Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Städtische Linde fiel in Erkner bei "Xavier" aufs Grundstück von Uwe Zach - der will jetzt klagen

Sturmschaden mit Ansage

Da liegt sie: die umgekippte Linde nach dem Sturm.
Da liegt sie: die umgekippte Linde nach dem Sturm. © Foto: Leserfoto
Von Manja Wilde und Joachim Egg / 10.11.2017, 17:52 Uhr
Erkner/Fürstenwalde (MOZ) Der Sturm riss im Oktober viele Bäume um - auch die Linde, die in Erkner auf das Grundstück vom Uwe Zach fiel. Im Sommer hatte er die Stadt aufgefordert, den Baum zu beschneiden. Jetzt erwägt der Erkneraner zu klagen. Auch in Fürstenwalde fragten Bürger nach Schadenersatz wegen Sturmschäden.

Die Finkengasse ist Erkners wohl schmalste Allee. Der Weg, der zu eng ist für den Winterdienst, führt vom Semnonenring quer durch die Bahnhofssiedlung zur Woltersdorfer Landstraße und wird von Fußgängern und Radfahrern gern genutzt. Damit das besser möglich ist, ließ die Stadt ihn 2014 ausbessern und die Gehwegdecke befestigen.

Ob dabei auch die Wurzel der Linde beschnitten wurde, die am Grundstückszaun von Uwe Zach steht, ist nicht bekannt. Die Spuren, die der inzwischen weggeräumte Baumstamm hinterließ, deuten jedenfalls darauf hin, dass eine zu dem Fußweg hin verlaufende Wurzel beschnitten wurde. Nach einem leichten Sturm am 18. August erkannte - und fotografierte - Zach Risse in der Wegdecke vor dem Baum - Anzeichen dafür, dass der Baum sich hob. Am 21. August schrieb Zach eine E-Mail an die Stadt und bat dringend darum, dass die Linde eingekürzt werden möge.

Die Stadt hat auf diese Mail reagiert, indem der zuständige Bearbeiter im Ordnungsamt die Sache in Augenschein nahm; das ist für das Weitere entscheidend. Eine Maßnahme leitete er nicht ein.

Als am 5. Oktober "Xavier" in halb Deutschland und eben auch in Erkner wütete, traf ein, was Zach befürchtet hatte. Die Linde krachte um und fiel aufs Zachs Grundstück. Weil der Erkneraner weiß, dass seine Parzelle 18 Meter breit ist, konnte er gut abschätzen, dass die Linde 19 Meter hoch gewesen sein muss, sie ragte noch aufs Nachbargrundstück. Der Zaun, die Hecke, den Pavillon, ein Fahrradunterstand und ein Kirschbaum wurden getroffen. Zach machte den Schaden, den er auf 2500 Euro beziffert, bei der Stadt geltend, die reichte ihn bei ihrer Versicherung ein, dem Kommunalen Schadensausgleich (KSA). Von dort bekam Zach den Bescheid: Er bekommt nichts.

Das kann er nicht fassen - aus seiner Sicht hat die Stadt ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt. Doch nach einer Aussage von Anne Wenzel vom Ordnungsamt, die Bürgermeister Jochen Kirsch bestätigt, ist dieser Vorwurf unberechtigt: Indem die Stadt nachgesehen hat, hat sie ihre Pflicht erfüllt. Das bekräftigt auch Klaus Kocks, der Sprecher des KSA. Nur wenn die Kommune eine grob fahrlässige Pflichtverletzung begehe, müsse sie haften, und dann springe der KSA ein. Was das praktisch für Kommunen heißt, formuliert Kocks einprägsam: "Gucken kommen reicht." Weil die Rechtslage so sei, sagt Kocks, gebe es nach "Xavier" nur wenige Einzelfälle, die zu regulieren seien. In Ostdeutschland, sagt Kocks, sei das relativ neu, weil dort früher viele Versicherungen alle Naturschäden abgedeckt hätten. Zach kann das nicht einsehen.

Solch einen Extremfall gibt es in Fürstenwalde zwar nicht, dennoch seien auch dort Schäden angemeldet worden, sagt Thomas Schmidt, der Baumsachverständige im Rathaus. Weil Sturm aber als "höhere Gewalt" gelte, lasse sich auch mit Kontrolle und Baumschnitt nicht verhindern, dass Gehölze fallen. "Entsteht ein Schaden bei Windstille oder leichtem Wind, ist der Baumeigentümer verantwortlich", erklärt Schmidt. Manchmal müsse die Stadt dann nachweisen, dass die Bäume vorsorglich kontrolliert wurden.

Nach Xavier sind Schmidt zwei, drei Anfragen bekannt, in denen sich Bürger bei der Stadt nach Schadenersatz erkundigten. Bis zur für Versicherungen zuständigen Stelle im Rathaus seien diese Anfragen aber gar nicht vorgedrungen, sagt Stadtsprecherin Nadine Gebauer. Lediglich der Parkclub habe einen Schaden gemeldet. Da dieser aber zur Stadt gehört, liege der Fall etwas anders. Zudem sei dieser über die Gebäudeversicherung abgedeckt. Anders verhielt es sich im Jahr 2011, als ein Fürstenwalder Stadtbaum auf eine Hollywoodschaukel auf einem Privatgrundstück fiel. Doch auch dort ging der Antragsteller leer aus. "Die Versicherung lehnte es ab zu zahlen, weil wir unserer Baumpflegepflicht nachgekommen sind", sagt Nadine Gebauer.

In Grünheide habe es nach Xavier "eine Handvoll" Meldungen gegeben, dass Gemeindebäume auf Privatgrundstücke gefallen sind, sagt Ordnungsamtsleiter Nico Bauermeister. Mit dem Hinweis, dass Sturm als "höhere Gewalt" gelte und dabei auch gesunde Bäume fallen können, hätten sich die Betroffenen aber zufrieden gegeben. Zudem seien sie darauf hingewiesen worden, dass beispielsweise die Grundstücksversicherung dafür aufkomme, sagt Bauermeister.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Gregor Kriens 11.11.2017 - 19:17:57

Gucken kommen reicht ja...

"Gucken kommen reicht"... wenn das stimmt, gilt das auch sicher für Grundstückseigentümer z. B. bezüglich der "Schneeräumpflicht"... oder?

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG