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Anwohner drohen mit wiederholter Anzeige wegen Ruhestörung / Eigentümer will daher keine privaten Feiern mehr austragen

Viel Lärm um die Kummroer Scheune

Schmuckstück: Die Kummroer Scheune wurde 2008 umfassend saniert. Die Erntekrone zeugt noch vom Erntefest, das jedes Jahr im August stattfindet. Es könnte künftig die einzige Veranstaltung sein, die in dem Gebäude stattfindet.
Schmuckstück: Die Kummroer Scheune wurde 2008 umfassend saniert. Die Erntekrone zeugt noch vom Erntefest, das jedes Jahr im August stattfindet. Es könnte künftig die einzige Veranstaltung sein, die in dem Gebäude stattfindet. © Foto: MOZ/Gerrit Freitag
Hubertus Rößler / 13.10.2017, 06:57 Uhr
Neuzelle (MOZ) Die Kummroer Scheune wird für private Feiern nicht mehr zur Verfügung stehen. Nachdem es wiederholt Anzeigen wegen Ruhestörung gegeben hat, sieht sich der Besitzer nicht mehr in der Lage, die Lokalität zur Verfügung zu stellen.

Eine urige Atmosphäre versprüht das Innere der Kummroer Scheune. Diese bietet sich für größere Feiern an, ab und zu werden hier Geburtstage der Mitglieder des Kummroer Traditionsvereins gefeiert, der rund 75 Mitglieder hat. Doch in diesem Sommer wurde schon wie in den Vorjahren nach Angaben des Besitzers Gerd Geselle nur vier Mal hier gefeiert - das letzte Mal Ende September eine Hochzeit. Doch damit soll jetzt Schluss sein. "Wir werden unsere Scheune ab sofort nicht mehr für private Feiern zur Verfügung stellen", erklärt Geselle, der in dem örtlichen Traditionsverein Ehrenmitglied ist und das Gebäude normalerweise als Lagerraum für landwirtschaftliche Geräte nutzt.

"Obwohl hier schon so selten gefeiert wird und wir dafür sogar jedes Mal beim Amt eine Ausnahmegenehmigung für 50 Euro einholen müssen, darf die Lautstärke nach 22 Uhr 55 Dezibel nicht überschreiten - ansonsten droht eine Anzeige wegen Ruhestörung. Da ich der Besitzer der Scheune bin, würde diese Anzeigen dann an mich gehen", erklärt Geselle, der im Vorjahr bereits aus diesem Grund angezeigt wurde. Und obgleich man versucht habe, mit den betreffenden Nachbarn zu sprechen, gebe es dort keine Einsicht: "Dort hat man uns gesagt, wir können 50 Mal feiern, so lange wir die Lautstärke einhalten. Aber wenn wir nur einmal darüber kommen, gibt es eine Anzeige", berichtete Geselle bei der Sitzung des Neuzeller Ortsbeirats in dieser Woche.

Dabei habe es jahrelang keine Beschwerden gegeben. Doch bei der Hochzeit vor zwei Wochen seien bereits im Vorfeld der Feierlichkeiten Mitarbeiter des Ordnungsamtes in dem Neuzeller Ortsteil gewesen und hätten darauf hingewiesen, dass Messungen durchgeführt werden sollen. Dies sei dann tatsächlich so geschehen. "Man hat dabei 55,7 Dezibel gemessen, also eine minimale Überschreitung. Dennoch bleibt für die feiernde Familie ein schlechtes Gefühl, schließlich will man seine Hochzeit doch unbeschwert genießen können. Und auch für uns als Eigentümer ist es auch nicht akzeptabel, daher haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen. Künftig können leider auch die Feiern der Mitglieder des Traditionsvereins nicht mehr hier stattfinden." Lediglich das Kummroer Erntefest soll weiterhin in der Scheune ausgetragen werden.

"Davon einmal abgesehen fragt man sich doch, wofür man überhaupt eine Genehmigung braucht, da ist doch jede private Grillparty lauter. Das ist für mich Abzocke", sagt Gerd Geselle und kritisiert das Ordnungsamt zudem in einem weiteren Punkt: "Es agiert nicht einheitlich. Warum wurde eine Anfrage zu einer Ausnahmegenehmigung im Frühjahr abgelehnt, im Herbst gab es aber für eine andere Person eine Zusage. Das ist ungerecht und nicht nachzuvollziehen. So kann ich als Eigentümer nicht planen."

Von Seiten des Amtes war am Donnerstagnachmittag keine Stellungnahme zu bekommen. Neuzelles Bürgermeister Dietmar Baesler ist ebenfalls nicht glücklich mit der Situation, verweist aber auf die Vorschriften: "Sicherlich würde man sich hier etwas mehr Toleranz von den Nachbarn wünschen. Allerdings gibt es nun einmal Gesetze in Deutschland, an die sich jeder halten muss."

Der Traditionsverein kündigte an, sich mit den Verantwortlichen noch einmal zusammenzusetzen. Mit den betreffenden Nachbarn habe man bereits gesprochen. "Aber da ist leider kein Einlenken ersichtlich", berichtet der Vereinsvorsitzende Mario Krüger. Die Scheune war 2008 saniert worden und wurde seitdem immer weiter aufgepeppt. So haben Mitglieder des Kummroer Traditionsvereins neue Sanitärräume geschaffen, außerdem wurde eine Empore gebaut und ein Raum für Imbiss und Buffett errichtet. "Es wäre sehr schade, wenn dies nun alles kaum noch genutzt werden könnte. Wir haben so viel Zeit und Geld in die Scheune investiert, für eine einzige Veranstaltung im Jahr hätte sich dieser Aufwand nicht gelohnt", sagt Krüger.

Kommentar: Rückschlag für das Miteinander

Einer der Vorteile des Lebens auf dem Dorf ist die oftmals enge Verknüpfung innerhalb der Nachbarschaft. Man kennt sich, hilft sich gegenseitig oder unterhält sich einfach am Gartenzaun. Doch offensichtlich hat nicht jeder Freude daran.Denn statt miteinander zu reden und die Probleme anzusprechen, drohen Nachbarn der Kummroer Scheune mit einer Anzeige wegen Ruhestörung. Dass dort nicht jedes Wochenende, sondern nur ein paar Mal im Jahr gefeiert wird, spielt dabei anscheinend keine Rolle.Für das Miteinander und die Gemeinschaft in Kummro wäre es ein Rückschlag, sollte die Scheune künftig nicht mehr für Feiern zur Verfügung stehen. Daher bleibt zu hoffen, dass sich alle Beteiligten noch einmal zusammensetzen und einen Kompromiss finden.Hubertus Rößler

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