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Schleusensaison auf dem Finowkanal endet am Sonntag / Wassertouristen kommen sogar aus Holland

In den Top Ten von Europa

Thomas Burckhardt / 13.10.2017, 19:20 Uhr
Eberswalde (MOZ) Am Sonntag, 17 Uhr, ist Schluss. Die Schleusensaison auf dem Finowkanal endet. Während die Politiker heftig über seine Zukunft streiten, schipperten hunderte Wassertouristen seit April durch die 13 Schleusen zwischen Liepe und Liebenwalde.

Woher kommen die Bootstouristen? Wie gefällt es ihnen hier? Die MOZ wollte es genau wissen und sprach in den vergangenen Monaten mit einigen von ihnen.Regina Niepagen und Hans Jürgen Russow haben es sich gemütlich gemacht. Ihre Berta, Baujahr 1965, liegt unterhalb der Ragöser Schleuse. 1999 kauften die Berliner das Proviantschiff vom Rhein und sind seitdem bis Frankreich, Belgien und Holland geschippert. Auf dem Finowkanal sind sie das dritte Mal unterwegs. "Es ist so ruhig hier. Kaum Verkehr. Wir haben nur Paddler gesehen", wundert sich die 68-Jährige. Das Motto der beiden: Der Weg ist das Ziel. Dort, wo es schön ist, halten sie an. Sofern es möglich ist. "Der Messingwerkhafen in Eberswalde hat uns sehr gefallen. Und die Schleusenwärter waren alle sehr nett. Was wir allerdings vermissen, sind Plätze, wo man Müll abgeben kann", sagt Russow. "Wir würden auch dafür bezahlen." Würden sie auch für das Schleusen zahIen? "Ja, natürlich. Aber da muss der Kanalbetreiber vorsichtig sein, damit man keine Touristen verschreckt", empfiehlt der 76-Jährige. Das System auf Frankreichs Kanälen findet er gut. Für 250 Euro gibt es eine Jahres-Vignette. Da ist alles drin: Müllentsorgung, Schleusungen, Liegeplätze. Das lohne sich aber nur für Leute, die wie sie sechs Monate auf dem Wasser sind.

Aus der Nähe von Bremen haben sich Klaus und Petra Thier gemeinsam mit ihren Freunden Karl-Heinz und Susanne Wieting auf den Weg nach Brandenburg gemacht. "Durch eine TV-Doku wurden wir mal auf den Kanal aufmerksam", verrät Klaus Thier. In der Marina Marienwerder hat sich das Quartett die Sportyacht "Erika" gemietet, um eine Woche lang den Kanal zu erkunden. "Es ist wunderschön hier. Sehr abwechslungsreich. Aber scheinbar sind wir hier die Einzigen", wundert sich das Quartett. Es ist Anfang September und die Ferien in Berlin Brandenburg gerade vorbei. Auch sie sind voll des Lobes über die Schleusenwärter. Ob sie was für Schleusungen bezahlen würden? "Fünf Euro wären für uns okay. In Holland ist es auch üblich, zwei bis drei Euro an den Hubbrücken zu bezahlen. Aber es ist freiwillig", erzählt Klaus Thier. "Sie müssen noch mehr Werbung für diesen wunderschönen Kanal machen. Dann kommen auch mehr Leute. Wir werden auf jeden Fall wiederkommen", sind sich die Vier einig.

Ein anderes Kaliber als die "Erika" ist die MS "Müritz", die einer der "Hingucker" der Saison war. Das 34 Meter lange Schiff passierte im Juni und September den Finowkanal. Vor zwei Jahren machte das in Malchow stationierte Schiff erstmals in Eberswalde fest. "Der Oder-Havel-Kanal war damals im Sommer wegen eines Brückenneubaus (Klosterbrücke bei Liepe - Anm. der Red) für ein paar Tage gesperrt. Da haben wir mal versucht, den Finowkanal zu befahren. Und siehe da, wir passten in die Schleusen", erinnert sich Kapitän Mike Pickrandt. Seitdem nimmt er immer den Finowkanal auf dem Weg nach Stettin. "Wir haben gestaunt, wie schön dieser Abschnitt ist. Schade, dass wir das nicht früher wussten."

Thomas Falkenstein aus Bochum zählt zu den 50 Passagieren an Bord. "Ich bin das erste Mal auf dem Finowkanal unterwegs und muss sagen, das toppt hier alles. Diese alten handbetriebenen Schleusen sind schon was ganz Besonderes", schwärmt der 63-Jährige. "So was wird sonst nirgendwo geboten."

Die MS Müritz legt in Eberswalde und in Oderberg an. Übernachtet wird im Seehotel Mühlenhaus in Sandkrug. Ein Ausflug zum Kloster Chorin und ein Stadtrundgang sind inklusive.

Auch der Eigner der 37 Meter lange "Liberté" aus Tangermünde hat vor zwei Jahren die Schönheit des Finowkanals für sich entdeckt, und die Route vom Oder-Havel-Kanal auf den Finowkanal verlagert. "Die Fahrten für 2018 und 2019 sind schon ausverkauft", verkündet Kapitän Thomas Magner stolz. Auch er unternimmt zwei Touren im Jahr nach Stettin. Einige seiner Gäste sind das fünfte Mal dabei.

Den weitesten Weg bis in den Barnim dürften Hans Timmers und Tineke Reelick zurückgelegt haben. Das Paar aus Den Haag, Holland, ist auf dem Rückweg von Stettin und schwer beeindruckt: "Was für ein wunderschöner Kanal. Und so hilfsbereite Schleusenwärter. Für uns gehört er in die Top Ten der Kanäle Europas."

Mehr Anlegeplätze und Möglichkeiten zur Müllentsorgung wären wünschenswert. Auch würden sie für Schleusungen bezahlen, wenn es hilft, diese in Zukunft offenzuhalten. Sie würden es sehr bedauern, wenn die 13 Schleusen eines Tages nicht mehr betrieben werden könnten. Ihr Ratschlag an die Barnimer: "Dann muss euch die Unesco helfen."

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