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Unbekannte entwendeten aus der UM-Kunst-Ausstellung in der Klosterkirche ein Objekt von Siegfried Haase

Bronze-Figur gestohlen

Hintergründig provokant: Siegfried Haase installierte diese Arbeit für die jüngste Ausstellung der Künstlergruppe UM-Kunst zum Lutherjahr in der Angermünder Klosterkirche. Hier wurde die rechte Figur, der ratlose Philosoph aus Bronze, gestohlen.
Hintergründig provokant: Siegfried Haase installierte diese Arbeit für die jüngste Ausstellung der Künstlergruppe UM-Kunst zum Lutherjahr in der Angermünder Klosterkirche. Hier wurde die rechte Figur, der ratlose Philosoph aus Bronze, gestohlen. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Daniela Windolff / 12.10.2017, 19:37 Uhr - Aktualisiert 16.10.2017, 13:05
Angermünde (MOZ) Wieder wurde in Angermünde ein Kunstwerk gestohlen. Begehrt bei Langfingern war dieses Mal eine Figur aus der Ausstellung der Künstlergruppe UM-Kunst in der Franziskanerklosterkirche zum Thema Luther, die offenbar einen heimlichen Liebhaber gefunden hat.

Siegfried Haase musste zweimal hinschauen. Irgendwas ist anders. Fehlt da nicht etwas? Als der Groß Schönebecker Künstler gemeinsam mit anderen uckermärkischen Kollegen die Ausstellung in der Angermünder Klosterkirche, die die Künstlergruppe UM-Kunst zum Lutherjubiläum gestellt hatte, abbauen wollte, entdeckte er, dass von einer seiner Arbeiten eine Figur verschwunden war. Einfach gesagt: Sie wurde geklaut.

Der ratlose, gebeugt sitzende Philosoph aus Bronze, der die Nachdenklichkeit über Haases Installation aus Bibel, Koran und Talmud, umgeben von Patronenhülsen, auf den Betrachter projiziert, ist klammheimlich entführt worden.

Siegfried Haases erster Schrecken weicht inzwischen Verwunderung, die in Ärger umschlägt. "Ich könnte mich ja geehrt fühlen, dass ausgerechnet meine Arbeit offenbar jemandem so sehr gefiel, dass er sie behalten wollte. Vielleicht war es auch ein Kunstliebhaber, ein armes Schwein, der kein Geld hat, sich Kunstwerke zu kaufen."

Das Diebstahlrisiko ist für Künstler, die im öffentlichen Raum ausstellen, relativ hoch. Auch Siegfried Haase ist das nicht zum ersten Mal passiert. In seinem Dorf installierte er einen Kunstwald, aus dem immer mal wieder Objekte verschwinden oder zerstört werden. "Damit muss man leben können."

In der Angermünder Klosterkirche hätte er das jedoch nicht erwartet. Und wenn, dann eher, dass vielleicht ein paar Patronenhülsen als Objekt der Begierde in Besucherhosentaschen landen. Auch sein Angermünder Kollege Christian Uhlig musste es vor einigen Jahren erleben, als von seinem Marktbrunnen-Ensemble die Katze gestohlen wurde, brachial vom Sockel gerissen. Nach einer spektakulären Öffentlichkeitsaktion über die MOZ tauchte die verlorene Katze schließlich Wochen später bei Nacht und Nebel plötzlich wieder auf. Sie saß auf ihrem Platz.

Darauf hofft nun auch Siegfried Haase und schrieb seinen "Philosophen" in der MOZ zur "Fahndung" aus. "Vielleicht steht die Figur ja schon in irgendeiner Schrankwand oder auf einem Schreibtisch." Es gehe ihm weniger um den materiellen, sondern vielmehr der ideellen Wert, räumt Haase ein. "Der Aufwand für diese Ausstellungen ist für uns Künstler nicht unbeträchtlich, zumal wir weite Wege auf uns nehmen. Wir bekommen weder eine Vergütung, noch können wir uns eine Versicherung für die ausgestellten Kunstobjekte leisten. Es ist alles purer Idealismus für'n Appel und 'n Ei. Um so enttäuschter bin ich, wenn dann auch noch geklaut wird."

Eine ständige Aufsicht gibt es für Ausstellungen in der Angermünder Klosterkirche nicht. Die Stadt als Betreiber des Kulturzentrums hat Mühe, die Öffnungszeiten überhaupt mit ehrenamtlichen Betreuern aufrecht halten zu können, die die Besucher am Eingang in Empfang nehmen und für Fragen bereit stehen. Die Ausstellung im Nebenraum haben sie nicht ständig im Blick. "Das ist auch nicht dramatisch. Ich mache keinem einen Vorwurf. Ich hoffe aber, dass der Dieb Skrupel bekommt und sich nicht mehr so sicher fühlen kann", sagt Siegfried Haase ein. Vielleicht steht der Philosoph eines Tages plötzlich wieder in der Klosterkirche.

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