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Technik, die erregt

Darstellerinnen präsentieren auf der Erotikmesse "Venus" in Berlin Virtual-Reality-Brillen.
Darstellerinnen präsentieren auf der Erotikmesse "Venus" in Berlin Virtual-Reality-Brillen. © Foto: dpa
Maria Neuendorff / 13.10.2017, 21:05 Uhr - Aktualisiert 13.10.2017, 22:47
Berlin (MOZ) Virtual-Reality-Pornos, intelligente Dildos, smarte Sexpuppen - auch auf der Venus-Messe hält die Technik immer mehr Einzug. Bis Sonntag sind dort neben viel nackter Haut auch die neuesten High-Tech-Produkte zu sehen.

"Dolly" ist 1,62 Meter groß, hat rote Haare und fängt an zu stöhnen, wenn man ihre Brüste knetet. Ihr Körper aus Thermo-Plastik erhitzt sich auf 38 Grad. "Der Kuscheleffekt ist für manchen Kunden wichtig", weiß Ralf Reder. Jahrelang hat der Mann aus Wernigerode Wasserbetten verkauft. Nun präsentiert er den neuesten Schrei auf der Berliner Sexmesse. Denn der Fachhandel mit "lebensechten Sexpuppen" boome, berichtet der 57-Jährige. Seine stöhnende Ausfertigung mit Chip im Kopf für 2700 Euro hat er das erste Mal dabei. "Sie ist nur der Anfang in der Entwicklung der Sexroboter", erklärt Reder. "Derzeit arbeitet man daran, dass sie auch Augen und Mund bewegt und einem später vielleicht auch den Wetterbericht ansagt."

Die dickbusige Liebesmaschine ist längst nicht das einzige intelligente Spielzeug auf der Berliner Sexmesse, die bis Sonntag rund 30 000 Besucher mit erotischem Schnickschnack und Live-Shows in die Hallen am Funkturm locken will.

Die moderne Technik hat längst Einzug ins Schlafzimmer gehalten. Und so lassen sich junge wie ältere Pärchen an den Ständen mit Federkitzlern, Gummipeitschen und Liebesschaukeln vor allem die intelligenten Dildos erläutern. "Den Auflegevibrator mit magnetischem Ladekabel kann man auch für eine normale Massage verwenden", erklärt der Verkaufsmanager von "Fun Factory" und legt sich eines der gebogenen Hightechgeräte auf die Schultern. Wer will, kann mit einem der nagelneuen "Pulsatoren" auch zum Rennen um eine "Überraschungstüte" antreten. Weil die Dildos stoßen statt vibrieren, schieben sie sich in rhythmischen Bewegungen ganz von alleine über die ein Meter lange vierspurige Rennstrecke ins Ziel.

Ein kleiner Spaß zur Auflockerung. Das Publikum ist in der 21. Auflage gut durchmischt. "Wir machen während der Venus einmal im Jahr ein Männer-Wochenende in Berlin", erzählen drei junge Burschen aus dem Erzgebirge, die nach der Messe noch eine Bunkerbesichtigung gebucht haben.

Eine Drag Queen im langen Glitzerkleid führt ein paar blinde Messebesucher durch die Hallen. Während ältere Männer ihre Kameras auf die freigelegten Busen von Porno-Sternchen halten, dürfen sie den "Paar-Vibrator mit kraftvollen Motoren, Funkfernbedienung und hautfreundlichem Silikon" in die Hand nehmen. Die Fernbedienung vibriert im Takt zum Liebesspielzeug. "So haben Sie ihre Partnerin immer unter Kontrolle", feixt die Transvestitin in ein Mikrofon. "Aber für Gruppensex geht's noch nicht?", fragt eine Dame mit Krückstock.

Den gibt es eine Halle weiter in 3D. Dort kann man sich in dicke, leicht abwaschbare Kunstledersessel fallen lassen und sich in die "Erwachsenenunterhaltung" beamen. Wer die noch recht klobige High-End-Brille mit binauralem Sound aufsetzt, kann sich in verschiedenste Porno-Szenen begeben. Der Nutzer wird dabei selbst in das virtuelle Sex-Spiel eingebunden. Wer den Kopf senkt, kann zusehen, wie ihm von einer Schönheit scheinbar die Hose aufgeknöpft wird. Die Regensburger Firma verkauft die nagelneuen Kabinen für 20 000 Euro an Erotikstudios. "Mit dem Live-Erlebnis können diese wieder junge Leute zurückholen, die sonst ins Internet abwandern", glaubt einer der Manager. An seinem Stand sei heute schon ein italienischer Kunde gewesen, der die Virtual-Reality-Shows mit Sexpuppen verbinden will.

Wird der technische Fortschritt also bald ins Roboter-Bordell führen? Puppenverkäufer Ralf Reder glaubt, dass sprechende Exemplare eher etwas für die Einsamen sind, die beim Fernsehgucken was Hübsches neben sich auf der Couch zu sitzen haben wollen. "Die, die die Puppen zum Sex kaufen, wollen meist nicht quatschen."

Sonnabend 11 bis 22 Uhr, Sonntag 11 bis 19 Uhr. Messe Berlin, Masurenallee/Hammarskjöldplatz. Tageskarte ab 38 Euro

Bis Sonntag geht es unter dem Funkturm bei der "Venus" wieder heiß her. Die Messe feiert in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag.
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