als Haupterzeugnisse technische Fette hergestellt werden; bestens geeignet für Maschinen, Wagen, Heißlager und Autogetriebe". Überdies hatten "Vaucefa"-Haushaltsseifen, wie man sie nannte - ob nun Kern-, Schmier, Bade- oder flüssige Seife -, ebenfalls längst ihren Kundenkreis im gesamten Deutschland gefunden. Sicherlich sollten Industriefette aus Brandenburg während des dann von den Nationalsozialisten angezettelten Zweiten Weltkrieges dazu beitragen, dass "alle Räder für den Sieg rollen". Bald nach 1945 wurde das Werk am Silokanal dem sogenannten Volkseigentum zugeschlagen. Weithin aber prangte noch viele Jahre lang vom dominanten Schornstein (er steht noch immer, ist inzwischen aber "gestutzt" worden) in weißen, großen Buchstaben der Schriftzug "VAUCEFA".

Als 1959 der Wohnungsbau für den Stadtteil Nord in der Brielower Straße sowie ihrer unmittelbaren Umgebung begann, erwies sich die "Schmierfettbude" - sie war übrigens Patenbetrieb der LPG Ketzür - insbesondere durch eingangs bereits erwähnte Geruchsbelästigungen immer mehr als Störfaktor. Trotz aller Klagen der Anwohner versuchten die Verantwortlichen der Stadt, ein um das andere Mal Zeit zu gewinnen. Wurden doch diese chemischen Erzeugnisse von der angespannten DDR-Wirtschaft dringend benötigt. Als 1964 das Kesselhaus abbrannte, gab es unversehens Hoffnung. Doch bereits im November konnte mit Hilfe ortsansässiger Betriebe die Produktion wieder anlaufen.

Den massiven Forderungen aus dem Wohngebiet Nord folgte schließlich Ende 1969 doch endlich das Aus. So meldeten dann die "Brandenburgischen Neuesten Nachrichten" Anfang 1970 zugleich: "Neue Nutzer werden u.a. der Konsum-Handelsbetrieb Obst/Gemüse/Speisekartoffeln (später Großhandelsgesellschaft, d. Verf.), der Rat für landwirtschaftliche Produktion und Nahrungsgüterwirtschaft - kurz RLN - sowie die Stadtdirektion Straßenwesen sein. Hinzu kommen dringend benötigte Postschalter und eine Annahme für die Textilreinigung. Der Kultur- und Speiseraum der einstigen Schmierfettfabrik soll vielfältiger Nutzung, so auch durch den Wohnbezirk, dienen. Bis zum heutigen Tage sind einige wenige der Firmengebäude erhalten geblieben. Kleinere Unternehmen sowie ein Kreditinstitut fanden dort nach erfolgtem Um- bzw. Ausbau ihr Domizil.

Übrigens, die erwähnten umfangreichen Maßnahmen zum Beseitigen der Umwelt-Altlasten aus Zeiten der Schmierfettfabrik sind in einem entsprechenden Masterplan der Stadt seit Jahren fest verankert. Havarien und Feuer hatte es nach dem Ende der Firma ohnehin noch "zusätzlich" gegeben.

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