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Detlev Frye erhält in Lebus auch Stimmen von CDU und Linken

Erster AfD-Politiker zum Bürgermeister gewählt

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Doris Steinkraus und Ulrich Thiessen / 10.11.2017, 20:27 Uhr - Aktualisiert 10.11.2017, 20:43
Lebus (MOZ) In Brandenburg ist erstmals ein AfD-Politiker zum Bürgermeister gewählt worden. Die Stadtverordneten von Lebus (Märkisch-Oderland) hoben am Donnerstagabend Detlev Frye in das Amt. Der 53-Jährige bekam dafür auch die Stimmen von der CDU und der Linken.

Frye ist seit den Kommunalwahlen 2014 Stadtverordneter in Lebus und Mitglied des Kreistages von Märkisch-Oderland. Mit zehn Ja- und drei Nein-Stimmen fiel die geheime Wahl eindeutig aus. Linke und CDU hatten schon vor der Wahl ihre Unterstützung zugesichert.

Frye amtiert nun zunächst für die nächsten drei Monate als Bürgermeister. Die Wahl war notwendig geworden, weil die Amtsinhaberin Britta Fabig und ihre Stellvertreterin Maren Nickel im Oktober ihre Mandate niedergelegt hatten. Frye warb vor der Abstimmung für seine Ernennung. Man wähle nicht die Partei, sondern entscheide sich für seine Person. Er wolle beweisen, dass er der richtige Mann für Lebus sei.

Im Februar müssen die Stadtverordneten von Lebus dann regulär einen neuen Bürgermeister wählen. Frye gilt angesichts des derzeitigen Stimmenverhältnisses als Favorit. Auch diese Wahl erfolgt nicht durch die Bürger, da es sich um einen Amtswechsel in der laufenden Legislaturperiode handelt. Der nächste Urnengang in der 3000-Einwohner-Stadt ist die Kommunalwahl im Jahre 2019.

In Potsdam sorgten die Ereignisse in Lebus für Empörung. Vor allem weil Vertreter der Linken und der CDU dem AfD-Mann ihre Stimme gaben. Die Landesgeschäftsführerin der Linken, Anja Mayer, erklärte, dass die Wahl allen Beschlüssen der Partei widerspreche. Es habe seitens der Kreisvorsitzenden Bettina Fortunato Versuche gegeben, mit den Kommunalpolitikern zu reden. Allerdings habe kein Kontakt stattgefunden.

Auch die Landes-CDU intervenierte einmal mehr vergeblich. Schon vor einem Jahr, als es um die Unterstützung des AfD-Kandidaten bei der damals erfolglosen Bürgermeisterwahl ging, hatte Generalsekretär Steeven Bretz gebeten, davon Abstand zu nehmen. Der Kreisverband sprach eine Rüge aus. "Auch jetzt finde ich das nicht gut", sagte Bretz. Leider könne man nicht von Potsdam aus durchgreifen.

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Frank Schneider 11.11.2017 - 14:29:44

Potsdam hat eigentlich andere Probleme zu lösen

der dort vorhandenen geballten Inkompetenz ist es zu verdanken dass monatlich etwa 30 Millionen für den Betrieb der Flughafen-Bauruine draufgehen - also ein Limburger Bischofssitz, worüber die Hofberichterstatter-Medien nicht berichten.

Norbert Wesenberg 11.11.2017 - 14:15:55

"Leider könne man nicht von Potsdam aus durchgreifen. "

Also wie das der CDU Generalsekretär Steeven Bretz auf "demokratische " Weise von Potsdam aus bewerkstelligen will bleibt ein Rätsel. Aber ganz offensichtlich sind die Parteien im Landtag schon größenwahnsinnig geworden. Eine andere Erklärung gibt es für deren "Empörung" nicht. Eines machen sie aber klar und deutlich: Es geht nicht um Eignung und Kompetenz, sondern ausschließlich um die Parteizugehörigkeit. In den drei Monaten bis zur BM Neuwahl kann Herr Frye unter Beweis stellen, ob er der richtige Mann für dieses Amt ist.

Ralf H. Janetschek 11.11.2017 - 14:04:58

"Der Fürst ist der erste Diener des Staates."

"Der Fürst ist der erste Diener des Staates." Wenn die Politiker, welche sich jetzt über die Wahl von Detlev Frye zum Bürgermeister aufregen, diesen Ratschlag von Friedrich den Großen stets beherzigt hätten, wäre Frye nicht gewählt und die AfD nie gegründet worden. Ralf H. Janetschek

Axel Fachtan 11.11.2017 - 12:07:42

Gratulation

Es ist machbar, auf kommunaler Ebene zu überzeugen. Auch als Mitglied der Alternative. Das ist ein Lichtblick nach all dem Übel, das angesichts der Bundestagswahlen aufgekocht worden ist. Die Basis lässt sich nicht grenzenlos von der Landespolitik reinregieren, auch wenn letztere das gar zu gerne hätte. Die Wahl darf schon auch als Absage an eine Landespolitik verstanden werden, welche dem Selbstbestimmungsrecht der Gemeinden und Kreise den Garaus machen wollte. Ich wünsche Detlef Frye eine glückliche Hand, um dazu beizutragen, dass die Lebuser Bürger gut und selbstbestimmt leben können.

Rolf Lustig 11.11.2017 - 09:40:37

Tja

Lückenpresse, hatte die Dame wohl keine Lust mehr. Ist das bei allen Berichterstattungen so, dann brauche ich auch diese Zeitung nicht mehr. Ganz davon abgesehen, wie sich hier bestimmte Parteien beschweren, kommt es doch in erster Linie auf Arbeit und Einstellung an.

Detlev Frye 11.11.2017 - 09:00:11

Richtigstellung

Schade, dass Ihre Reporterin die Stadtverordentenversammlung schon vor meiner Wahl verlassen hat. Wäre sie geblieben, hätte sie den Lesern auch das korrekte Wahlergebnis mitteilen können: 11 Ja-Stimmen (nicht 10) und drei Nein-Stimmen. Beste Grüße aus Lebus, Detlev Frye

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