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Stefan Röhr baut in Fürstenwalde Fahr- und Laufräder

Auf Birkenholz durch ganz Deutschland

In voller Montur: Auf seinem selbstgebauten Holzrad ist Stefan Casper Röhr in sechs Wochen 2488 Kilometer durch Deutschland gefahren.
In voller Montur: Auf seinem selbstgebauten Holzrad ist Stefan Casper Röhr in sechs Wochen 2488 Kilometer durch Deutschland gefahren. © Foto: MOZ/Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 06.10.2017, 07:28 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Zu Hause in ... lautet der Titel unserer Serie, in der Menschen aus der Region vorgestellt werden. Das können Frauen und Männer sein, die schon immer hier leben oder hier ihre Wahlheimat gefunden haben. Heute: Stefan Casper Röhr aus Fürstenwalde.

An der Wand gegenüber der Eingangstür hängt eine Kuckucksuhr. Dunkelbraunes Holz, kunstvolle Schnitzereien. Ginge es nach Stefan Casper Röhr, würde ihr Stundenzeiger am Tag nicht zwei, sondern vier Kreise beschreiten. "Schön wär's, wenn der Tag 48 Stunden hätte", sagt er, hinter seinen rotbraunen Barthaaren heben sich die Mundwinkel zu einem Lächeln.

Malen und Gitarre spielen, dichten und trommeln - gerne würde der 39-Jährige seinen Leidenschaften mehr Zeit widmen. Wäre da nicht die eine, die ihm die Stunden raubt. Stefan Röhr baut Fahrräder aus Holz. "Roehr Customs" heißt sein Laden in der Fürstenwalder Mühlenstraße; hier arbeitet und wohnt er. Eine Werkbank mit Schleifpapier und Hobeln, Farbdosen von Gelb bis Blau, und im Raum verteilt Fahr- und Laufräder aus Holz.

"Ich bin Vater geworden", antwortet der gelernte Maurer, später freischaffende Künstler auf die Frage, wie er zum Holzrad kam. Auf dem Sperrmüll habe er ein rot-graues Laufrad gefunden, sich daraufhin gedacht "das kann ich auch" und seinem Sohn ein Zweirad gebaut. Der restaurierte Sperrmüll-Fund steht heute in der hintersten Ecke des vollgestellten Ladens, verdeckt von Rädern, denen man ihre Fahrtüchtigkeit auf den ersten Blick kaum glaubt. Der Rahmen aus Birkenholz, die Reifen breit, der Lenker geschwungen.

"Mein Sohn ist älter geworden", sagt Röhr und erzählt, wie er ein altes Kinderfahrrad erst auseinander, dann mit Holzrahmen wieder zusammengebaut hat. Das ist zwei Jahre her. Röhrs Sohn ist inzwischen sieben Jahre alt, flitzt mit seinem Holzrad durch die Innenstadt, wenn er seinen Papa besucht, und der baut in seiner Werkstatt Zweiräder für Kunden, die etwas Besonderes wollen.

Ab 5000 Euro kostet ein Holzrad, das von Röhr entworfen, auf die Maße des Radlers angepasst und aus gefrästen Holzteilen zusammengebaut wird. Seine Laufräder für Kinder verkaufte das Berliner Kaufhaus des Westens für 2000 Euro. "Nach der Spielzeugmesse in Nürnberg 2014 sind die auf mich aufmerksam geworden", erzählt der Fürstenwalder. Damals habe er seinen Laden das erste und letzte Mal gründlich aufgeräumt, Kuchen gekauft und den zwei KaDeWe-Damen seine Entwürfe gezeigt. Schließlich orderten sie fünf Kinderräder - ob sie verkauft wurden, hat Stefan Röhr nie erfahren.

"Ich liebe das, was ich mache", sagt der 39-Jährige. Stundenlang tüftelt er an Formen und Farben; gerade probiert er sich an einem Rennrad, testet, auf wie viel Holz er im Rahmen verzichten kann. Rund 60 Kilo bringen Röhrs Räder auf die Waage; dass sie trotzdem nicht nur mit ihrem Aussehen glänzen, sondern ihre Fahrer mit ein bisschen Übung durch ganz Deutschland tragen, hat er in diesem Sommer bewiesen.

16 Bundesländer, 2488 Kilometer, in sechs Wochen - "Ich bin kein trainierter Radfahrer", gibt der 39-Jährige zu. Trotzdem sei er schneller zurück gewesen als gedacht. "Was Radwege betrifft, ist Deutschland super ausgebaut." Auf seiner Tour übernachtet Röhr auf der Couch von Zufallsbekanntschaften, selten in Pensionen. Jeden Tag veröffentlicht er im Internet ein Video, berichtet über seine Erlebnisse. Nur einmal, in der Eifel, habe er ans Aufgeben gedacht. "Es hat geregnet und ging zehn Kilometer schnurgerade den Berg hoch."

Die Zweifel waren schnell verflogen - zu bereichernd und unbeschwert seien die Erlebnisse gewesen, als dass er die Tour vorzeitig habe abbrechen wollen. Durch Deutschland geradelt ist Stefan Röhr entgegen dem Uhrzeigersinn.

Fürstenwalde

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