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Frankfurt sollte einst zweitgrößter Callcenter-Standort werden / Mieter für 1663 m² Bürofläche gesucht

Zahl der Telekom-Mitarbeiter sinkt

Leerstand: Mit einem großen Aufsteller werden vor dem Telekom-Gebäude am Spitzkrug neue Mieter gesucht.
Leerstand: Mit einem großen Aufsteller werden vor dem Telekom-Gebäude am Spitzkrug neue Mieter gesucht. © Foto: MOZ/Frank Groneberg
Frank Groneberg / 14.11.2017, 19:32 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Deutsche Telekom hat am Standort Frankfurt etwa 500 Angestellte. Vor sieben Jahren waren es noch doppelt so viele. Und im Jahr 2008 hatte der Konzern sogar verkündet, in Frankfurt sein deutschlandweit zweitgrößtes Callcenter aufzubauen.

Es ist jetzt mehr als neun Jahre her, dass die Deutsche Telekom AG ihre Pläne vorstellte, Frankfurt zum deutschlandweit zweitgrößten Callcenter-Standort des Konzerns zu entwickeln. Mehr als 1000 Telefonisten sollten ab 2009 bei der Deutsche Telekom Kundenservice GmbH, die damals knapp 170 Mitarbeiter hatte, arbeiten. Die hiesige Politik feierte diese Pläne. In Berlin sah man das aber ganz anders. Dort sollten nämlich alle fünf Callcenter der Telekom geschlossen und die Arbeitsplätze nach Frankfurt verlagert werden. Den 850 betroffenen Mitarbeitern bot man an, entweder nach Frankfurt zu ziehen - was der Konzern den Betroffenen mit bis zu 7000 Euro Zuschuss je Mitarbeiter versüßen wollte - oder täglich zur Arbeit zu pendeln.

Von diesen Plänen ist neun Jahre später nicht viel übrig geblieben. Was auch daran liegt, dass sich die Berliner Mitarbeiter erfolgreich gewehrt haben. Wie viele jetzt noch täglich nach Frankfurt pendeln, wollte Georg von Wagner, Pressesprecher der Deutsche Telekom AG, auf MOZ-Anfrage nicht preisgeben. Er bestätigte aber, dass in Frankfurt nicht das zweitgrößte und auch nicht das dritt- oder viertgrößte deutsche Callcenter entstanden ist: "Bei unserem Servicecenter in Frankfurt handelt es sich um einen mittelgroßen Standort", schrieb er, ohne nähere Angaben zu machen.

Auch zur aktuellen Zahl der Beschäftigten im Callcenterbereich wollte der Pressesprecher keine Auskunft geben. Er teilte nur mit, dass derzeit bei der Telekom in Frankfurt - Callcenter und andere Bereiche zusammengenommen - insgesamt 500 Angestellte und zusätzlich etwa 40 Auszubildende beschäftigt sind. Welche Tätigkeiten diese verrichten, wollte Georg von Wagner nicht sagen. Sie erfüllten "unterschiedliche Aufgaben an unterschiedlichen Standorten in der Stadt - im Wesentlichen handelt es sich um Service- und Technik-Mitarbeiter", erklärte er. Mit 500 Angestellten gehört die Telekom nach wie vor zu den größten Arbeitgebern in der Stadt. Allerdings: 2010 waren das noch etwa 1000 Mitarbeiter. Und im Jahr 2012 hatte allein das Callcenter 700 Beschäftigte.

Nach den langfristigen Perspektiven für den Telekom-Standort Frankfurt gefragt, teilte der Sprecher lediglich mit: "Gemeinsam mit unseren Sozialpartnern haben wir eine Vereinbarung zur Standortsicherung bis Ende 2021 abgeschlossen; die gilt auch für Frankfurt."

Zur momentanen Auslastung des 1997 bezogenen Telekom-Komplexes im Spitzkrugring 10 machte Georg von Wagner keine Angaben. Dort stehen seit Jahren etliche Büroräume leer, andere sind vermietet an die EWE AG, an die Call24 Telemarketing GmbH und an das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen. Ein Aufsteller vor dem Gebäude verkündet: "Büros zu vermieten". Die Strabag AG als beauftragter Dienstleister bietet provisionsfrei Flächen im Telekom-Gebäude zur Miete an. Aktuell sucht sie Mieter für insgesamt 1663 Quadratmeter Büro- und Praxisflächen, darunter eine gesamte Büroetage. Vermietet werden die Räume zum Preis von 5 Euro bzw. 5,50 Euro je Quadratmeter.

Die Callcenter-Pläne für Frankfurt waren 2009 nach heftigen Protesten korrigiert worden. Die Telekom lenkte ein und erklärte, in Berlin zumindest ein Callcenter zu erhalten. Aus ursprünglich geplant 850 Pendlern wurden 2009 noch 600, tatsächlich nach Frankfurt umgesetzt wurden Ende 2009 aber nur 450 Telefonisten. Die Stadtverkehrsgesellschaft setzt extra die Schnellbuslinie 986 vom Bahnhof zum Spitzkrugring ein. 2012 gab es nur noch 280 Pendler.

Kommentar: Frankfurt braucht attraktive Jobs

Wann immer in Frankfurt angekündigt worden ist, dass sich neue Callcenter ansiedeln oder vorhandene die Zahl ihrer Arbeitsplätze erhöhen wollen, gab es von der lokalen Politik viel Beifall. Und zwar ausschließlich Beifall. Vergessen worden ist dabei jedesmal, dass die Jobs der Callcenter-Agenten, wie die Telefonisten offiziell heißen, alles andere als attraktiv sind und erst recht nicht gut bezahlt werden. Sie gehören eindeutig zum Niedriglohnsektor. Für die Stadt Frankfurt ist bei potenziellen Investoren seit vielen Jahren als ein Billiglohn-Standort geworben worden. Und leider mit Erfolg. Die Ansiedlung der Callcenter ist ein treffendes Beispiel dafür.Mit Billiglohn-Jobs lockt man aber keine neuen Einwohner an und hält auch keine jungen Leute in der Stadt. Was wir hier brauchen, sind attraktive Arbeitsplätze mit anständiger Bezahlung. Frank Groneberg

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