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Manfred Möck präsentiert im Kleist-Museum den Film "Einer trage des anderen Last"

"Es war Warnekes Geschichte"

© Foto: Defa-Stiftung
Stephanie Lubasch / 13.10.2017, 06:32 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Der Vikar Hubertus Koschenz in Lothar Warnekes Defa-Streifen "Einer trage des anderen Last" war Manfred Möcks erste große Rolle. Jetzt stellt er den Film noch einmal im Rahmen der Frankfurter Kleist-Festtage vor, die sich dem Thema "Glaubensfragen" widmen. Vorab hat der 58-Jährige dazu mit Stephanie Lubasch gesprochen.

Herr Möck, Lothar Warnekes Film, der einen Marxisten mit einem Christen konfrontiert, kam 1988 in die Kinos und wirkte damals auf viele sehr mutig. Was haben Sie gedacht, als Sie zum ersten Mal das Drehbuch lasen?

Mir war er gar nicht mutig genug! Ich hatte gerade Heiner Carows Film "Die Russen kommen" von 1968 gesehen, der verboten worden war. Den fand ich stark! Natürlich haben wir dann mit Warneke diskutiert, warum machst du das nicht so oder so? Was ihn aber interessierte war, die Anfänge der DDR zu zeigen, was damals alles möglich war. Und er wollte den beiden Männern die gleiche Wertigkeit geben, den Polizisten nicht herausheben. Die Brisanz darin habe ich damals noch nicht gesehen.

Wie haben Sie denn die Atmosphäre für Filmemacher in diesen Jahren empfunden?

Ich fand die DDR-Filme nicht so spektakulär. Anders als das, was zu dieser Zeit aus der Sowjetunion kam. Da waren sehr gute Filme darunter. In der DDR dagegen lag noch so ein Schleier über allem. Wir haben ja 1987 gedreht, also noch bevor das mit den Demos und allem losging.

1988 durften Sie mit dem Film nach West-Berlin zur "Berlinale" fahren - und bekamen mit Ihrem Kollegen Jörg Pose auch gleich noch den Silbernen Bären ...

Ja, da haben wir voll zugelangt (lacht). Und ich hatte plötzlich einen Pass! Ich bin zuerst zum Potsdamer Platz gefahren, zu den zwei Mauern, dahinter die dunkle Silhouette Ost-Berlins. Dort habe ich zum ersten Mal mein Land von außen gesehen! Hinter mir standen West-Berliner, die ihren Gästen den Blick in den Osten erklärten - das war schon 3D! Am nächsten Tag bin ich dann zur Berlinale und habe mir einen Haufen Filme angeschaut, viele Leute kennengelernt ... Und dass die uns dann auch noch einen Bären gegeben haben: Das hat mich sehr beeindruckt. Richtig verdient hätte ihn eigentlich Lothar Warneke. Er hatte ja Theologie studiert, war selbst Vikar gewesen: Der Film war nicht nur sein Werk, sondern auch seine Geschichte. Er hatte es nicht leicht, ihn bei der Defa durchzukriegen.

Welches Verhältnis haben Sie denn zum Glauben?

Ich bin evangelisch getauft, vom Elternhaus her aber eher naturwissenschaftlich geprägt. Im Pantheismus würde ich vielleicht meine Nähe sehen. Warneke hat mir mal seine Sicht auf Religion erklärt: Wenn man gläubig ist, ist das Kraftzentrum außerhalb von einem. Ist man nicht gläubig, dann muss man es in sich selbst suchen.

"Einer trage des andere Last", Filmfrühstück mit dem Defa-Klassiker und Manfred Möck, Sonntag, 11 Uhr, Kleist-Museum, Faberstraße 6-7, Frankfurt (Oder), Kartentel. 0335 3872210

Zur Person

Manfred Möck wurde 1959 in Sangerhausen geboren und studierte bis 1982 an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin. Danach spielte er an Theatern in Greifswald, in Senftenberg, am Deutschen Theater Berlin und bei den Salzburger Festspielen. Im Film debütierte er 1982 bei der Defa in "Das Luftschiff". Für seine erste große Filmrolle als Vikar Hubertus Koschenz in Lothar Warnekes Defa-Film "Einer trage des anderen Last" von 1987 erhielt er gemeinsam mit Jörg Pose bei der Berlinale den "Silbernen Bären" als "Bester Schauspieler". 2006 war er in Oskar Roehlers "Elementarteilchen" zu sehen, 2010 in einer tragenden Rolle in dem Episodenfilm "Zeche is nich - Sieben Blicke auf das Ruhrgebiet 2010".

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