Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Schwedter Schüler suchen im Unterricht nach Spuren des Kolonialismus' in Afrika, des Palmöls und von Vorurteilen

"Warum baut ihr euch keine Eisenbahn?"

Dietmar Rietz / 10.10.2017, 06:00 Uhr
Schwedt (MOZ) Weit sind die Schüler der Evangelischen Grundschule in Schwedt gereist im Unterricht. Bis nach Ghana und Ruanda und bis tief in die Geschichte des Kolonialismus. Gemeinsam mit Menschen, die dort geboren sind.

Mark Kofi Asamoah reist in der Evangelischen Grundschule in Schwedt gedanklich mit den Mädchen und Jungen der Lerngruppe 1-3 nach Ghana. Auf den Spuren des Palmöls. Es steckt in vielen Alltagsprodukten und bringt den Menschen in Ghana nicht nur Gutes. Die Kinder erkennen, wie wichtig das Zusammenhalten ist. "Gemeinsam sind wir stark!", sagt beschwört Asamoha die Kinder.

Mark Kofi Asamoah stammt aus Ghana. Im Klassenraum sitzt er mit den Mädchen und Jungen in einem Kreis. "Wisst ihr, was mein Name - Kofi - bedeutet?", fragt er. Verneinendes Kopfschütteln. Aufklärung: "Freitag, Junge, der am Freitag geboren worden ist." Die Kinder erfahren, dass Menschen in Asamoahs Heimatdorf keinen Fernseher haben, kein Handy, kein Radio. Sie müssen sieben Kilometer laufen bis zur nächsten Schule. In der Busse fahren nicht. Uckermark bringen Schulbusse Kinder zur Schule. "Warum baut ihr euch keine Eisenbahn?", fragt ein Schüler.

Asamoah singt, tanzt, spielt mit den Schülern. Seine mehrfach wiederholte Botschaft: Gemeinsam sind wir stark. Geprobt wird, wie es sich anfühlt, einen Wassereimer auf dem Kopf zu tragen. Der Referent zeigt auf der Landkarte, wo Ghana liegt in Afrika. Er zeigt Bilder von einer Schule in seiner Heimat - Strohdach, offene Seitenwände. Auf dem Weg dorthin sehen die Kinder oft Elefanten. Staunend hören die Kinder zu.

Katarzyna Kmita-Maslej ist Klassenlehrerin für die Lerngruppe 1-3. Sie hat die BREBIT-Projekttage an der Evangelischen Grundschule Schwedt mit organisiert. BREBIT steht für Brandenburger Entwicklungspolitische Bildungs- und Informationstage. In diesem Jahr geht es um die koloniale Vergangenheit in Afrika. Sie prägt unser Alltagsleben und unseren Blick auf die Welt bis heute. Weltweite Migrations- und Fluchtbewegungen haben, schaut man genauer auf die Ursachen, oft genug Wurzeln auch in der Kolonialgeschichte. Katarzyna Kmita-Maslej sagt: "Wir wollen Kinder kindgerecht besser über die Welt informieren."

Genau das tut auch Gisèle Nubuhoro mit der älteren Lerngruppe. Sie macht ihnen koloniale Spuren im ruandischen Alltag sichtbar: Kleidungsstil, Schönheitsideale, Sprachpolitik. Auch Jahrzehnte nach dem offiziellen Ende der Kolonialzeit ist diese noch präsent. Gisèle Nubuhoro zeigt Beispiele für Ungerechtigkeiten, die auf den Kolonialismus zurückgehen.

Einen Tag später erkunden die Kinder mit Andrina Freitag, wie viele Unterschiede zwischen den Menschen und Stämmen künstlich konstruiert worden sind und auf koloniales Denken zurückgehen. Sie stellen fest, dass nicht alle Menschen die gleichen Handlungsmöglichkeiten und Rechte haben.

Die Projekttage enden mit dem Film "Schmutzige Schokolade". Er erzählt davon, dass die meisten Menschen Schokolade lieben und die Hälfte aller Schokolade weltweit von Europäer n gegessen wird. 1,5 Millionen Tonnen im Jahr - das sind 15 Milliarden Tafeln. Jeder Deutsche isst im Schnitt etwa elf Kilo im Jahr. Aber Schokolade-Essen ist nicht so harmlos wie wir glauben - vor allem nicht für Kinder in Afrika. Hilfsorganisationen verdächtigen die Schokoladen-Industrie, von Kinderhandel und Kinderarbeit in Afrika zu profitieren und damit Straftaten zu verschleiern.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG