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Bremer Schlagzeugensemble beeindruckt bei Perkussion-Konzert in der St. Annen-Kirche / "Luthers Hammerschläge mit Widerhall" überzeugen weniger

Musik, die nicht gerade leicht ins Ohr geht

Beeindruckt durch höchste Professionalität: das Bremer Schlagzeugensemble unter Leitung von Prof. Olaf Tzschoppe (r.) mit Hsin Lee, Moritz Koch und Lukas Kuhn.
Beeindruckt durch höchste Professionalität: das Bremer Schlagzeugensemble unter Leitung von Prof. Olaf Tzschoppe (r.) mit Hsin Lee, Moritz Koch und Lukas Kuhn. © Foto: Klaus Kleinmann
Klaus Kleinmann / 01.11.2017, 06:40 Uhr
Zepernick (MOZ) Die Evangelische Kirchengemeinde lud im Rahmen ihrer Konzertreihe "Randspiele" zu dem Perkussion-Konzert "Luthers Hammerschläge mit Widerhall" in die St. Annen-Kirche nach Zepernick. Die Reihe macht es sich ausdrücklich zum Programm, unbekanntes musikalisches Terrain zu betreten. Das tat sie auch jetzt wieder, denn für das Konzert am vergangenen Sonntag schrieben sieben moderne Komponisten Beiträge, die sich im weitesten Sinne auf Martin Luther bezogen. Das passt ja in die Zeit. Dazu war das Bremer Schlagzeugensemble eingeladen, das von Prof. Olaf Tzschoppe geleitet wird. Weitere Mitglieder sind Hsin Lee, Moritz Koch und Lukas Kuhn.

Das Quartett bedient die verschiedensten Perkussion-Instrumente wie Vibraphon, Marimbaphon, Trommeln, Becken, Bongos, Tamtam und viele mehr. Die Musiker spielen oft parallel auf mehreren Instrumenten gleichzeitig und tun das mit unglaublicher Präzision, was um so mehr Bewunderung verdient, als die dargebotene Musik nicht gerade leicht ins Ohr geht. Obendrein beruht sie auf haargenauen Partituren. Die Improvisation hat bestenfalls eine minimale Randbedeutung, wie Olaf Tschoppe bestätigt. Beim Bremer Schlagzeugensemble sitzt jeder Einsatz und jeder Anschlag wie im Bilderbuch.

Und an ein Bilderbuch fühlt man sich immer wieder beim Zuhören erinnert, denn die dissonanten Tonfolgen rufen viele reale Klangassoziationen hervor. Da quaken Frösche, fallen Tropfen hinunter und wieder hinauf, da kullern Kartoffeln die Treppe hinunter, da zersplittert Glas. Eine Dampflok fährt ratternd und zischend vorbei, das Weihnachtsglöckchen ruft unter den Christbaum, zwei Spechte unterhalten sich klopfend im Wald, klein Erna wühlt in Mutters Schmuckkästchen. Jemand schlägt reihenweise Eiszapfen mit einer Stange vom Dach, der Wind weht übers Stoppelfeld, Oskar drischt auf seine Blechtrommel ein, Theaterdonner, Feuerwerk - so könnte man noch endlos weiter assoziieren. Manche Stellen klingen wie hochkonzentrierter musikalischer Zen-Buddhismus, anderswo purzeln sämtliche Alu-Töpfe gleichzeitig aus dem Schrank: Das Spektrum ist riesengroß, das Bremer Schlagzeugensemble beeindruckt durch höchste Professionalität.

Knocking on Heavens Door - Klopfen an der Himmelstür? Vielleicht. Die Frage ist nur, ob jemand aufmacht.

"Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Verzagten herzhaftig zu machen, den Neid und den Hass zu mindern - denn die Musik" - so zitiert einer der Komponisten im Beiheft Martin Luther. Die Musik im Allgemeinen kann das sicher, diese Musik hier kann es weniger, trotz aller kuriosen Einfälle, die sie punktuell hervorruft. Das Publikum sitzt stocksteif da, oft mit verschränkten Armen und regloser Miene. Da wippt keiner mit dem Fuß, kein beseeltes Lächeln spielt um die Lippen, auch andere Gefühlsregungen sind nicht erkennbar. Am Ende erklingt höflicher Applaus, aber eine Zugabe wird nicht verlangt. Alle wollen nach Hause, denn in der Kirche ist es eiskalt, und diese Töne heizen niemandem ein.

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