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Renaturierungsprojekt in Bernau / Durch künstliche Auen kann die Panke wieder natürlich fließen

Was lange fließt, wird gut

Jana Reimann-Grohs / 13.10.2017, 07:30 Uhr
Bernau (MOZ) Nach einer ersten Maßnahme zur Renaturierung der Panke in Zepernick im Herbst 2016 haben jetzt die Bauarbeiten an zwei Orten in Bernau begonnen: Einmal zum Teufelspfuhl hin, nahe der Bahnhofspassage, sowie entlang der Hesselwiese, neben dem Radfernweg Berlin-Usedom.

Laut Angaben des Wasser- und Bodenverbands "Finowfließ" hat sich die 27 Kilometer lange Panke - sie erstreckt sich vom nördlich gelegenen Pankeborn bis in den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal - erst in den letzten 200 Jahren vom "munteren Bächlein" zur zeitweiligen "Stinke-Panke" verwandelt. Dabei war sie in der Region immer eines der wichtigsten Gewässer. 1984 wurde sie deshalb schon einmal begradigt und ausgebaut. Ihr Fischreichtum hat sich durch die zunehmende Besiedelung und Folgen der Industrialisierung stark reduziert. Heute lassen sich vielleicht noch ein paar Stichlinge angeln.

Anregungen und Hinweise aus früheren Bauarbeiten wurden bei der aktuellen Umsetzung für Bernau berücksichtigt.Künstlich angelegte Gräben - sogenannte Sekundär-Auen - sollen den natürlich überschwemmten Auenbereich unterstützen.

Die Abführungsmöglichkeiten waren bislang beschränkt, sodass die Gewässerränder immer weiter vertieft werden mussten, um überschüssiges Wasser einzuleiten. Jetzt werden sie durch die neu angelegten Gräben auf einer Breite von 20 bis 30 Metern abgeflacht. So sorgen sie jeweils dafür, dass das Fließgewässer bei höheren Wasserständen geplant über die Ufer treten kann, ohne angrenzende Nutzflächen zu überfluten. "Wir schaffen hier eine künstliche Aue und nähern uns damit dem natürlichen Zustand wieder an", so Jürgen Brinckmann, der für die Stadtverwaltung tätig ist.

Insgesamt wird dadurch auch die generelle Hochwassergefahr für die Panke eingedämmt. Bei starken Niederschlägen kann wesentlich mehr Wasser gespeichert werden als zuvor. Außerdem entwickelt sie sich von einem überwiegend begradigten Gewässer wieder zu einer natürlichen Landschaftslinie, zeigt Brinckmann auf der Karte: "Die Panke wird sich komplett hier durchschlängeln." Auf die Frage, warum das ausgerechnet an diesen beiden Orten stattfinden soll, antwortet Brinckmann: "Woanders müsste die Stadt erst Eigentumsverhältnisse beachten und Grundflächen erwerben."

Ein Archäologe war schon vor Ort. Bisher konnte aber nichts Wertvolles gefunden werden. Während der Bagger den notwendigen Aue-Graben aushebt und den zukünftigen Pankeverlauf Richtung Teufelspfuhl modelliert, zeigt Andreas Krone, der als Geschäftsführer für den Wasser- und Bodenverband tätig ist, auf der Bauskizze die geplanten Veränderungen für die Uferseite.

Bis auf ein paar Erlenbäume sind keine weiteren Anpflanzungen vorgesehen, betont Krone. Er ist sich sehr sicher: Hier wird sich alles noch über Jahrzehnte hinweg verändern: "Es soll sich weitgehend natürlich entwickeln. Was die Panke daraus macht, wird sich zeigen!".

Dennoch haben die Stadtplaner ihre eigenen Visionen. Neben der Bahnhofspassage findet jetzt schon eine landschaftliche Aufwertung statt. Hier soll auch der zukünftige Eingangsbereich des neuen Hesselparks sein.

Abgesehen von einer vorgesehenen Verbindung ins benachbarte Wohngebiet wird sich durch die Renaturierungsarbeiten an der Börnicker Chaussee von der Straße aus eine Sichtachse zum zugewachsenen Teich ergeben. Aus dieser Landschaftslinie "entsteht ein völlig neues Raumgefüge", meint Jürgen Brinckmann, welches wieder nutzbar gemacht werden kann: "Da werden die Leute neugierig auf den Teufelspfuhl."

Zuallererst muss an den betreffenden Bauabschnitten aber die ökologische Ordnung wieder hergestellt werden. "Wie genau das stattfinden wird, wissen wir einfach noch nicht, witzelt Jürgen Brinckmann: "Vielleicht wird noch ein Biber als Landschaftsgestalter mithelfen."

Bis zum Jahresende sollen zumindest die mit EU-, Bundes- und Landesmitteln finanzierten Bauarbeiten abgeschlossen sein, gab der Wasser- und Bodenverband "Finowfließ" bekannt. Durch den Abtransport des Bodenaushubs am Hesselweg kann es teilweise zu Verkehrseinschränkungen am Usedom-Radweg kommen, kündigte der Bodenverband an.

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