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Rund 3000 Ortschaften im Westen des Landes von Energie-Problemen betroffen / Regierungschefin Szydlo besucht Krisenstab in Zielona Góra und verspricht Hilfe

Polen beklagt zwei Tote und kämpft mit Riesen-Stromausfällen

Beim Sturm Xavier werden auf einer Baustelle in Zielona Gora Stapel von Styropor-Platten durcheinander gewirbelt
Beim Sturm Xavier werden auf einer Baustelle in Zielona Gora Stapel von Styropor-Platten durcheinander gewirbelt © Foto: Facebook
Dietrich Schröder / 06.10.2017, 20:59 Uhr
Slubice/ZielonaGóra (MOZ) So wie in Brandenburg wütete das Sturmtief "Xavier" in der Nacht zum Freitag auch in Polen. Wie schon bei früheren Stürmen machte sich negativ bemerkbar, dass im Nachbarland viele Stromleitungen noch oberhalb der Erde verlaufen.

Um 17.32 Uhr war der gemütliche Nachmittag im Slubicer Kaffee "Szczerbinski" vorbei: Als mit einem Schlag der Strom ausfiel, brachte die freundliche Kellnerin zunächst zwar noch Kerzen an den Tisch ihrer Gäste. Doch schon wenige Momente später war klar, dass die gesamte Stadt von der Energieversorgung abgeschnitten war. Gleich mehrere Bäume waren auf eine Leitung gestürzt, die den 17000 Einwohner zählenden Nachbarort von Frankfurt(Oder) mit der Außenwelt verbindet.

So wie Slubice ging es 1300 Ortschaften in der an Brandenburg angrenzenden Wojewodschaft Lebuser Land, in denen rund 800000 Menschen leben. In der Nachbarwojewodschaft Großpolen - der Gegend um die Großstadt Posen - waren 1200 Orte betroffen, in der Region Niederschlesien weitere 500.

"Solch einen flächendeckenden Energieausfall hat es seit 1990 noch nie gegeben", erklärte der Wojewode des Lebuser Landes, Wladyslaw Dajczak, am Freitagmorgen. Da waren die beiden größten Städte der Region - Gorzów und Zielona Góra - teilweise noch immer vom Strom abgeschnitten.

"Es ist, als sei die Welt stehengeblieben", meinte eine Frau auf dem Bahnhof von Zielona Góra, von dem wie nahezu überall keine Züge mehr fuhren. "Es rächt sich zum wiederholten Mal, dass es bei uns noch immer so viele Überlandleitungen gibt. In Deutschland sind die meisten Stromleitungen längst unter der Erde", sagte ein Mann. Während die meisten Dorfbewohner in der Nacht wenigstens ihre Kohleöfen beheizen konnten, waren in den Städten zum Teil auch die Fernheizungsanlagen ausgefallen. "Das hat mich an kommunistische Zeiten erinnert", meinte eine ältere Frau. Immerhin habe sie in der Nacht seit langer Zeit mal wieder mit ihrer Familie Karten bei Kerzenschein gespielt. "Das war auch wieder gut, mal nicht am Fernseher zu sitzen."

Schlimmer als der Stromausfall wogen freilich zwei Todesfälle. In Osno Lubuskie, einem kleinen Ort östlich von Slubice, war am Donnerstagnachmittag ein 67-jähriger Mann vom Dach seines Hauses gestürzt. In der Wojewodschaft Großpolen wurde eine Frau vom Ast eines Baumes getroffen. Sie erlag ihren Verletzungen im Krankenhaus. Weitere 39 Menschen wurden verletzt.

Polens Regierungschef Beate Szydlo flog am Freitag von Warschau nach Zielona Góra, um sich im Krisenstab der Wojewodschaft über die Ausmaße der Schäden zu informieren. "Die Zerstörungen sind sehr groß", erklärte sie anschließend auf einer Pressekonferenz. Allerdings seien nicht so viele Häuser, sondern vor allen Dingen Energieleitungen in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Regierung werde Mittel zur Verfügung stellen, um die Schäden rasch zu beheben, versprach sie.

Besonders viele Bäume waren im Grenzort Kostrzyn (Küstrin) umgestürzt. Allein in der zur Sonderwirtschaftszone am Stadtrand führenden Fabrikstraße (ulica Fabryzcna) wurden zehn große Pappeln entwurzelt. Auch im Zentrum des Ortes mussten am Freitag mehrere Bäume abgesägt werden, deren Äste beschädigt worden waren "So einen gewaltigen Sturm habe ich noch nie erlebt", sagte ein älterer Mann, der die Aufräumungsarbeiten beobachtete.

Im Frankfurter Nachbarort Slubice hatte man dagegen noch Glück im Unglück. Am späten Donnerstagabend gab es wieder Strom. Am Freitag traf man in den Geschäften sowie auf den Basaren schon wieder zahlreiche deutsche Kunden. Nur an den Kreuzungen waren die Folgen der Nacht zu spüren: Da die Ampeln noch nicht wieder funktionierten, bildeten sich Staus.

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