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Flugblatt am Bahnhof aufgehängt / Polizei sieht dort aber keinen Schwerpunkt / Fallzahlen rückläufig

Warnung vor Fahrraddiebstahl

Hinweiszettel am Bahnhof: An zwei Stellen wird vor massivem Fahrraddiebstahl gewarnt. Die Polizei kann einen Anstieg der Fallzahlen aber nicht bestätigen.
Hinweiszettel am Bahnhof: An zwei Stellen wird vor massivem Fahrraddiebstahl gewarnt. Die Polizei kann einen Anstieg der Fallzahlen aber nicht bestätigen. © Foto: MOZ/Stefan Lötsch
Stefan Lötsch / 03.11.2017, 20:54 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Werden rund um den Bahnhof in Eisenhüttenstadt besonders viele Fahrräder gestohlen? Auf einem Flugblatt wird dies behauptet. Doch die Polizei sieht in diesem Bereich keinen Schwerpunkt.

"Vorsicht! Massiver Fahrrad-Diebstahl." So steht es auf Zetteln, die an Fahrradständern am Bahnhof in Eisenhüttenstadt mit Klarsichtfolie angebracht sind. Da die Polizei machtlos sei, schreibt der offensichtlich Betroffene, sollten sich die Anwohner in Eigeninitiative auf die Lauer legen, um die Täter auf frischer Tat zu ertappen.

Der Bahnhof - ein Kriminalitätsschwerpunkt? Das sei nicht zu erkennen, werde auch nicht durch die Statistik bestätigt, erklärt Bernd Böttcher, Pressesprecher der Polizeiinspektion Oder-Spree/Frankfurt (Oder). Auch sei in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kein signifikanter Anstieg von Fahrraddiebstählen festzustellen. Eher im Gegenteil. Bisher sind in diesem Jahr, wenn auch auf sehr geringem Niveau, weniger Drahtesel in Eisenhüttenstadt gestohlen worden als 2016. Für dieses Jahr wurden bis Ende Oktober 122 Diebstähle gemeldet, sieben weniger als im Vorjahreszeitraum. Überhaupt ist Eisenhüttenstadt im Vergleich zu anderen Grenzgemeinden entlang der Oder von diesem Diebstahlsdelikt nicht so gravierend betroffen. So wurden 2014, wo es besonders viele Anzeigen gab, in Forst 952 Drahtesel gestohlen, in Guben noch 511 und in Eisenhüttenstadt 254. Seitdem ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.

Bernd Böttcher erklärt, dass es die Diebe auch nicht auf spezielle Marken oder nur teure Räder abgesehen haben. "Es werden nicht nur hochwertige Räder entwendet", sagt der Pressesprecher. Auch scheint es nicht so zu sein, dass das Diebesgut über die Grenze geschafft wird. Zumindest legen das die Ermittlungen zu den Tatverdächtigen nahe.

Wie bei Autodiebstählen ist die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen sehr gering. 2016, so Bernd Böttcher, wurden von den 129 Diebstählen gerade einmal sechs Fälle aufgeklärt, was eine Aufklärungsquote von mageren 4,7 Prozent ergibt. Fünf Tatverdächtige wurden ermittelt, zwei davon waren nicht deutscher Herkunft. Ein Tatverdächtiger war jünger als 21 Jahre. Für dieses Jahr sieht die Aufklärungsbilanz bis Ende Oktober besser aus. 13 Fälle wurden aufgeklärt, was eine Aufklärungsquote von 10,7 Prozent ergibt. Auch wurden wesentlich mehr Tatverdächtige ermittelt, nämlich 16, davon drei mit nicht deutscher Herkunft. Allerdings waren unter den Dieben in diesem Jahr auch zwei Kinder sowie vier, die jünger als 21 Jahre sind.

Ein Manko am Bahnhof ist, dass es dort kaum Abstellplätze für die Drahtesel gibt, und schon gar keine sicheren. Auch nach dem Umbau des Bahnhofsvorplatzes hat sich das nicht geändert. Die Westseite soll frühstens 2019 umgestaltet werden, wenn die Bahn neue, barrierefreie Zugänge zu den Bahngleisen schaffen will.

Und natürlich sollten die Fahrräder mit einem Schloss gut gesichert werden. "Je teurer das Rad desto hochwertiger sollte das Schloss sein", rät der Polizeisprecher und gibt noch einen weiteren Tipp: "Es ist aber festzustellen, dass uncodierte Fahrräder gegenüber codierten Rädern eher entwendet werden." Die Codierung, bei der auf den Rahmen eine individuelle Nummer eingefräst wird, wird von der Polizei immer wieder kostenfrei angeboten.

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Norbert Wesenberg 15.11.2017 - 07:29:13

"Auch scheint es nicht so zu sein, dass das Diebesgut über die Grenze geschafft wird."

Muss es ja auch nicht unbedingt, denn wenn man sich an den altbewährten Beschaffungsgrundsatz aus DDR-Zeiten hält: "Wenn jeder jedem was klaut, dann kommt niemand was weg", dann stimmt auch wieder die Polizeistatistik der rot-roten Regierung. Und liebe Noch-Fahrradbesitzer, bitte nicht auf den Unsinn der künstlichen DNA, die Anschaffung sündhaft teurer Fahrradschlösser, oder die Fahrradcodierung durch die Polizei, hereinfallen. Die Räder nehmen die Diebe am liebsten und tauchen dennoch nie wieder auf. Leider selbst erlebt.

Hendrik Pytel 14.11.2017 - 20:25:11

Pressesprecher der Polizei beschönigt Wirklichkeit

Es ist lobenswert, dass die MOZ und ihr Lokalredakteur Stefan Lötsch auf Probleme wie den massiven Fahrraddiebstahl am Eisenhüttenstädter Bahnhof aufmerksam machen. Als Betroffener habe ich die Flugblätter dort zur Warnung angebracht, nachdem mir allein in diesem Jahr 5 Fahrräder gestohlen wurden, obwohl sie gesichert waren. Die letzten 3 Räder hatte ich von Freunden bekommen, alle wurden mir nach kurzer Zeit am Bahnhof geklaut. Wenn es dem Dieb nicht gleich gelang (ein Holzpflock steckte eines Abends sogar noch, mit dem er mein Spiralkabelschloss vergebens zu überdrehen versucht hatte), so gelang es ihm am nächsten Tag, das Fahrrad zu entwenden. Solche Verhältnisse habe ich nicht mal in Berlin erlebt, wo Fahrraddiebstähle auch keine Seltenheit sind. Als Geschädigter ist es für mich daher unerträglich, wenn sich der zuständige Polizeisprecher Herr Böttcher jahrein, jahraus hinter der Kriminalitätsstatistik versteckt und die Lage damit beschönigt. Selbst wenn die rückläufigen Zahlen mittlerweile stimmen sollten: Was sagt solch eine Polizeistatistik über die Wirklichkeit aus? Meine Fahrräder z.B. tauchen darin gar nicht auf, da ich deren Diebstahl nicht mal mehr angezeigt habe. Die Dunkelziffer dürfte also um ein Vielfaches höher liegen; die zahlreichen Fahrradleichen am Bahnhof zeugen davon.

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