Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Initiative "Barnim für alle" schlägt Alarm / Behördensprecher weist Behauptungen zurück

Rassismusvorwurf gegen zwei Polizisten

Vorwurf gegen zwei Bundespolizisten lautet Rassismus. Eine Initiative hat ihn erhoben.
Vorwurf gegen zwei Bundespolizisten lautet Rassismus. Eine Initiative hat ihn erhoben. © Foto: dpa
Sven Klamann / 18.10.2017, 20:17 Uhr - Aktualisiert 19.10.2017, 06:43
Eberswalde (MOZ) Die Initiative "Barnim für alle", ein kreisweiter Zusammenschluss ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer, wirft zwei Bundespolizisten Rassismus vor. Die Beamten hätten am 10. Oktober gegen 10 Uhr am Bahnhof Eberswalde zwei Reisende aus Somalia kontrolliert, während neben diesen laufende Passanten mit weißer Hautfarbe nicht angesprochen worden seien. Die Bundespolizei widerspricht den Aussagen vehement.

"Die beiden Betroffenen wurden von den Beamten unfreundlich, herablassend und aggressiv behandelt. Sie mussten sich ausweisen, wurden abgetastet, ihre Taschen und Rucksäcke wurden durchsucht und sie wurden mit einer Videokamera gefilmt", heißt es in einer Pressemitteilung, die von der Initiative am Dienstag veröffentlicht wurde. Die Polizisten seien auf die Frage nach dem Grund für die Kontrolle jede Antwort schuldig geblieben. "Barnim für alle" sieht den Tatbestand des "Racial Profiling" gegeben. So werde die Methode bezeichnet, das Erscheinungsbild, also etwa Hautfarbe oder Gesichtszüge als Entscheidungsgrundlage für polizeiliche Maßnahmen wie Personenkontrollen, Ermittlungen und Überwachungen heranzuziehen. "Im Jahr 2012 stufte das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz Racial Profiling als illegal ein, weil es gegen das Diskriminierungsverbot des Grundgesetzes verstoße", teilt die Initiative mit.

"An der Geschichte ist nichts Substantielles dran", entgegnet Thorsten Peters, der bei der Bundespolizeidirektion Berlin die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet und sich in der Inspektion Angermünde nach dem tatsächlichen Geschehen erkundigt habe. Eberswalde liege im 30-Kilometer-Bereich der Grenze zu Polen, die Bahnstrecke Stettin-Berlin sei durchaus ein Schwerpunktbereich, in dem Schleusungen passieren. "Deswegen werden dort immer wieder Bahnreisende kontrolliert", betont Thorsten Peters. Es seien aber auch Personen herausgesucht worden, die mitteleuropäisch ausgesehen hätten. "Die Kollegen haben kein Racial Profiling vorgenommen, sondern ihren Job gemacht", sagt der Sprecher der Bundespolizei.

Die bei der angeführten Kontrolle erlebbare Aggressivität sei nicht von den Beamten ausgegangen, ergänzt Kai Ruddies von der Inspektion Angermünde. Die Polizisten hätten aus Eigenschutz darauf bestanden, die Hände der Kontrollierten zu sehen. Einer der Männer habe dies strikt verweigert, was zu einer etwas lauteren Ansage durch die Beamten geführt habe. Die Streife sei durch einen Berliner Journalisten begleitet worden, der die Kamera bei dieser Kontrolle abgeschaltet habe.

Kommentar: Genau richtig reagiert

Immer wieder ist der Vorwurf zu vernehmen, die Polizei gehe willkürlich gegen Menschen vor, die fremd und anders aussehen. Jede dieser Behauptungen wiegt schwer - vor allem, wenn sie nicht völlig aus der Luft gegriffen scheinen. Rassismus ist von niemandem und nirgends hinnehmbar!Da spielt es keine Rolle, dass auch Polizisten nicht völlig frei von Vorurteilen handeln. Und ihre Erfahrungen sie lehrt, dass zum Beispiel illegale Migration eher von Menschen begangen wird, deren Hautfarbe dunkler ist. Das Wissen um diese Tatsache an sich ist noch lange nicht praktizierter Rassismus. Aber die Grenzen sind fließend.Genau deshalb fordert die besorgte Öffentlichkeit gerade von Polizisten mit Fug und Recht ein besonderes Feingefühl. Wir leben schließlich nicht in einem Polizeistaat. Daher war zumindest die Wortmeldung der Initiative "Barnim für alle" berechtigt. Und die prompte Antwort der Bundespolizei die richtige Reaktion. Sven Klamann

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Frank Schneider 19.10.2017 - 13:12:02

den Spieß umdrehen

Vorsätzliche Falschbeschuldigungen sind strafbar. Hoffentlich wehren sich die Polizisten dagegen.

Ines Koepnick 19.10.2017 - 11:38:29

zweiter Versuch !

Diese "Gut Menschen " haben Mangel an Respekt vor der Arbeit der Bundespolizei. Viele Bürger sind froh darüber, dass Kontrollen vor allem an Bahnhöfen durch geführt werden. Der Mörder von Susanne F. hätte auch längst ab geschoben werden sollen.Statdessen lief ein Straftäter frei herum. Da sollen doch mal bitte diese Lobbyisten dies den Angehörigen erklären. Meine Papiere können auch jederzeit kontrolliert werden. Wenn die Papiere in Ordnung sind ist doch alles ok. Ich finde es unmöglich gleich die Rassismuskeule raus zu holen. Andere Argumente haben die Herrschaften wohl nicht. Dies zeigt doch einmal mehr die Intoleranz dieser Herrschaften.Hoffe auf weitere Kommentare ! Ines Rauchstädt

Ines Koepnick 19.10.2017 - 11:12:07

Ich stimme Herrn Berg da voll zu !

Leider

Karsten Berg 19.10.2017 - 08:26:03

Leider

Die Initiative "Barnim für alle" ist eine klassische Lobbyorganisation, die ausschließlich die Interessen ihrer Zielgruppe verfolgt. Die Bundespolizei hat im Rahmen ihrer Aufgabenstellung für die Sicherheit der gesamten Bevölkerung zu sorgen. Es ist leider immer wieder zu beobachten, dass von Seiten interessierter "Initiativen" sofort die Rassismuskeule hervorgeholt wird, ohne den tatsächlichen Sachverhalt zu kennen oder eine entsprechende unabhängige Prüfung abzuwarten. Die Bundespolizei macht in der Regel einen schweren und verantwortungsvollen Job, der auch dadurch nicht gerade erleichtert wird, dass mit Duldung der Bundesregierung tausende Migranten ohne oder mit falschen Papieren im Lande unterwegs sind und immer noch ins Land kommen. Diese illegale Migration zu verhindern, ist eine Aufgabe der Bundespolizei und hierfür wird auch das Mittel der Personenkontrolle genutzt. Sollte es dabei zu Problemen kommen, muß dem natürlich nachgegangen werden. Es wäre aber verantwortlicher gewesen, wenn sich die Initiative, anstelle gleich mit schwerwiegenden Anschuldigungen an die Öffentlichkeit zu gehen, z.B. mit dem bei dem Vorfall anwesenden Journalisten als Zeugen in Verbindung gesetzt hätte.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG