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Friedhofsatzung in Rietz-Neuendorf wird überarbeitet / Anonyme und halb-anonyme Bestattungen möglich

Trend geht zur Urne

Würdiges Andenken: Claudia Schmidt, Ortsvorsteherin von Alt Golm, steht vor der anonymen Begräbnisstätte im Ort.
Würdiges Andenken: Claudia Schmidt, Ortsvorsteherin von Alt Golm, steht vor der anonymen Begräbnisstätte im Ort. © Foto: MOZ/Jörn Tornow
Tatjana Littig / 13.10.2017, 07:55 Uhr
Rietz-Neuendorf (MOZ) Den Gemeindevertretern von Rietz-Neuendorf wurde im Rathaus ein Entwurf zur neuen Friedhofssatzung vorgelegt. Notwendig geworden war das, weil sich die rechtliche Grundlage geändert hatte und neue Bestattungsformen fortan ermöglicht werden sollen.

Die Zahlen sprechen für sich. Im Jahr 2017 gab es in der Gemeinde Rietz-Neuendorf 29 Beisetzungen, 17 davon in Urnen. Im Jahr zuvor waren es 27 bei insgesamt 37 Beisetzungen. "Der Trend geht definitiv zur Urne", sagt Nico Ache, Kämmerer in der Gemeinde. Und einen weiteren Trend hat man in Rietz-Neuendorf ausgemacht: den zur anonymen beziehungsweise zur halb-anonymen Bestattung.

Als Vorreiter im Gemeindegebiet kann man Alt Golm aufführen. In dem Ortsteil gibt es schon länger Überlegungen, den Bürgern eine derartige Bestattungsform anzubieten. Interesse daran gibt es. Das ist das Ergebnis einer Einwohnerbefragung von September 2014. Gefragt nach einer anonymen Begräbnisstätte äußerten von 177 immerhin 127 den Wunsch nach einer solchen, zehn setzten ihr Kreuz bei nein, 40 Teilnehmern war es egal. Nach dem klaren Votum folgte ein langer Findungsprozess: Wie soll die Begräbnisstätte aussehen? Wo auf dem Friedhof soll sie hin? Verständigt hat man sich schließlich auf ein drei mal vier Meter großes Feld unter zwei stattlichen Eichen auf dem 48 Urnen Platz finden.

Realisiert wurde die anonyme Begräbnisstätte im vergangenen Jahr. Eingefasst ist das Feld mit einer Granitborde, von einem gepflasterten Punkt blickt man auf eine Tafel. Darauf ist der Spruch zu lesen: "Ich bin nicht tot. Ich tausche nur die Räume und geh durch eure Träume." Derzeit ist die Tafel beim Steinmetz, da die Schrift nachgebessert werden muss. Ortsvorsteherin Claudia Schmidt ist mit dem Ergebnis trotzdem zufrieden. "Es sieht würdevoll aus", findet sie.

Nur beigesetzt werden darf dort derzeit niemand. Grund dafür ist die Friedhofssatzung der Gemeinde. Denn die sieht eine anonyme und eine halb-anonyme Urnenbestattung nicht vor. Das soll sich bald ändern. "Durch den Wegzug der Kinder wird diese Bestattungsform vermehrt nachgefragt", berichtet Bauamtsleiter Stefan Horstmann. Das hört man auch aus den Ortsteilen. Interesse an einer anonymen beziehungsweise der halb-anonymen Urnenbestattung besteht beispielsweise in Glienicke, Sauen, Pfaffendorf, Görzig und auch Behrensdorf. "Wir hätten sie lieber gestern als heute", erklärt Cornelia Stotz, Ortsvorsteherin von Behrensdorf. Neben dem Wegzug der Kinder nennt sie ein weiteres Argument gegen das herkömmlich Grab: den Mangel an Zeit für die Pflege.

Im Entwurf der Verwaltung zur Satzung findet sich eine weitere Bestattungsform: die in einer Urnenstele. Vorzustellen habe man sich das wie ein Schließfach auf dem vorne der Name des Verstorbenen steht, beschreibt Stefan Horstmann. Bei einer Stele von fünf mal drei Metern könnten darin acht bis maximal 16 Urnen Platz finden. In Fürstenwalde und Briesen (Mark) sei diese Bestattungsform überaus gefragt, erzählt der Bauamtsleiter. In Rietz-Neuendorf reagiert man noch verhalten.

In der Kämmerei müssen nun die Kosten für das alles kalkuliert und eine Gebührensatzung für die Friedhofsnutzung erarbeitet werden. Wenn alles läuft wie geplant, dann können die Gemeindevertreter die Friedhofssatzung noch in diesem Jahr beschließen. Und dann geht es an die Umsetzung: Wie sollen die Begräbnisstätten aussehen?

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