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Mieterin im Cabrio-Haus Felchower Straße beklagt Schäden nach Sturm / Vermieter zeigt wenig Verständnis

Wohnen in der Tropfsteinhöhle

Wasserschaden im Cabrio-Haus: Bei Mieterin Sabine Nebel tropft das Wasser von der Decke. Der Sturmschaden am Dach ist repariert, die Feuchtigkeitsschäden in ihrer Wohnung nicht
Wasserschaden im Cabrio-Haus: Bei Mieterin Sabine Nebel tropft das Wasser von der Decke. Der Sturmschaden am Dach ist repariert, die Feuchtigkeitsschäden in ihrer Wohnung nicht © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Michael Dietrich / 13.10.2017, 07:30 Uhr
Schwedt (MOZ) Sturm "Xavier" öffnete vor einer Woche das Dach ihres Hauses. Sabine Nebel wohnt im "Cabrio-Haus". Wasser lief ihre Wände herunter, beulte Decken aus, hob Laminat und Teppich. Ihr Vermieter findet das aber nicht so schlimm und will das in bewohntem Zustand sanieren.

Die Sturmnacht ist schon eine Woche her, aber noch immer zittert Sabine Nebel, wenn sie davon berichtet. Sie wohnt in der Felchower Straße 9 direkt unter dem Dach. Sturm "Xavier" wütete Donnerstag vor einer Woche solange am Seitenblech des Daches, bis es nachgab und der Wind unter die Dachhaut fahren konnte. Ein großes Stück Bitumenschweißbahn mit Dämmplatten klappte wie bei einem Cabrio erst nach oben, dann nach hinten ab. "Ich telefonierte gerade mit meiner Schwester, da flogen schon die ersten Teile vom Dach", erzählt sie und gibt zu, dass sie Angst hatte, was jetzt passiere. Das Bild vom Cabrio-Haus machte derweil im Facebook die Runde.

Anderntags sah sie die Bescherung in ihrer Wohnung. In Bad und Küche lief das Wasser vom Dach durch den offenen Lüftungsschacht die Wände herunter. Im Schlafzimmer tropfte die Tapete, im Zimmer daneben bog sich die Tapete an der Decke zu einer Beule voller Wasser. Teppich und Laminat hoben sich. Als Sabine Nebel den Havariedienst anrief, wollte der sie auf einen späteren Termin vertrösten. "Ich war so hilflos und sauer, dass ich ins Telefon schrie: ,Nein, Sie kommen sofort'", erinnert sie sich. Außer der notdürftigen Reparatur des Daches ist bisher nichts passiert.

Vermieter Wohnbauten meldete am Freitag, dass es außer dem Dach keine größeren Schäden gebe. Technik-Leiter Thomas Berschneider räumte Feuchtigkeitsschäden in einer Wohnung ein, die seien aber nicht so schlimm, niemand müsse ausziehen.

Seither besichtigten mehrere Vertreter der Wohnbauten und von Vertragsfirmen die Wohnung, schauten nach der Wasserbeule in der Tapete, der Feuchtigkeit in der Nähe des Heizstrahlers im Bad, rissen Deckenpaneele ab, um die Feuchtigkeit zu messen, schrieben Markierungen auf die Tapete, von wo bis wo diese abzureißen und zu erneuern wäre. Bauinstandhalter, Versicherungs-Beauftragte, Mieterbetreuer und Sachgebietsleiter begutachteten den Schaden. "Ich hörte aber von den Frauen nur Beschwichtigungen, dass alles nicht so schlimm sei, längst wieder trocken. Das mit dem Geruch bilde ich mir nur ein und meine Schäden könne ich ja über die Hausratversicherung klären", berichtet Sabine Nebel enttäuscht. "Mir wurde sogar gedroht, dass ich die Reparaturen der Schäden zu dulden habe, sonst müsse ich selbst für Folgeschäden haften."

Die Mieterin wohnt seit 17 Jahren in der Wohnung, möchte gern dort bleiben, auch wenn sie derzeit wegen der Feuchtigkeit und dem muffigen Geruch nicht im Schlafzimmer, sondern auf der Couch im Wohnzimmer schläft. Aus Angst davor, dass ihre Wohnung jetzt zur Baustelle wird, während sie dort wohnt, verbat sie den Wohnbauten, die Tapeten von den Wänden, das Laminat vom Boden zu reißen und einen großen Bautrockner aufzustellen. "Ich bin jetzt schon krank und mit den Nerven völlig runter, das halte ich nicht aus", klagt sie verzweifelt. Sie bat die Vertreter der Wohnbauten eindringlich, in eine neue Wohnung umziehen zu können.

Statt sich aber wie versprochen am nächsten Tag noch einmal bei der Mieterin zu melden, um die Sache zu klären, schickte die Wohnbauten am Donnerstag früh um halb acht trotzdem die Reparaturbrigade. Die musste freilich unverrichteter Dinge wieder abziehen, denn Sabine Nebel ließ sie nicht herein. "Das lasse ich mir nicht gefallen", erklärt sie und zeigte sich entschlossen, einen Rechtsanwalt einzuschalten, wenn ihr Vermieter nicht einlenke.

Die Wohnbauten hat in der Tat bisher wenig Verständnis für die Mieterin gezeigt, nicht ein Wort von Mitgefühl oder Bedauern habe sie vernommen, sagt Sabine Nebel. Weder sie noch der Vermieter kann etwas für den Schaden. "Trotzdem werde ich behandelt, als ob ich daran Schuld habe, werde ermahnt, ich hätte auch Pflichten und solle mich nicht wagen, mehr Schäden aufzuschreiben", berichtet sie.

Um eine Stellungnahme befragt, erklärte eine Sprecherin der Wohnbauten, dass alle Schritte zur Schadensbearbeitung eingeleitet wurden und die Mieterin allen Maßnahmen zugestimmt habe. Man wisse nicht, warum den Firmen jetzt der Zugang verwehrt wurde. Erst auf nochmalige Nachfrage räumte die Sprecherin ein, dass das Wort "Ersatzwohnung" doch gefallen sei, aber nicht als Forderung. Sie versprach, die Mieterin schnellstmöglich zu kontaktieren.

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