Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Trotz Einigung sind noch viele Fragen offen - auch welche Auflagen die Kartellbehörden machen

Der große Deal der Lufthansa

Ein Flugzeug der Air Berlin
Ein Flugzeug der Air Berlin © Foto: dpa
Dieter Keller / 12.10.2017, 20:29 Uhr
Berlin (MOZ) Nach langem Ringen ist klar: Die Lufthansa kommt bei der insolventen Air Berlin zum Zug. Was wird verkauft, und was bedeutet der Deal für Kunden und für Mitarbeiter?

Was genau übernimmt die Lufthansa?

81 der zuletzt gut 130 Flugzeuge von Air Berlin sollen an die Lufthansa-Billigtochter Eurowings gehen: die österreichische Ferienflug-Tochter Niki, der Regionalflieger LG, die beide nicht insolvent sind, sowie die 38 Maschinen, die Lufthansa bereits inklusive der Besatzungen von Air Berlin gemietet hat.

Was passiert mit dem Rest?

Die britische Billigflug-Gesellschaft Easyjet verhandelt noch über den Kauf von bis zu 30 Mittelstreckenflugzeugen einschließlich der Verkehrsrechte und Besatzungen, Ausgang offen. Die Start- und Landrechte sind der eigentliche Wert des insolventen Unternehmens; die Flugzeuge gehören ihm längst nicht mehr, sondern sind nur geleast. Ob Air Berlin zusätzlich zu Easyjet auch den Kaufinteressenten Condor wieder an den Tisch holt, blieb zunächst offen.

Kann die Lufthansa so einfach einsteigen?

Nein, die Verträge müssen noch von der EU-Kommission gebilligt werden. Sie ist in diesem Fall die Kartellbehörde, da alle Fälle bei ihr landen, bei denen die Beteiligten mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz haben. Allein die Lufthansa kommt auf 32 Milliarden Euro. Dabei geht es vor allem darum, ob sie auf einzelnen Strecken eine unzulässige marktbeherrschende Stellung erhält; möglich wären Auflagen, einige abzugeben. Denn Konkurrenten wie Easyjet oder Ryanair können nicht einfach ein eigenes Angebot machen - sie brauchen die Start- und Landrechte.

Was ist mit Kunden, die eine Pauschalreise gebucht haben, zu der ein Air-Berlin-Flug gehört?

Sie können beruhigt sein - der Reiseveranstalter muss im Zweifelsfall für einen Ersatzflug sorgen. Kapazitäten gibt es genügend, heißt es aus der Reisebranche, zumal Niki nicht insolvent ist und weiter fliegt. Auch mit Auswirkungen auf die Preise ist kurzfristig nicht zu rechnen, schon weil die Kataloge für die neue Reisesaison bereits gedruckt sind.

Was ist mit Kunden, die individuell gebucht haben?

Bei ihnen sieht es schwierig aus. Air Berlin stellt alle Langstreckenfluge am 15. Oktober ein und alle anderen Verbindungen spätestens am 28. Oktober. Danach verfallen die Tickets. Schlecht dran sind die etwa 100 000 Kunden, die bis zum 15. August gebucht haben, dem Datum der Anmeldung der Insolvenz: Das Geld müsste aus der Insolvenzmasse kommen. Wer nach dem 15. August gebucht hat, kann auf die Rückzahlung vom eigens für diese Fälle angelegten Treuhand-Konto rechnen.

Steigen jetzt die Ticketpreise?

"Nicht unbedingt", behauptet Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Der Wettbewerb werde sich verschärfen. "Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus." Zumindest für Inlandsflüge halten das Branchenkenner nicht für schlüssig: Wenn Lufthansa das Monopol hat, dürfte sie es auch nutzen, und Konkurrenten brauchen erst Start- und Landerechte. Allerdings gibt es Konkurrenten wie die Bahn und Fernbusse.

Und die Mitarbeiter?

Die meisten der 8000 Mitarbeiter werden nicht übernommen, was die Gewerkschaft Ver.di kritisiert. Sie müssen sich bei Eurowings oder anderen Gesellschaften neu bewerben. Lufthansa-Chef Spohr spricht von 3000 zusätzlichen Stellen. Er rechnet damit, dass sich auch Piloten bewerben. Übrigens muss sich auch Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann einen neuen Job suchen. (mit dpa)

sdfsdfsd

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG