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Fliegen deutlich teurer

Die Lufthansa hat ab Januar 1000 weitere innerdeutsche Flüge pro Monat angekündigt.
Die Lufthansa hat ab Januar 1000 weitere innerdeutsche Flüge pro Monat angekündigt. © Foto: dpa
Henning Kraudzun / 15.11.2017, 07:15 Uhr
Berlin (MOZ) Das Aus von Air Berlin vor knapp drei Wochen schlägt sich laut einer Marktanalyse jetzt schon in den Ticketpreisen nieder. Auf der Kurzstrecke sind Flüge um ein Drittel teurer als noch vor vier Wochen.

Einen Rekordgewinn konnte Lufthansa-Chef Carsten Spohr Ende Oktober in der Öffentlichkeit verkünden. Wenige Tage kümmerte er sich um die verunsicherten Verbraucher. Die Preise bleiben stabil, versicherte der Manager in der "Bild am Sonntag". "Fakt ist, dass Fliegen nie günstiger war als heute. Und dieser langjährige Trend wird sich sicher nicht umkehren", so Spohr.

Eine aktuelle Untersuchung des Käuferportals mydealz.de zeigt jedoch das Gegenteil. Die Preise auf wichtigen innerdeutschen Verbindungen sind erheblich gestiegen. Auf den früher von Air Berlin bedienten Kurzstrecken müssten Kunden im Vergleich zum Oktober durchschnittlich 33 Prozent mehr zahlen, heißt es in der Erhebung. "Damit haben sich die Befürchtungen bestätigt", sagte der Sprecher des Internetanbieters, Michael Hensch.

In der Spitze haben sich die Tarife um satte 280 Prozent erhöht: Während Air Berlin im Oktober für den Hin- und Rückflug zwischen Düsseldorf und München noch 50 Euro verlangte, werden bei der Lufthansa für die gleichen Routen am letzten Novemberwochenende nunmehr 190 Euro fällig. Auch bei der Lufthansa-Tochter Germanwings sind demnach die Preise binnen Monatsfrist erheblich gestiegen. So zahlten Fluggäste zwischen den beiden genannten Städten für den Hinflug am 10. Oktober sowie den Rückflug zwei Tage später im besten Fall nur 40 Euro. Ende November ist die Lufthansa auf der Strecke der günstigste Anbieter: Jetzt werden für Hin- und Rückflug insgesamt 160 Euro fällig.

Weiteres Beispiel: Auf der Strecke zwischen München und Hamburg konnten Kunden früher zwischen Air Berlin (82 Euro hin und zurück) und der deutlich teureren Lufthansa (205 Euro) wählen. Ende November wurde der günstigste Tarif von der Lufthansa angeboten: für 190 Euro. Hier zahlen Verbraucher also 132 Prozent mehr. Wer an Wochenenden unterwegs sei, spüre die Pleite von Air Berlin am deutlichsten im Portmonee, berichtete Hensch. Betroffen seien zunehmend auch Urlauber, die klassische Ferienziele ansteuern. So sind Flüge ins portugiesische Faro beziehungsweise nach Ibiza oder Mallorca teurer geworden - um bis zu 142 Prozent.

Die Tester hatten insgesamt 25 Verbindungen der Kurz- und Mittelstrecke analysiert - auf 18 Strecken haben die Preise angezogen. Hensch betonte, dass die Erhebung noch Ende des Jahres wiederholt wird, um eine größere Aussagekraft zu erlangen. Die Lufthansa selbst hat angekündigt, die nach der Insolvenz des Wettbewerbers entstandenen Engpässe mit zusätzlichen Kapazitäten aufzufangen. Sobald Brüssel grünes Licht für die Übernahme gebe, seien bei Eurowings pro Monat 1000 innerdeutsche Flüge zusätzlich eingeplant, sagte Lufthansa-Chef Spohr.

Derzeit stehen rund 80 der insgesamt 140 Air-Berlin-Maschinen am Boden. In Branchenkreisen schätzt man, dass nach dem Betriebsende von Air Berlin täglich 60000 Flugzeugsitze fehlen. Unklar ist zudem noch, wann die 25 Flugzeuge zum Einsatz kommen, die der britische Billiganbieter Easyjet von Air Berlin gekauft hatte. Experten gehen jedoch davon aus, dass die Kartellbehörden diesen Deal zeitnah absegnen werden. Easyjet will sich offenbar auf Verbindungen zwischen Berlin, Frankfurt/Main, Hamburg und München konzentrieren.

Auch Eurowings will Konkurrenz schüren: Die Airline teilte am Dienstag mit, parallel zum Mutterkonzern Lufthansa auf weiteren innerdeutschen Strecken zu fliegen. Ab 2018 sollen unter anderem die Verbindungen Berlin-Frankfurt/Main, Berlin-München sowie Düsseldorf-München neu angeboten werden, erklärte ein Sprecher.

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