Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Arbeitsgruppe eröffnet am Sonnabend Ausstellung in Chorin / Anlehnung an historische Vorbilder

Geklöppelte Kirchenmotive

Internationale Einsendung: Dieses in einer Mischtechnik entstandene Kreuz stammt aus den Niederlanden. Für die Ausstellung ruft die Arbeitsgruppe um Gisela Klamann zu einem Wettbewerb mit Interpretationen historischer Randspitzen auf.
Internationale Einsendung: Dieses in einer Mischtechnik entstandene Kreuz stammt aus den Niederlanden. Für die Ausstellung ruft die Arbeitsgruppe um Gisela Klamann zu einem Wettbewerb mit Interpretationen historischer Randspitzen auf. © Foto: MOZ/Julia Lehmann
Julia Lehmann / 17.10.2017, 06:50 Uhr
Chorin (MOZ) Klöppeln gehört sicher zum nur noch selten ausgeübten Handwerk. In der Region hält sich die Klöppelgruppe um Gisela Klamann trotzdem mit Erfolg. Für eine Ausstellung wurde zu einem Wettbewerb aufgerufen. Die Ergebnisse sind ab Sonnabend in der Choriner Kirche zu sehen.

Gleich zwei Jubiläen hat sich die Klöppelgruppe vom Eberswalder Kulturbund zum Anlass genommen, eine neue Ausstellung einzurichten. Das 500. Reformationsjahr sowie das 900. Jubiläum des Zisterzienserklosters Morimond im französischen Fresnoy-en-Bassigny. Man geht davon aus, dass allein 44 deutsche Klostergründungen von dieser 1117 erbauten Abtei ausgingen und sie somit auch Bedeutung für das Choriner Kloster gehabt hat. Als Schauplatz für die Ausstellung hat Gisela Klamann, seit 1978 bereits Leiterin der Klöppelgruppe, die nahe gelegene Choriner Dorfkirche gewählt. Eine Woche vorher war sie bereits mit Vorbereitungen beschäftigt.

Gezeigt werden Interpretationen historischer Spitzentechniken. Die Klöppelgruppe hatte im Dezember zu einem Wettbewerb aufgerufen: "Historische Randspitzen - modern interpretiert", hieß die Ausschreibung, die über Deutschlands Grenzen hinaus Resonanz finden sollte. Das gelang auch. Bis zum 10. September waren Einsendungen möglich. Allerdings kamen, neben denen der eigenen Mitglieder, nur vier weitere Arbeiten hinzu. Eine davon stammt sogar aus den Niederlanden. Alle Stücke werden in der kleinen Feldsteinkirche zu sehen sein.

Dem Wettbewerbsaufruf nach sollten die Bewerber in ihren heimischen Kirchen nach historischen Randspitzen Ausschau halten - sogenannten Paramenten. Das sind Textilien, die zur Ausgestaltung sakraler Räume genutzt werden. Liturgische Gewänder zählen ebenso dazu. Randspitzen säumen dabei als flächiges Dekor das Textil und schmücken es dadurch, dass das Muster immer ein Durchscheinen des Hintergrundes ermöglicht.

Weiter hieß es, diese Spitzen in "zeitgemäße Abwandlungen" umzusetzen. Die Randspitze kann für neue Verwendungsmöglichkeiten in alter Form, aber mit neuem Material, umgesetzt werden, machte Gisela Klamann in der Ausschreibung einen Vorschlag. Oder aber Teilnehmer sollten die Randspitze in Einzelteilen dafür nutzen, dreidimensionale Stücke zu schaffen. Dabei durfte geklöppelt, gehäkelt oder genäht werden. Wobei gehäkelte Spitze noch die einfachste Variante ist, findet Gisela Klamann.

Eigentlich sollten als Vorlage also alte Spitzentücher aus den umliegenden Kirchen verwendet werden. "Dort findet man aber meist nicht viele", weiß Gisela Klamann aus eigener Erfahrung. In der Choriner Dorfkirche ist sie fündig geworden. Sie hat dort ein weißes Tuch mit gehäkelter Spitze entdeckt. Sie zeigt die häufig verwendeten Motive Kreuz und Kelch. Ein Kreuz hat sich auch Margreeth Heijs aus den Niederlanden als Ideengeber genommen. Sie hat ein Spitzenband in einer Mischtechnik gefertigt. Das verwendete dunkelrote Garn schimmert, als Gisela Klamann es in die Sonne hält. Das Kreuz wirkt zerbrechlich.

"Die älteste Spitzentechnik, die ich in einem Buch entdeckt habe, ist von 1561", erzählt Gisela Klamann. Die Überlieferung der verschiedenen Handwerkstechniken kam mit dem Buchdruck, weiß die 66-Jährige. Spitze ist seit Jahren auch in der heutigen Mode wiederzufinden. Handgemacht sind dabei nur die hochpreisigen Kleidungsstücke. Das meiste ist maschinengefertigt, weiß Gisela Klamann. Sie selbst hat zur Ausstellung unter anderem eine Halskette aus Silberdraht beigesteuert. "Mit Draht zu klöppeln, ist weit schwieriger, weil das Material brechen kann", sagt sie. Als Kind habe sie das Handwerk erlernt und ist seit dem neben wenigen Unterbrechungen immer drangeblieben. Weil Klöppeln heute ein selten ausgeübtes Handwerk ist, hofft Gisela Klamann es durch Ausstellungen wie diese zu mehr Popularität zu verhelfen.

Eröffnung: Dorfkirche Chorin, 21.10., 11 Uhr, bis 31.10

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG