Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Linken-Landtagsabgeordneter geht bei Kreisreform auf Distanz zur Landespartei

René Wilke will OB werden

René Wilke eröffnet Wahlkampf: Der Fraktionsvorsitzende der Linken in der Stadtverordnetenversammlung erklärt vor etwa 80 Sympathisanten und Parteifreunden, warum er Oberbürgermeister in Frankfurt werden will. Im Hintergrund einige seiner Unterstützer.
René Wilke eröffnet Wahlkampf: Der Fraktionsvorsitzende der Linken in der Stadtverordnetenversammlung erklärt vor etwa 80 Sympathisanten und Parteifreunden, warum er Oberbürgermeister in Frankfurt werden will. Im Hintergrund einige seiner Unterstützer. © Foto: Michael Benk
Heinz Kannenberg / 06.10.2017, 07:15 Uhr - Aktualisiert 06.10.2017, 18:11
Frankfurt (Oder) (MOZ) Der Landtagsabgeordnete René Wilke (Die Linke) will Oberbürgermeister einer kreisfreien Stadt Frankfurt werden. Das erklärte er am Donnerstag am Rande der Bekanntgabe seiner Kandidatur. Wilke ist damit der fünfte Kandidat für die OB-Wahlen am 4. März im kommenden Jahr.

René Wilke spricht bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur für das OB-Amt die Pläne einer Verwaltungsreform der rot-roten Landesregierung von selbst nicht an. Nach der offiziellen Veranstaltung wird er auf Nachfrage jedoch deutlich: "Das OB-Amt in einer kreisfreien Stadt wäre mir lieber als das in einer kreisangehörigen Stadt. Dem aktuellen Gesetzentwurf kann ich nicht zustimmen." Mit Blick auf die Tatsache, dass nahezu alle Kreistage in Brandenburg Beschlüsse gegen die Verwaltungsreform gefasst haben, betont er: "Eine Regierung sollte keine Reform gegen eine Mehrheit der Menschen und der kommunalen Verantwortungsträger im Land durchsetzen. Das sollten insbesondere wir als Linke nicht tun." Er würde jedoch auch in einer kreisangehörigen Stadt das Beste für Frankfurt tun, ergänzt er.

Unter dem Motto "Perspektive Frankfurt" hatten die Linken zur Bekanntgabe der Kandidatur von René Wilke in den Kabarett-Keller im Rathaus eingeladen. Die Kreisvorsitzende Sandra Seifert bezeichnete die OB-Wahlen in fünf Monaten als Weichenstellung für die Zukunft der Stadt. Eine Person und eine Partei könnten dies jedoch nicht allein leisten. Sie begrüßte, dass die Grünen die Kandidatur von René Wilke unterstützten. Die Sprecherin der Grünen Alena Karaschinski warb dafür, gemeinsam mit René Wilke eine attraktive Stadt am Fluss zu gestalten. Sie bedauerte, dass es nicht gelungen sei gemeinsam einen rot-rot-grünen Kandidaten aufzustellen. Die SPD hatte sich nach anfänglicher Bereitschaft dann doch entschieden, mit Jens-Marcel Ullrich einen eigenen Kandidaten aufzustellen.

Zuvor hatten sechs Unterstützer, darunter der Medienpädagoge Martin Hampel, der Stadtverordnete Frank Henkel und die Landtagsabgeordnete Andrea Johlige (beide Linke), in persönlichen Statements erklärt, warum für sie René Wilke der richtige Kandidat sei.

