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Landkreis kritisiert derzeitigen Zustand von Pendlerzügen, Bahnhöfen und Umstiegsmöglichkeiten

Bahnfahren dritter Klasse

Bahnhof Casekow
Bahnhof Casekow © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Oliver Schwers / 07.12.2017, 06:44 Uhr
Angermünde/Prenzlau (MOZ) Schnellere Züge, mehr Verbindungen und bessere Bahnhöfe - das fordert der Landkreis Uckermark vom Land Brandenburg. Die Kreisverwaltung geht mit einem Forderungskatalog zum Nahverkehrsplan in die Offensive. Tenor: Es läuft alles viel zu langsam.

Der Bevölkerungsrückgang ist gestoppt. Mehr Menschen kommen aus der Großstadt aufs Land. Die Zahl der Pendler wächst. Ganze Generationen werden mobiler. Die Fahrgastzahlen nehmen zu. Vor diesem Hintergrund verlangt der Landkreis Uckermark einen besseren Anschluss der gesamten Region an das Schienennetz und vor allem mehr Service, Komfort und moderne Züge. Die Stellungnahme zum Entwurf des Landesnahverkehrsplans liest sich wie ein langer Forderungskatalog. Die Region will dichter an die Hauptstadt heranrücken und von der Metropolregion profitieren. Deutliche Kritik: Die entfernteren Gebiete seien nicht genügend berücksichtigt. Daher müssten mehr Züge für Pendler bestellt werden.

Hinzu kommt die fehlende Berücksichtigung des wichtigen Bahnknotenpunkts Angermünde. Von hier ist es weniger als eine Stunde bis ins Zentrum von Berlin. Der Landkreis fordert die Einstufung von Angermünde als sogenannte Zweite-Reihe-Stadt.

Noch verärgerter ist man in der Region über die Schienenverbindung zwischen Berlin und Stettin. "Die Planungen des Bundes, die Strecke nur eingleisig zu ertüchtigen, rechtfertigen die geplante Sperrung der Strecke von mindestens anderthalb Jahren nicht und genügen den Bedürfnissen nach einer verlässlichen Anbindung in keinem Fall", heißt es in der vom Landrat unterzeichneten Stellungnahme. Der Landkreis erwartet neben der Elektrifizierung den zweigleisigen Ausbau. "Weiterhin ist der Streckenausbau so zu planen, dass Sperrungen so gering wie möglich gehalten werden. Sucht ein Fahrgast erst Alternativen, wird es schwer sein, diesen als Kunden wieder zurückzugewinnen." Der Zwangsumstieg in Angermünde werde ohnehin auf Dauer den beiden Metropolregionen nicht gerecht.

Unzufrieden sind die Uckermärker mit der Ausstattung ihrer Bahnstationen. Es fehlen Ladestationen für Elektro-Fahrräder und ausreichende Abstellmöglichkeiten. Generell müssten die Züge besser für die Fahrradmitnahme in den Monaten April bis Oktober ausgestattet sein, weil immer Touristen auf zwei Rädern in die Uckermark wollen. "Generell ist die Aufenthaltsqualität bei vielen Stationen nicht befriedigend", so die Einschätzung. Reisende in Richtung Polen stehen in Angermünde im Regen. Es fehlen barrierfreie Umstiegsmöglichkeiten an zahlreichen Bahnhöfen. Für Wilmersdorf wird ein neuer 140 Meter langer Bahnsteig mit einer Brücke und Aufzügen gefordert. Auch Passow, Schönow, Casekow und Petershagen müssten bis spätestens 2022 barrierefrei hergerichtet sein.

Der in Aussicht gestellte 30-Minuten-Takt zwischen Angermünde und Berlin durch den zusätzlichen IC wird von allen Seiten begrüßt. Allerdings sei der Zeitpunkt im Jahre 2026 "nicht akzeptabel". Stattdessen müsse das Land viel früher reagieren, um überfüllten Zügen vorzubeugen. Kritik gibt es an fehlenden Standardvorgaben für die eingesetzten Züge. Fahrzeuge und Bahnsteige passen nicht zueinander. Gehbehinderte Menschen seien auf fremde Hilfe angewiesen. Der Landkreis verlangt vom Land, sich zur Ausstattung und zum Zustand der Stationen zu positionieren.

Kommentar: Der Moderne hinterher

Es ist genau der richtige Zeitpunkt: Steuergelder fließen im Lande, das ewige Gelulle von der Bevölkerungsabwanderung will keiner mehr hören und die Pendlerzahlen steigen. Also muss etwas getan werden, um den Schienenverkehr attraktiver zu machen. Wann, wenn nicht jetzt?Der gesamte Service an Bahnstrecken zwischen Berlin und der Uckermark hängt hinter der Moderne hinterher. Von schnellem und angenehmem Reisen sind Pendler weit entfernt. Die vergammelten Bahnhofsgebäude sind das Gegenteil eines Aushängeschilds für die Touristenregion.Schuld am derzeitigen Zustand hat nicht nur die Bahn, sondern die jahrelange aufs Sparen konzentrierte Verkehrspolitik in Brandenburg. Wer nicht weiter denkt als bis zur S-Bahn-Grenze, hat die Ferne aus den Augen verloren. Doch Regionen rücken nur über schnelle Zugverbindungen zusammen. Das Land ist jetzt in der Pflicht, die Zeit ist günstig.Oliver Schwers

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