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Der Meteorologe Hans-Joachim Knußmann über die Ursachen für den Sturm und das Unwetter-Jahr 2017

Es kam viel Unglück zusammen

Henning Kraudzun / 06.10.2017, 19:00 Uhr
Berlin (MOZ) Wie kam es zu dem heftigen Sturm, der in der Region für so schwere Schäden sorgte? Der Frankfurter Meteorologe Hans-Joachim Knußmann erklärt im Gespräch mit Mathias Hausding, dass wir es mit einem tückischen Schnellläufer-Tief zu tun hatten.

Herr Knußmann, haben Sie ein so heftiges Unwetter erwartet?

Durchaus. Seit Anfang der Woche war klar, dass da etwas kommt. Auch die Warnhinweise des Deutschen Wetterdienstes kamen früh und waren ziemlich genau. Vorausgesagt wurden Windspitzen von 100 Stundenkilometern, am Ende waren es dann um die 120. Offen bleibt zunächst immer, wo genau das Tief entlangzieht. Aber dazu gab es am Mittwoch recht präzise Angaben. Den Menschen, die leider verletzt wurden oder gar umkamen, hat das freilich nicht genutzt.

Viele Menschen haben den Sturm als extrem empfunden. War er das tatsächlich?

Es kamen drei unglückliche Umstände zusammen. Sturmtiefs ziehen meist über Skandinavien, diesmal ging es aber über Mecklenburg-Vorpommern. Und da der Sturm meist an der Südseite des Tiefs ist, traf er unsere Region mit voller Wucht. Hinzu kam, dass das kleine, aber kräftige Tief direkt über uns seinen Höhepunkt hatte. Östlich und westlich von Brandenburg war etwas weniger los. Schließlich fiel der Sturm noch genau in den Feierabendverkehr. Unglücklicher hätte es nicht kommen können.

Der Sturm kam plötzlich sehr heftig, nahm dann aber wieder schnell ab. Warum?

Das Tief war ein sogenannter Schnellläufer. Es war in die derzeit recht starke Höhenströmung eingelagert und zog so mit einer unheimlichen Geschwindigkeit nach Osten. Es war also gleichzeitig schnell, klein und heftig.

In den vergangenen Wochen machten Unwetter etwa in der Karibik Schlagzeilen. Wie ist Xavier im Vergleich dazu einzuordnen?

Auf dem Brocken gab es jetzt Windspitzen von 176 Stundenkilometern. Das ist schon so ähnlich wie ein Hurrikan. Wer unseren Sturm am Donnerstag erlebt hat, kann sich jetzt vielleicht vorstellen, was in Mittelamerika passiert, wenn der Wind mit über 200 Sachen tobt.

Die Region Berlin-Brandenburg ist in diesem Jahr mit Unwettern arg gebeutelt. Zufällige Häufung oder allgemeiner Trend?

Meine Interpretation ist, dass es Ausreißerjahre gibt. Das jüngste Tief ist für die Jahreszeit nicht unüblich. Erinnern Sie sich an Kyrill vor zehn Jahren. Damit muss man immer wieder mal rechnen. Ursache sind heftige Temperaturgegensätze. Wir haben derzeit schon sehr tiefe Temperaturen in der Arktis, während es im südlichen Europa noch sehr warm ist. Die heftigen Niederschläge im Sommer waren auf eine besondere Wetterlage zurückzuführen. Wir hatten es mit einem kalten, hoch reichenden Tief zu tun, gegen das warme Luft aus dem Süden strömte und dann aufstieg. Das sorgte für Dauerregen. Ja, es war außergewöhnlich viel Niederschlag. Aber das hat es früher auch schon gegeben. Und wir werden auch wieder ruhige Jahre haben.

Also kein Zusammenhang mit dem vom Menschen mitverursachten Klimawandel?

Nein, in meinen Augen nicht. Unser wechselhaftes Wetter ist durch den Atlantik bedingt. Ich bestreite nicht, dass wir eine Klimaerwärmung haben. Meine Auffassung ist aber, dass ihr Höhepunkt bereits erreicht oder schon überschritten ist. Das Eis in der Arktis wird nicht weniger.

Bei der Frage, inwieweit der Klimawandel vom Menschen durch CO2-Ausstoß verursacht wird, vertrete ich die Meinung, dass Sonne, Vulkanausbrüche, Meeresströmungen und andere Naturereignisse zu 80 Prozent als Verursacher anzusehen sind und die Menschen, zu 20 Prozent. Wir haben also nur geringen Einfluss und müssen die Entwicklungen zur Kenntnis nehmen.

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