Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Zweite Misshandlungs-Anklage nach Haasenburg-Heimskandal

Dunkle Wolken sind über einem Schild des Kinder- und Jugendheims «Haus Babenberg» der Haasenburg GmbH  in Jessern zu sehen.
Dunkle Wolken sind über einem Schild des Kinder- und Jugendheims «Haus Babenberg» der Haasenburg GmbH in Jessern zu sehen. © Foto: dpa
12.10.2017, 08:10 Uhr
Strausberg (dpa) Vor Jahren machten brandenburgische Haasenburg-Erziehungsheime negative Schlagzeilen. Betreuer sollen jugendliche Heimbewohner drangsaliert haben, lauteten die Vorwürfe. Nun gibt es eine weitere Anklage.

Mehr als vier Jahre nach dem Skandal um Misshandlungsvorwürfe in brandenburgischen Erziehungsheimen hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Betreuer erhoben. Das Amtsgericht Strausberg bestätigte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur den Eingang der Anklage, in der es um Misshandlung von Schutzbefohlenen geht. Eine Entscheidung zur Eröffnung des Hauptverfahrens gebe es aber noch nicht. Laut Staatsanwaltschaft Cottbus soll der Erzieher am Standort Müncheberg (Märkisch-Oderland) einen jugendlichen Heimbewohner körperlich misshandelt haben.

Es ist nach Bekanntwerden des Skandals im Sommer 2013 nun das zweite Mal, dass gegen einen Haasenburg-Betreuer Anklage wegen körperlicher Gewalt erhoben wurde. Der bislang einzige Misshandlungs-Prozess ging 2015 mit einem Freispruch aus. Damals hatte die Staatsanwaltschaft einem Betreuer vorgeworfen, einem jugendlichen Heimbewohner mit dem Ellenbogen ins Gesicht geschlagen zu haben. Der Richter des Amtsgerichts Lübben stufte die Aussage des Jugendlichen aber als nicht glaubhaft ein.

Daneben wurden zwei weitere Gerichtsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs eingeleitet. Ein Prozess gegen einen Betreuer endete mit einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren, der andere wurde gegen die Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Die jahrelangen Untersuchungen zu den Misshandlungsvorwürfen mit Dutzenden Verfahren sind weitgehend abgeschlossen. Ein Verfahren sei noch offen, in dem ermittelt wird, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Behörde hatte viele Verfahren nach und nach eingestellt.

Die damaligen Vorwürfe gegen die Betreuer der Haasenburg-Heime, Jugendliche drangsaliert und gedemütigt zu haben, lösten politische Debatten über die Landesgrenzen hinweg aus. Es wurde über die Praxis der Unterbringung von Jugendlichen in geschlossenen Einrichtungen diskutiert.

Die drei Haasenburg-Heime in Neuendorf am See, Jessern (beide Dahme-Spreewald) und Müncheberg (Märkisch-Oderland) wurden Ende 2013 auf Anweisung der damaligen brandenburgischen Jugendministerin Martina Münch (SPD) dicht gemacht. Zuvor hatte eine Untersuchungskommission einen Bericht über die Zustände in den Heimen vorgelegt, in die als schwer erziehbar eingestufte Jugendliche aus ganz Deutschland gebracht worden waren.

Am 23. November befasst sich das Verwaltungsgericht Cottbus mit der angeordneten Schließung. Es steht die Frage im Raum, ob der Entzug der Betriebserlaubnis rechtens war. Der Betreiber will sich mit der Klage gegen die Entscheidung des Ministeriums wehren.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG