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Psychopath ohne jedes Mitleid

40 von 40 möglichen Punkten beim Psychopathie-Test: Jan G. im Landgericht auf dem Weg zur Anklagebank.
40 von 40 möglichen Punkten beim Psychopathie-Test: Jan G. im Landgericht auf dem Weg zur Anklagebank. © Foto: dpa
Mathias Hausding / 05.12.2017, 19:11 Uhr - Aktualisiert 05.12.2017, 19:51
Frankfurt (Oder) (MOZ) Der des dreifachen Mordes angeklagte Jan G. leidet weder an Schizophrenie noch an einer anderen schweren Erkrankung. Das erklärte überraschend ein psychiatrischer Sachverständiger am Dienstag als Zeuge vor dem Landgericht Frankfurt.

Der Forensiker ist Chefarzt im Maßregelvollzug Brandenburg/Havel, wo Jan G. seit den Taten vom 28. Februar untergebracht ist. "Er ist ein sehr spezieller Fall, der uns unsere Grenzen aufzeigt", sagte der 56-Jährige über den Angeklagten. Aber an der Schizophrenie-Diagnose habe er von Anfang an Zweifel gehabt. "Das hat uns nicht überzeugt", sagte der Zeuge.

Es folgten Tests, die Medikamente wurden abgesetzt. Letzteres sei folgenlos geblieben. Fazit des Psychiaters: "Jan G. ist ein körperlich gesunder Mensch." Er bekomme nach wie vor keine Medikamente. Die Diagnostik habe ergeben, dass er ein Psychopath sei, also eine Persönlichkeitsstörung habe. Bei einem Psychopathie-Standardtest habe er 40 von 40 möglichen Punkten erreicht. "Wir haben bei ihm ein völliges Fehlen von Mitgefühl festgestellt. Das Anti-Soziale ist sehr stark ausgeprägt. Er ist eiskalt und ein pathologischer Narziss", sagte der Chefarzt.

Jan G. gehe es stets nur um sich selbst. Wenn er für sich etwas erreichen will, könne er höflich und charmant auftreten. Darüber hinaus sei er intelligent und gut strukturiert. Ein IQ-Test habe einen normalen Wert von 104 geliefert, wobei es ihm an Motivation gefehlt habe, sich anzustrengen, betonte der Chefarzt.

Wie es im Klinikum Frankfurt-Markendorf zu der offensichtlichen Fehldiagnose Schizophrenie samt Fehlbehandlung kommen konnte, ist unklar. Jan G. selbst lieferte einen möglichen Erklärungsansatz: "Sie haben zu mir gesagt, ich soll eine Schizophrenie eingestehen, dann werde ich mit einer Depotspritze im Gepäck aus dem Krankenhaus entlassen."

Der Chefarzt beschrieb auch Probleme im Umgang mit Jan G. im Maßregelvollzug. So stelle er quasi unentwegt Forderungen an seine Umwelt, an Mitgefangene und an das Personal. Dabei lasse er nur seine Sicht der Dinge zu. So habe er Anspruch auf ein Einzelzimmer angemeldet, "obwohl ihm das nicht zusteht". Jan G. pochte darauf. Die Spannungen nahmen zu, er musste auf eine Station mit höheren Sicherheitsstandards verlegt werden.

"Die Situation war für uns nicht mehr händelbar", sagte der Arzt. Jan G. habe aus Protest auf Körperhygiene verzichtet. "Er stank vor sich hin und wollte so an das Einzelzimmer kommen." Schließlich bezog er in einem vier Quadratmeter großen Besucherraum Quartier. "Er setzte das durch. Wir haben einen Kuhhandel mit ihm gemacht", sagte der Chefarzt, der Jan G. auf Nachfrage für kaum therapierbar hält: "Ich würde mir das nicht zutrauen", sagte er. Jegliche Versuche, in einem ersten Schritt mit ihm in eine Beziehung zu treten, seien gescheitert.

In Sachen illegaler Drogenkonsum boten die Ausführungen des Arztes tiefe Einblicke in den Klinikalltag. "Der Markt bei uns ist groß. Wer will, kann hier täglich konsumieren", sagte der Zeuge. Das sei leider so, jede Klinik könne davon ein Lied singen. Bei Jan G. nun sei seit März lediglich einer von zehn Drogentests positiv ausgefallen. Die Schlussfolgerung des Chefarztes: Er habe selten konsumiert, sei also nicht abhängig. Auch habe man bei ihm keine Folgeschäden übermäßigen Drogenkonsums in der Vergangenheit feststellen können.

In einer anderen Sache kassierte der Angeklagte am Dienstag eine Rüge vom Gericht. Wie sich jetzt herausstellte, hat Jan G. einer Zeugin einen Liebesbrief geschrieben. Die 24-Jährige brachte das Schriftstück zur Polizei und beschwerte sich über die Belästigung. "Zeuginnen anzubaggern, das geht gar nicht", sagte die Vorsitzende Claudia Cottäus. Bei der Zeugin handelt es sich um eine Krankenschwester, die als Fahrschülerin Beobachtungen rund um die Polizistenmorde in Oegeln gemacht hatte. Die junge Frau, nicht mit Jan G. bekannt, hatte den Angeklagten offenbar bei der Vernehmung mit ihrem Äußeren beeindruckt.

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Ralf H. Janetschek 06.12.2017 - 11:34:58

Der Psychopath

Ein Psychopath ist eine Person mit gestörtem Gefühls- und Gemütsleben und/oder einem Verhalten, das dem Bild einer selbstverantwortlichen Persönlichkeit nicht entspricht. Sie existieren in sehr unterschiedlichen Formen und Schattierungen, jedoch haben alle folgende drei Charaktereigenschaften gemeinsam: sind sehr egozentrische Individuen ohne Mitgefühl für Andere, und sie sind unfähig, Reue oder Schuld zu fühlen. Viele zeichnet ein Mangel an Angst und Furcht aus, was sie besonders gefährlich macht. Der Psychopath ist nicht in der Lage, in unglücklichen Situationen Mitgefühl für Andere zu haben, und kann sich nicht in die Position Anderer hineinversetzen, egal ob sie von ihm verletzt wurden oder nicht. Mit dem Mangel an Mitgefühl ist auch ein Mangel an Liebe verbunden, jedoch sind sie oft klug und sind in der Lage ihre Intelligenz zu ihren Vorteil einzusetzen. Ihr Vergnügen am Unglück Anderer ist unstillbar. Menschen werden als Mittel zum Zweck verwendet; diese haben sich unterzuordnen und müssen erniedrigt werden. Er, der Psychopath, hat Spaß daran andere Menschen zu quälen. Ein Psychopath schöpft die Möglichkeiten, welche die Gesellschaft ihm bietet, stets vollständig zu seinem Vorteil aus und wird sich immer so schändlich benehmen, wie die Umwelt es ihm gestattet. Darum ist es die Aufgabe der menschlichen Gemeinschaft, die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

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