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Schöneicher Verbandskunde lehnt Ultraschall-Messgerät ab - er fürchtet um seine Privatsphäre

Protest gegen Funk-Wasserzähler

Joachim Eggers / 19.09.2017, 18:37 Uhr
Schöneiche (MOZ) Der Einbau eines Ultraschall-Wasserzählers in seinem Haus hat den Schöneicher Christian Weser zu Protest beim Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) veranlasst. Er fürchtet einen Verstoß gegen den Datenschutz. Der Fürstenwalder Zweckverband verzichtet bisher auf die moderne Technik.

Vor zwei Jahren hat der WSE mit dem Einbau der Zähler begonnen. Diese Geräte mit integriertem Funkmodul messen genauer als die konventionellen, sagt WSE-Vorsteher Henner Haferkorn, und er setzt auch darauf, dass sie weniger oft ausgetauscht werden müssen als die herkömmlichen, die nach sechs Jahren vom Eichamt nicht mehr anerkannt werden. Haferkorn hofft auf eine Gültigkeit von neun bis zwölf Jahren. "Das Eichamt will sich da noch nicht festlegen." In der Zukunft, so die Verheißung, entfällt das Ablesen beim Kunden, weil das Modul die Daten funkt. 7200 solcher Zähler hat der WSE bisher bei seinen knapp 50 000 Kunden eingebaut. Das geschieht immer dann, wenn beim alten Zähler der Austausch ansteht.

So war das auch bei Familie Weser aus der Schöneicher Goethestraße. Wie Christian Weser erzählt, habe ihn erst sein Nachbar darauf aufmerksam gemacht, was er da ins Haus bekommt. Der Nachbar bat, bestätigt auch Haferkorn, um den Einbau eines konventionellen Zählers. "Das machen wir dann, wenn auch nicht gerne", sagt Haferkorn. Weil Christian Weser erst nach vollzogenem Einbau reagierte, verlangt der WSE jetzt für das Auswechseln - das mit einem zusätzlichen Termin verbunden wäre - eine Gebühr von 58,51 Euro.

Weser spricht von einem nicht zulässigen Eingriff in seine informationelle Selbstbestimmung. Das Gerät könne das Verbrauchsprofil der letzten 100 Tage speichern; daraus, fürchtet er, seien Rückschlüsse auf persönliche Lebensführung "bis hin zu den sexuellen Präferenzen" möglich. Die Daten könnten verkauft werden. Weser hat sich an die Datenschutzbeauftragte des Landes gewandt und fordert, der Verband sollte den Kunden ein Wahlrecht einräumen; die jetzt von ihm verlangte Gebühr lehnt er ab.

Einem Wahlrecht der Kunden erteilt WSE-Chef Haferkorn rundheraus eine Absage. Wesers Befürchtungen seien unbegründet. Er verweist auf die Datenschutzrichtlinie des Zweckverbandes, die ihn auf das Brandenburgische Datenschutzgesetz festlegt. Kernsatz: "Der WSE erhebt, verarbeitet und nutzt Kundendaten ausschließlich in Ausübung und zur Erfüllung seiner geschäftlichen Tätigkeit, zu Ihrer (der Kunden) persönlichen Betreuung sowie nach Maßgabe gesetzlicher Vorgaben." Haferkorn hält Wesers Protest für vorgeschoben: "Der will nur die 58 Euro nicht bezahlen, aber das können wir ihm nicht durchgehen lassen." Weser hat inzwischen einen persönlichen Termin bei der Datenschutzbeauftragten des WSE.

Die Landes-Datenschutzbeauftragte hat den WSE um Stellungnahme gebeten, so Mitarbeiter Sven Müller; zum Einzelfall werden keine Angaben gemacht. Der Fürstenwalder Zweckverband baut nach Auskunft der kaufmännischen Geschäftsführerin Gisela Scheibe solche Zähler bislang nicht ein, unter anderem wegen der Bedenken in Sachen Datenschutz, die die Geschäftsführerin zwar für unberechtigt hält. Gisela Scheibe fürchtet aber das wirtschaftliche Risiko, die Geräte wieder ausbauen zu müssen. Wesentliche Einsparungen sieht sie nicht - die gemeldeten Zählerstände müssten ohnehin auf Plausibilität geprüft werden.

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