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Akhanli ist wieder ein freier Mann

Der türkischstämmige Schriftsteller Dogan Akhanli aus Köln wird von Spanien nicht an die Türkei ausgeliefert.
Der türkischstämmige Schriftsteller Dogan Akhanli aus Köln wird von Spanien nicht an die Türkei ausgeliefert. © Foto: dpa
Martin Dahms / 13.10.2017, 20:40 Uhr
Madrid (MOZ) Das Rückflugticket für den kommenden Mittwoch hatte Dogan Akhanli schon gebucht. "Ich habe diese Entscheidung ja erwartet", sagte er am Freitagnachmittag. "Alles andere wäre nicht zu erklären gewesen. Aber ich freue mich sehr, dass ich jetzt wieder nach Hause darf." Nach knapp zwei Monaten unfreiwilligem Spanien-Aufenthalt kann der 60-jährige Kölner Schriftsteller das Land wieder als freier Mann verlassen. Das hat am Freitag der spanische Ministerrat beschlossen.

Akhanli war am Morgen des 19. August im andalusischen Granada festgenommen worden, wo er mit seiner Freundin einen Urlaub verbrachte. Auslöser für die Festnahme war ein über Interpol verbreitetes Ersuchen der türkischen Behörden, die ihm die Verwicklung in einen Mord in Istanbul im Jahr 1989 vorwerfen - ein Vorwurf, von dem er in einem Verfahren in der Türkei 2010 schon einmal freigesprochen worden war. Am Tag nach seiner Festnahme hatte ihn Spaniens Nationaler Gerichtshof wieder auf freien Fuß gesetzt, er durfte das Land aber bis zu einer endgültigen Entscheidung nicht verlassen.

Akhanlis deutscher Anwalt Ilias Uyar begrüßte die Entscheidung des Ministerrates, nicht auf ein Verfahren des Nationalen Gerichtshofes zu warten, sondern die Auslieferung jetzt zu stoppen. "Dennoch kommt diese Entscheidung viel zu spät, um sie als selbstbewussten Widerspruch gegen die Anmaßung der türkischen Regierung zu bewerten, ihren Kritikern auch in Spanien nachzustellen", teilte Uyar mit. "Es hätte der spanischen Regierung besser angestanden, sich der vom Erdogan-Regime geforderten Zuarbeit von vornherein zu verweigern."

Alles begann mit der "schrecklichen Erfahrung", plötzlich von der Polizei aus seinem Hotelzimmer geholt zu werden wie ein gefährlicher Terrorist. Akhanli wurde übel, "ich kann keine Zellen mehr ertragen", sagte er. Auch nach seiner Freilassung am Tag danach war er noch eine Woche krank. "Mein Körper und die Seele randalierten." Was ihn wieder aufbaute, waren die Besuche seiner Freundin und seiner Kinder. Und die überwältigende Solidarität, die er aus Deutschland erfuhr.

Akhanli verlässt Spanien aber nicht mit bitteren Gefühlen. Er hat begonnen das Land, das ihn festhielt, zu mögen. "Je mehr Kontakt ich mit den Menschen hatte und sie beobachtete, eine umso stärkere Verbindung entwickelte sich."

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