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Enquetekommission des Landtags diskutiert über Bevölkerungsentwicklung in Dörfern

Düsterer Blick in die Zukunft

Leerstand: Ein altes und völlig heruntergekommenes Fachwerkhaus ohne Dach im uckermärkischen Ort Greiffenberg. Der demografische Wandel macht dem ländlichen Raum schwer zu schaffen.
Leerstand: Ein altes und völlig heruntergekommenes Fachwerkhaus ohne Dach im uckermärkischen Ort Greiffenberg. Der demografische Wandel macht dem ländlichen Raum schwer zu schaffen. © Foto: dpa
Ulrich Thiessen / 11.11.2017, 10:22 Uhr
Potsdam (MOZ) Steigt die Zahl der Brandenburger oder nimmt sie ab? Und wenn ja, dann wo und was ist zu tun? Die Enquetekommission des Landtages zum ländlichen Raum kreist seit zwei Jahren um diese Fragen.

Wieder ein Gutachten! Nachdem das Landesamt für Statistik erklärt hatte, dass es mit Aussagen zur Bevölkerungsentwicklung überfordert ist, hat die Enquetekommission noch einmal eine Studie zu Entwicklungsperspektiven im "metropolenfernen Raum" in Auftrag gegeben.

Tim Leibert vom Institut für Länderkunde Leipzig zeichnet ein eher ernüchterndes Bild. In der Prignitz, der Uckermark und der Lausitz überwiegen die Kommunen mit ungünstiger Geburtenrate, hoher Sterberate, Wegzug vor allem junger Leute und geringem Zuzug.

Insgesamt weisen 47 Prozent der brandenburgischen Gemeinden eine höhere Sterberate als Geburtenrate und Wanderungsverluste auf. Selbst in den Gemeinden in der zweiten Reihe, die Zuwanderung verzeichnen, stehe die Entwicklung auf tönernen Füßen, weil es sich dabei oft um ältere Menschen handelt oder wenn Kinder vorhanden sind, die zur Ausbildung wieder Richtung Berlin verschwinden.

Auch im Berliner Umland schreitet die Überalterung voran. Inzwischen liegt Brandenburg hinter Sachsen-Anhalt beim Durchschnittsalter der Bevölkerung auf Platz zwei im Ländervergleich. Der Wissenschaftler empfiehlt, die Mittelzentren zu stärken und die Willkommenskultur auch für die Binnenwanderer zu erhöhen.

Irgendwann platzte es dann aus der SPD-Abgeordneten Ina Muhß heraus. Ihre Heimatstadt Wittstock erfüllt alle Kriterien: Mittelzentrum, Autobahnanschlüsse, Bahnanbindung und eine top sanierte Innenstadt. Trotzdem geht es mit der Bevölkerungszahl immer weiter nach unten. "Vielleicht sollten wir nicht immer über eine mögliche Trendwende reden und akzeptieren, dass die Stadt nicht mehr 18 000 oder 15 000 sondern nur noch 8000 Einwohner hat wie vor hundert Jahren, und uns darauf konzentrieren, dass die 8000 gut leben", so die Ostprignitzerin.

Während ein Teil der Kommissionsmitglieder darüber diskutierte, wie man durch besseren Nahverkehr, durch die Aufhebung von Baubeschränkungen oder durch aktive Werbung um Berliner die Zuwanderung erhöhen kann, fragte die Linkenpolitikerin Margitta Mächtig, ob neue Dorfbewohner wirklich überall gewollt sind. Die Konflikte treten nicht nur dann auf, wenn neue Straßen für neue Siedlungen gebaut und Anliegerbeiträge erhoben werden. Auch diejenigen, die in der Hoffnung auf Entschleunigung aufs Land ziehen, wollen nicht, dass ihre neue Heimat den idyllischen Charakter ändert. Problematisch ist auch der Zuzug von Menschen, die nach wie vor ihren Hauptwohnsitz in der Großstadt haben. Für sie muss Infrastruktur vorgehalten werden, auch wenn ihre Einkommenssteuer nicht in die Gemeinden fließt.

Jens Graf vom Städte- und Gemeindebund war der Meinung, dass alle derzeit vorhandenen Prognosen die Entwicklung in Berlin und damit die Auswirkungen für Brandenburg unterschätzen. In den vergangenen Jahren mussten 120 bis 130 Schulklassen mehr eingerichtet werden als das Land ursprünglich geplant hatte.

Leibert ist skeptisch, ob die Entwicklung dauerhaft anhält. An der Überalterung der Bevölkerung und der Tendenz, dass die Sterbefälle die Geburten und Zuzüge überwiegen, werde das in den meisten Fällen nichts ändern. Er geht auch davon aus, dass der Run auf die Bundeshauptstadt bereits wieder abebbt. Negativ wirke sich für Berlin und Brandenburg aus, dass vor allem junge Männer zuwandern, aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland. Brandenburg hatte seit den 90ern vor allem junge Frauen durch Abwanderung verloren und hat immer noch einen Männerüberschuss.