Wilke eröffnete danach dann gleich den Wahlkampf. Unter dem Motto "Frankfurt kann mehr" betonte er: "Acht Jahre Weiter so darf es nicht geben." Die bisherigen Oberbürgermeister hätten jeweils acht oder gar 16 Jahre Zeit gehabt, die Stadt lebenswerter zu machen. Warum er ausgerechnet in einer der kaputtesten Städte im Land OB werden wolle, sei er kürzlich gefragt worden. "Um dies zu verändern, gerade deshalb", habe er geantwortet. Er sieht sich, die Linke und die ihn unterstützenden Grünen als Alternative gegenüber "Verwaltungsspitze, Verwaltungsspitze und Verwaltungsspitze". Mit Verweis darauf, dass die gesamte Rathausspitze mit OB Martin Wilke (parteilos) sowie den Beigeordneten Markus Derling (CDU) und Jens-Marcel Ullrich (SPD) bereits ihre Kandidatur erklärt haben, sagte er: "Jetzt wollen diejenigen gegeneinander antreten, die acht Jahre hätten zusammenarbeiten müssen." Die Frankfurter hätten jedoch bereits seit Jahren erlebt, wie diese Rathausspitze gegeneinander gearbeitet habe. "Das muss sich ändern", betonte René Wilke.

Wilke, der am Donnerstag keine inhaltlichen Schwerpunkte seiner Kandidatur erkennen ließ, kündigte an, in den kommenden Monaten in Bürger-Werkstätten das schon erarbeitete Programm zu diskutieren und weiterzuentwickeln.

Auch der Politsatiriker Sandro Jahn hatte angekündigt, OB werden zu wollen. Dem Vernehmen nach denken auch die FDP und die AfD über eigene Kandidaten nach. Die FDP sucht nach wie vor nach einer Frau als Kandidatin.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Holger Müller 08.10.2017 - 12:55:12

Bewegung

Ich finde es gut, wenn Bewegung in die Kommunalpolitik kommt. Und ich bin gespannt auf die Ansätze und Ideen, die die Kandidaten liefern werden. Was ich nicht gut finde, wenn Sie, Herr ERNST HAFT Zeugnis über Dinge ablegen, die Sie nicht beurteilen können. Damit Sie dies können, lade ich Sie zu uns ins tegece ein. Bilden Sie sich gern eine Meinung, ob oder wie miseabel wir das Gewerbegebiet führen. z.B Morgen ab 16.00 Uhr kann ich das gern einrichten. Weder die Firmen, die sich bei uns angesiedelt haben, die Mitarbeiter, die hier arbeiten noch meine Kollegen haben so eine Äußerung verdient. Mit freundlichen Grüßen Holger Müller tegece Frankfurt (Oder)

Ernst Haft 06.10.2017 - 19:28:05

Frage an Herrn Totzauer

Welche Stadt in Brandenburg ist denn kaputter? Wenn ich täglich im Zentrum die Säufer am verfallenden alten Kino sehe, muss ich auch stets an eine kaputte Stadt denken. Natürlich sehe ich auch die kleinen Fortschritte. Ich sehe aber auch, wie Firmen das miserabel geführte Gewerbegebiet "TeGeCE" meiden bzw. verlassen. Frankfurt könnte wirklich mehr. Ich werde mir Wilkes Vorstellungen für Frankfurts Zukunft ansehen und dann entscheiden.

Roland Totzauer 06.10.2017 - 10:03:18

Kaputter OB in kaputter Stadt?

Ich hätte von Herrn Wilke sehr gerne gewußt, warum er nicht gegen diese herabwürdigende und unsachliche Frage protestiert hat: "Warum er ausgerechnet in einer der kaputtesten Städte im Land OB werden wolle?" Diese Frage suggeriert einen Zustand fern der Frankfurter Realität des Jahres 2017! Ich empfinde diese Fragestellung als ungeheuerlich und höchst manipulativ! Wieso hat sich Herr W. gegen diese Frage nicht gewehrt? Es zeigt leider, dass Herr Wilke nicht richtig zuhören kann und mit dem Fragesteller in der Einschätzung von Frankfurt als "kaputte Stadt" übereinstimmt. Das ist für mich die eigentliche Katastrophe - seine Fehleinschätzung der allgemeinen Stadtlage und seine Selbstüberschätzung - und damit seine Unfähigkeit fürs OB-Amt. Ich werde ihn nicht wählen!

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG