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In der Debatte über eine Markterweiterung überrascht Manuela Köhler (CDU) mit einer Feststellung

"Kein Swingerclub, sondern Aldi"

Darf weiter wachsen: Der Wandlitzer Aldi-Markt soll um weitere 200 Quadratmeter vergrößert werden.
Darf weiter wachsen: Der Wandlitzer Aldi-Markt soll um weitere 200 Quadratmeter vergrößert werden. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Hans Still / 13.10.2017, 20:11 Uhr - Aktualisiert 13.10.2017, 20:12
Wandlitz (MOZ) Der erst vor gut einem Jahr eröffnete Wandlitzer Aldi-Markt darf seine Verkaufsfläche um weitere 200 Quadratmeter vergrößern und im hinteren Teil des Marktes anbauen. Das ist das Signal der jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter. Diese stimmten am Donnerstag dem Anliegen des Discounters mehrheitlich zu, indem sie vorgesehene Änderungen des Bebauungsplanes Prenzlauer/Chaussee/Wensickerdorfer Chaussee billigten.

Die vorab geführte leidenschaftliche Debatte dürfte den Gästen der Sitzung möglicherweise in Erinnerung bleiben. Ein Hauch von Bundestag wehte durch den Saal des "Goldenen Löwer", als Marita Kalinowski und Jörg Striegler (beide Linke/Grüne/B90/UWG) die herausragende Gelegenheit zur Systemkritik erkannten und entsprechend argumentierten. "Es gibt doch schon einhundert Sorten Joghurt, die uns alle nicht gesund machen. Es ist nur die Frage, welche machen uns mit ihrem Zucker weniger krank. Warum muss es jetzt noch mehr Platz für den Aldi geben?", fragte Marita Kalinowski provokant. Striegler legte gleich nach: "Niemand soll mit dem Argument kommen, der Discounter würde uns noch besser satt machen. Es ist von allem zu viel da."

Weitaus ernsthafter sind die Hinweise aufzunehmen, die auf den Nutzen der Gemeinde abzielen. So fragte Striegler konzentriert nach. "Wir wägen hier ab, und da muss doch auch der Vorteil für Wandlitz deutlich werden. Beispielsweise indem dieser ohnehin nicht schöne Baukörper mit Grün verschönert wird", sagte er. Uwe Liebehenschel (CDU) offenbarte hingegen sein völlig unverkrampftes Verhältnis zu großen Märkten. "Das ist ein Einzelhandelsstandort, da ist mir die Optik egal. Ich fände es schön, wenn die Bürgermeisterin in den Verhandlungen etwas mehr Grün herausschlägt und wir darauf achten, dass diese Bäume später auch anwachsen. Sonst sieht es nämlich aus wie bei Phillips in Basdorf. Dort wurden uns auch Bäume versprochen, die aber seit Jahren nicht anwachsen."

Bürgermeisterin Jana Radantbestätigte, in Sachen Grün bereits aktiv geworden zu sein. "Es gibt noch ein weiteres Verhandlungsergebnis: Wir werden auf diesem Gewerbestandort unsere Glascontainer aufstellen", kündigte sie an.

Für Lacher sorgte schließlich Manuela Köhler (CDU), die quasi mit wachsendem Unverständnis der Diskussion gelauscht hatte. "Das ist kein Swingerclub, sondern Aldi" stellte sie lakonisch fest und forderte im übertragenen Sinn die Gemeindevertreter auf, die Relation zu wahren. Am Ende stimmten nur drei Gemeindevertreter gegen die Abwägung.

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