Henryk Wichmann, CDU-Abgeordneter aus der Uckermark, will trotzdem auf Zuzug setzen. Dazu brauche man mehr Chancen für Neubauten - ohne landesplanerische Beschränkungen - und eine bessere Verkehrsanbindung. Vor allem aber müsse am Image Brandenburgs gefeilt werden. Es sei viel zu wenig bekannt, wie schön Brandenburg ist.

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Werner Matzat 11.11.2017 - 17:09:39

Dazu ein Nachtrag - Düsterer Blick in die Zukunft - Es wird richtig Stockdunkel - Die Wissenschaft deckt auf: Umwelthormone - Verlieren wir den Verstand?

Anhang Nachtragstext wurde nicht mitgesendet:

Werner Matzat 11.11.2017 - 14:30:10

Düsterer Blick in die Zukunft - Es wird richtig Stockdunkel - Die Wissenschaft deckt auf: Umwelthormone - Verlieren wir den Verstand?

Rückgang des IQs, Zunahme von Autismus: Wissenschaftliche Tests decken eine erschreckende Wahrheit auf, die noch vor 20 Jahren niemand für möglich gehalten hätte: Die menschliche Intelligenz lässt nach. Erleben wir eine umgekehrte Evolution? Manche Forscher geben Umweltschadstoffen die Schuld ... Der durchschnittliche Rückgang des Intelligenzquotienten, die Zunahme von Autismus und Verhaltensstörungen – seit rund zwei Jahrzehnten werden besorgniserregende Trends in Bezug auf die menschliche Intelligenz und geistige Gesundheit beobachtet. Nachdem genetische Faktoren ausgeschlossen wurden, nehmen Wissenschaftler insbesondere die chemischen Moleküle unter die Lupe, denen der moderne Mensch permanent ausgesetzt ist. Dabei spielen vor allem die sogenannten endokrinen Disruptoren eine bedeutende Rolle: Im Laufe wissenschaftlicher Untersuchungen konnte bewiesen werden, dass sie eine verheerende toxische Wirkung auf das menschliche Gehirn ausüben und insbesondere für ungeborene Kinder während der Schwangerschaft gefährlich sind. Die sogenannten polychlorierten Biphenyle (PCB), die in Flammschutzmitteln und Pestiziden enthalten sind, ähneln den Hormonen der Schilddrüse und werden vom Körper mit diesen verwechselt. Dadurch wird die Entwicklung von Schilddrüse und Schilddrüsenhormonen beeinträchtigt, was wiederum die Entwicklung des Gehirns stören kann. Doch was bedeuten diese Erkenntnisse für die Zukunft? Werden die Menschen durch den ständigen Kontakt mit Umweltschadstoffen einen immer geringeren Intelligenzquotienten haben? Und welche gesundheitspolitischen Lösungsansätze gibt es für dieses Problem? Die Dokumentation baut auf Interviews mit Wissenschaftlern weltweit auf und rückt auf Basis fundierter Forschungsergebnisse ein besorgniserregendes Phänomen in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Das ganze Drama hier als Quelle am 11.11.2017 um 21:55 Uhr https://www.arte.tv/de/videos/069096-000-A/umwelthormone-verlieren-wir-den-verstand/ Der Rückgang des Intelligenzquotienten wird als besorgniserregender Trend in Bezug aufdie geistige Gesundheit beobachtet. Wissenschaftler konnten feststellen, dass die endokrinen Disruptoren eine verheerende Wirkung auf das menschliche Gehirn ausüben. Die Filmemacher gingen nun der Frage nach, ob diese Stoffe, die in Pestiziden enthalten sind, dazu führen, dass der Mensch immer dümmer wird. Nach dieser erschreckenden, wissenschaftlichen, Analyse ist der gegenwärtige Zustand im Brandenburger Land, plausibel erklärbar, und es verwundert nicht im geringsten, dass das Landesamt für Statistik erklärt hatte, dass es mit Aussagen zur Bevölkerungsentwicklung, in Brandenburg, überfordert ist. Seit 1989 vermisse ich als "Bundesbürger aus dem Osten", bei der Handlungsweise aller zuständigen Politiker Deutschlands, nicht nur im Brandenburger Land, die sprichwörtliche Intelligenz. >>>Unter Intelligenz versteht nämlich die Wissenschaft die Fähigkeit eines Menschen, Zusammenhänge zu erkennen und optimale Lösungen für ein Problem zu finden. Ein intelligenter Mensch kann mit seinem Wissen selbstständig umgehen. Als Faktoren gelten räumliches Vorstellungsvermögen, Rechenfähigkeit, Sprachvermögen, Auffassungsgabe und logisches Denken, aber auch soziale Fähigkeiten.

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