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Sozialausschuss berät über Schulbezirke / Satzung wird noch einmal überarbeitet

Drei weniger pro Klasse

Annemarie Diehr / 13.10.2017, 19:37 Uhr
Fürstenwalde (MOZ) Einmal mehr führten Beratungen über die Bildung von Schulbezirken in Fürstenwalde im Sozialausschuss zu hitzigen Diskussionen. Die Verwaltung kündigte Neuerungen an, Eltern protestierten und die Leiterin der Sigmund-Jähn-Schule fand klare Worte.

Ob sich die Stadt "im Norden eine Schule für die Assis und im Süden eine für die Schönen und Reichen" leisten wolle, warf Ines Tesch am Donnerstagabend in die Runde aus Ausschuss-, Verwaltungsmitgliedern und Eltern. Im Rücken rund zehn Lehrer ihres Kollegiums, machte die Leiterin der Sigmund-Jähn-Grundschule in Nord deutlich, warum die Schulbezirkssatzung kommen müsse: "Sie bringt uns Sicherheit in der Planung und wirkt der sozialen Schieflage zwischen Nord und Süd entgegen."

40 freie Plätze hatte die Jähn-Schule anzubieten, als sich um die Ablehnung von Kindern an der Goßmann-Schule in Süd vor Beginn des neuen Schuljahres eine hitzige Debatte entspann, die bis heute andauert. "Die Wahlmöglichkeit wurde nicht genutzt. Nicht das Profil einer Schule entscheidet, sondern die Entfernung zählt", sagte Tesch, deren Einrichtung als Ganztags-, Inklusions-, Lesende und Bewegte Schule eine Menge zu bieten hat. Zur Wahrheit gehört aber auch: Ohne den Zuzug von Flüchtlingskindern wäre die Jähn-Grundschule längst einzügig.

Sylvia Keßler aus Süd wollte ihrem Kind den Schulweg nach Nord nicht zumuten. Gegen einen Bus-Shuttle und für die Errichtung von Containern auf dem Gelände der Goßmann-Grundschule brachte sie ein Bürgerbegehren auf den Weg. Auch das war im Ausschuss Thema. Um den Platzmangel bis zur Eröffnung des neuen Schulzentrums an der Beeskower Chaussee durch den Kreis zu überbrücken, prüft die Stadtverwaltung zurzeit, ob Klassen entweder im geplanten Sanitärgebäude im Pneumant-Forum oder in Containern unterkommen können.

"Baurechtlich ist das Sanitätgebäude möglich", sagte Bürgermeister Hans-Ulrich Hengst. Mit Beginn des Schuljahres 2018/19 sei es aber voraussichtlich nicht bezugsfertig. Nun, so Hengst, diskutiere die Schulleitung erst einmal mit den Eltern, ob diese auch mit fünf, sechs Monaten Verspätung leben könnten. "Wenn nicht, kommen die Container."

Obwohl die Beschulung der Kinder aus Süd damit kurzfristig gesichert ist, die Wiedereinführung von vier Schulbezirken laut Verwaltung Schulen und Eltern zumindest Planungssicherheit bringen würde - Sylvia Keßler wollte die Diskussion des Gremiums nicht unkommentiert lassen. "25 Schüler - das funktioniert doch gar nicht, durch die Verweiler werden es trotzdem 28 pro Klasse", kritisierte sie die Ankündigung von Bildungs-Fachgruppenleiter Andreas Politz, bei der Festlegung der Bezirke von einer geringeren als der bisher veranschlagten Klassenstärke auszugehen. "Wir wollen nicht an der oberen Grenze von 28 kratzen, sondern von 25 Kindern ausgehen und die Schulbezirkssatzung entsprechend korrigieren", hatte Politz zuvor verkündet. Die Bezirke, so Hengst, würden deshalb noch einmal angepasst, bevor erneut über die Satzung entschieden werde.

Und die Verweiler, die scheinbar aus Platzmangel mitgezogen werden, anstatt die erste Klasse noch einmal zu machen? "Stimmt es, dass sie mit Kopfhörern weggedreht von der Klasse Stoff wiederholen?", wollten neben Sylvia Keßler auch Ausschussmitglieder wissen. "Eltern haben immer noch die Vorstellung, dass wir an der Tafel stehen und alle Kinder auf Seite 30 des Lehrbuchs sind", sagte Schulleiterin Ines Tesch, die dazu kurzerhand befragt wurde. Modernes Lernen bedeute, dass jedes Kind einen individuellen Lernplan habe. "Es wird nicht mehr ein Kind wie das andere behandelt."

Kommentar: Unausgesprochene Triebkräfte

Als Fürstenwalde 2010 die Wahlfreiheit bei den staatlichen Grundschulen schuf, fehlten auch schon Kinder in Nord. Die Lage heute ist anders, aber eins ist gleich geblieben: Es gibt Triebkräfte, die die Heftigkeit der Debatten erklären, aber nicht benannt werden. Sie haben viel mit Furcht vor realen oder vermeintlichen Tendenzen in Wohnvierteln wie Fürstenwalde-Nord zu tun. Ähnliche Triebkräfte sind auch in Erkner am Werk. Der Stadt dürften gleiche Debatten wie in Fürstenwalde noch ins Haus stehen, wenn es um eine neue Grundschule im Plattenbau-Viertel Neu-Buchhorst gehen wird.Die drastische Wortmeldung der Leiterin der Jähn-Schule zeigt: Es wäre gut, wenn die unausgesprochenen Triebkräfte mal ausgesprochen würden. Dann nämlich könnte Reales vom Vermeintlichen geschieden werden. Joachim Eggers

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Sylvia Kessler 05.11.2017 - 23:04:24

falsch recherchiert und falsche Schlüsse gezogen!

Wenn Sie schon meinen Namen verwenden ohne mein Einverständnis, dann sollten sie zumindest die richtigen Fakten benennen. Mein Kind wurde nicht an der Goßmann-Grundschule abgelehnt, wir haben dort einen Platz erhalten. Für sie ist es wahrscheinlich schwer vorstellbar aber ich möchte mich für alle kommenden Grundschüler einsetzen und bin selber nicht mehr betroffen. Es wäre nett wenn sie das nächste Mal besser recherchieren würden, ihre Berichterstattung ist mal wieder! sehr einseitig. In Fürstenwalde gibt es ein grundsätzliches Problem, es gibt hier in dem aktuellen und in den kommenden Jahren zu viele Schüler für die vorhandenen Grundschulen. Da kann man reden so viel man will und neue Schulbezirkesatzungen einführen, das hilft aber leider den vielen Kindern überhaupt nicht, sondern verschiebt nur die Probleme in angrenzende Stadtteile und die leidtragenden sind (mal wieder) die Kinder, die in großen Klassen lernen müssen, weil einige Stadtverordneten nicht handeln sondern lieber bei den Sitzungen Handyspiele spielen oder rechtzeitig heim wollen. >JE< Triebkräfte sind uns übrigens nicht bekannt! Wir möchten einfach nur, dass Kinder wohnortnah beschult werden können, Punkt aus!

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