Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Hantieren mit Leder, Metall und Computer

Sören Heinz, Geschäftsführer Schadok Orthopädietechnik in Fredersdorf-Vogelsdorf, und Azubi Linda Reinecke.
Sören Heinz, Geschäftsführer Schadok Orthopädietechnik in Fredersdorf-Vogelsdorf, und Azubi Linda Reinecke. © Foto: MOZ/Irina Voigt
Irina Voigt / 13.10.2017, 21:40 Uhr - Aktualisiert 13.10.2017, 22:12
Fredersdorf-Vogelsdorf (MOZ) Sie sind gefragt wie nie - Brandenburgs Handwerker. Ihre Berufe vereinen klassische Fertigkeiten mit moderner Technik. Wir zeigen, was junge Leute im Handwerk werden können und stellen Betriebe vor, die ausbilden. Heute: Schadock Orthopädie- und Rehabilitationstechnik aus Fredersdorf-Vogelsdorf.

Praktikanten aus Oberschulen müssen hier zeigen, was sie drauf haben. Aus einem harten Stück Leder, Metallklötzen und einem Pfund Gips sollen sie einen Lederbecher formen, nähen und Würfel zurechtfeilen. Alles grundlegende Fertigkeiten, die man als künftiger Azubi als Orthopädietechnik-Mechaniker besitzen sollte im Umgang mit Holz, mit Leder, mit Metall und den verschiedensten Verbund-stoffen. Hinzu kommt noch eine ganze Portion künstlerischer Fähigkeiten. "Manch Praktikant verzweifelt an der Frage, wie viele Punkte auf welche Würfelseite gehören", sagt schmunzelnd Sören Heinz. Er hat das Sanitätshaus Schadock für Orthopädie- und Rehabilitationstechnik 2013 von seiner Mutter übernommen.

1994 hatte Helga Schadock in ihrem Eigenheim in Vogelsdorf angefangen. Es wurde ausgebaut und ein Büro eingerichtet. Schnell wurde es zu eng. Mittlerweile gibt es die Firma mit ihren orthopädischen Werkstätten und Sanitätshäusern schon an mehreren Orten. Inzwischen ist es auch am neuen Standort in Vogelsdorf zu eng geworden und Planungen für neue Werkstätten, Verkaufs- und Beratungsräume liegen schon vor.

"Die Branche wächst unaufhaltsam. Die Menschen werden einerseits immer älter, andererseits brauchen sie Hilfsmittel durch die veränderte Lebensweise immer früher. Da geht es um Osteoporosekranke, um Diabetes-Folgen oder prothetische Hilfe nach Unfällen. In unseren Werkstätten arbeiten wir passgerecht und sind in vielen medizinisch-orthopädischen Belangen die Spezialisten in der Region", sagt Sören Heinz.

Mit zwei Mitarbeitern haben sie angefangen, heute gehören 70 Kolleginnen und Kollegen an den verschiedenen Standorten zum Team. Immer sei man an Nachwuchs für die hauptsächlichen Ausbildungsberufe interessiert, die im Unternehmen gebraucht werden. Das sind Orthopädietechniker und Kaufleute im Gesundheitswesen.

"Es ist ein schlauer, dem Menschen zugeneigter Beruf", sagt Heinz und meint damit, dass die Anforderungen äußerst vielfältig sind, es nicht allein um handwerkliche Fähigkeiten im Umgang mit den verschiedensten Materialien gehe. Anatomie, Physiologie und Pathologie sind ebenso Hauptfächer. Schon die Auszubildenden arbeiten eng mit Medizinern zusammen, müssen deren Sprache sprechen. "Wir fertigen Prothesen an, um Menschen zu helfen. Da muss man an den Patienten ganz nah ran, darf keine Scheu vor dessen Leiden haben", sagt er. Aber auch mit moderner Computertechnik werde zunehmend gearbeitet. Mittlerweile könnten Prothesen schon am Bildschirm entworfen werden.

Die dreijährige Ausbildung könnten Abiturienten antreten, sagt er, "aber Absolventen von Oberschulen oder aus dem Oberstufenzentrum sind ebenso geeignet, wenn sie die Voraussetzungen mitbringen. Und da ist ein selbstgebauter Würfelbecher nur ein ganz bescheidener Anfang."

Linda Reinecke ist im ersten Lehrjahr. "Ich musste eine Zeitlang ein Korsett tragen", erzählt sie. Von dem Moment an stand ihr Berufswunsch fest.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG