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Junge Kunst bereichert Biesenthal und Bernau

Hans Still / 23.09.2017, 06:40 Uhr
Biesenthal (MOZ) Auf arbeitsreiche Wochen blicken die Teilnehmer des Biesenthaler Bildhauersymposiums "Werkstatt im Freien" zurück. Die vier polnischen und vier deutschen Bildhauer präsentierten am Donnerstag ihre Werke, die allesamt demnächst öffentlich zu sehen sein werden.

Wenn Künstler zusammenkommen, über ihre teils sehr filigranen Arbeiten, über Techniken und ästhetisches Empfinden reden, dann spielt eine banale Kategorie wie die Zeit mitunter eine untergeordnete Rolle. Die Kreativen unterwerfen sich nur ungern einem Regime. Und so lag am Donnerstag schon im Vorfeld des Jurytreffens auf dem Festplatz am Biesenthaler Eulenberg die Vermutung nahe, der Weg bis zur gewünschten Auswahl könnte womöglich länger dauern. Schließlich sollten die Bürgermeister der Stadt Biesenthal und der Stadt Bernau, Carsten Bruch und André Stahl, eine Einigung in der Frage erzielen, welche Skulpturen künftig im eigenen Stadtgebiet zu sehen sein werden.

Dass sich die Angelegenheit wie erwartet eher zögerlich zutragen sollte, lag dann aber zur Überraschung vieler weniger an den Künstlern. Es waren die Politiker mit ihren Beratern, die sich nicht entscheiden konnten. Mit verkniffenen Gesichtern wanderten Stahl und Bruch von Werk zu Werk. Bürgermeister Stahl legte, wie im Bundesligasport heute üblich, beim Sprechen die Finger vor den Mund, sodass nicht einmal ein geübter Lippenleser erkennen konnte, welche Empfindungen der Bürgermeister gerade mit Monika Müller, Dunja Marx oder Dominik Rabe teilte.

Die acht Bildhauer hatten ihrerseits in den vergangenen zwei Wochen genau das erledigt, worum sie gebeten wurden. Die Mehrheit der Künstler hauchte Lanker Findlingen eindrucksvoll Leben ein. Es gab Arbeiten aus Metall und Kombinationen verschiedener Materialien. "Hochzufrieden", so betonte Bürgermeister Carsten Bruch im Namen der Stadt Biesenthal, seien die Veranstalter mit den entstandenen Arbeiten. Und auch Stahl pflichtete seinem Amtskollegen wissend bei. Er war es, der früher selbst aus dem Biesenthaler Rathaus heraus das Bildhauersymposium unterstützt hatte.

Die Absprachen zur Verteilung waren anfangs klar: Biesenthal bekommt fünf Arbeiten, drei gehen nach Bernau. Die Werke bekommen jeweils einen Standort entlang des Radweges Berlin Usedom/Wollin. Ebenfalls vorbestimmt war eine weitere Entscheidung. Die aus Stahlblech geschweißte Figur "Spring!", entworfen vom polnischen Künstler Tadeusz Swiniarski, sollte in Biesenthal verbleiben. Das Werk zeigt einen in gespannter Haltung verharrenden Menschen, der nach den Worten des Künstlers eine Situation erlebt, die jeder aus eigenem Erleben kennt. "Viele Fragen und Gedanken gehen uns durch den Kopf, bevor wir eine Entscheidung fällen. Aber der Schritt muss gemacht werden. Daher wurde der Name Spring auch als Aufforderung gewählt", übersetzte Monika Müller die Erläuterungen des polnischen Künstlers. Die Biesenthaler Abgeordnete Lena Bonsiepen (Linke) hatte sich diese Arbeit für ihre Heimatstadt auserkoren. Sie wendete dafür 2000 Euro auf, indem sie ihre monatlichen Diäten aus der politischen Tätigkeit für diesen Zweck ansparen ließ.

Vor Ort einigten sich Stahl und Bruch überraschend auf eine gerechte Verteilung der Arbeiten. Jede Stadt solle vier Arbeiten erhalten, immerhin verlässt das Symposium erstmals in diesem Jahr die Biesenthaler Stadtgrenze.

Stahl benannte schließlich die Wünsche der Stadt Bernau: Die Wahl fiel zuerst auf die Arbeit des Polen Stanislaw Kilarecki, der die Hälften eines in der Mitte gespaltenen und an den Innenflächen bearbeitete Feldsteins mit einem Schiff verband. Der Standort wird an einem Rastplatz bei Lobetal sein, direkt am Radweg Berlin/Usedom. Weiter geht der Balder, ein Waldgott aus der nordischen Mythologie, erschaffen von Yauhenia Usimava aus Berlin, in die Hussitenstadt. Dieses Werk wird im Kreisverkehr am Wasserturm aufgestellt. Dritter Neuerwerb ist ein "Wolf am Tisch", der von der Kuratorin des Symposiums, Anne Schulz, erschaffen wurde. Für diese Arbeit ist eine Bank am Radweg bei Eichwerder vorgesehen, was der Künstlerin den Ausspruch entlockte, ihr Wolf habe "den einsamsten Platz der Welt". Freuen dürfen sich die Bernauer auch auf die Arbeit des Berliner Bildhauers Fabian Bruske, der mit "Dive" den Torso einer Frau aus einem Sandstein hervorzauberte.

Die Stadt Biesenthal übernimmt neben "Spring!"die Arbeiten "Menschen in Kreis" von Andrzej Kolodziejcyk, "Kopflos ins Blaue" von Sarah Esser und "Die Brücke" von Ryszard Litwiniuk. Die Skulpturen bleiben Eigentum der Künstler, gehen aber als Dauerleihgaben an die beiden Städte.

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