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Die Walzerbahn hat ausgedient

Frühlingsfest in Hannover
Frühlingsfest in Hannover © Foto: dpa
Ulrich Thiessen / 08.12.2017, 06:30 Uhr
Potsdam (MOZ) Für die brandenburgischen Schausteller sind die Weihnachtsmärkte das letzte Geschäft eines durchwachsenen Jahres. Trotz vielfältiger Probleme - das Gewerbe behauptet sich.

Die gute Nachricht gleich zu Beginn: Das Gewerbe lebt! "Wir haben wieder neue Mitglieder", sagt Thomas Müller, Erster Vorsitzender des Brandenburgischen Schaustellerverbandes "Sanssouci". Rund 60 Unternehmen gehören derzeit zum Verband. Alle 20 Jahre, berichtet Müller, kommt aus den Familien der Nachwuchs und meldet neue Gewerbe an. Quereinsteiger gibt es faktisch nicht. Man muss das schon von Kindheit an kennen, um sich damit zurecht zu finden.

Mit dem Jahr 2017 ist der Eisenhüttenstädter nicht unzufrieden. Das Wetter war im Osten Deutschlands nicht so verregnet wie im Westen, die Volksfeste fielen deshalb nicht ins Wasser. Auch die Befürchtungen vergangener Jahre, dass der Mindestlohn oder die Umweltzonen in den Städten die Unternehmen in Bedrängnis bringen könnten, haben sich nicht bewahrheitet. Selbst die Debatte um Dieselverbote bringt Müller nicht aus der Ruhe. Davon sind schließlich noch ganz andere betroffen. "Wir sehen das noch ganz locker", sagt Müller.

Wie das Weihnachtsgeschäft laufen wird, lässt sich noch nicht recht abschätzen. Petra Hadlok hat beobachtet, dass nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor einem Jahr viele Besucher nicht mehr so unbeschwert sind wie zuvor. Die Aufregung um eine Paketbombe in Potsdam vergangene Woche hat sie hautnah miterlebt. Obwohl der Anschlag nicht dem Weihnachtsmarkt galt, sei genau dieser Eindruck haften geblieben.

Weihnachtsmarkt ist nur ein Segment im Familienunternehmen Meyer, das Petra Hadlok und ihr Bruder führen. Sie haben es von ihren Eltern übernommen und den jeweiligen Gegebenheiten angepasst. Vom Autoscooter ging die Entwicklung hin zu großen Fahrgeschäften: Die heißen "Break Dance", "Magic" und "Playball" und sollen vor allem die Jugend ansprechen. Ein bisschen wie früher die Walzerbahnen, sagt die Stahnsdorferin - nur viel moderner. Die alte begehbare Geisterbahn steht schon seit Jahren in den Hallen in Stahnsdorf.

Für den Weihnachtsmarkt kommen Imbiss- und Getränkestände wie der "Hungerturm" und die "Weihnachtspyramide" dazu. Dort kommt auch ein Kinderkarussell zum Einsatz. Immer nur schneller und höher allein funktioniert nicht, berichtet Petra Hadlok. Ein Trend zur Nostalgie auf Volksfesten und Weihnachtsmärkten ist unverkennbar.

Das ganze Jahr über gilt es, die einzelnen Geschäftszweige zu koordinieren. Gereist wird zwischen dem Rudolstädter Vogelschießen, dem größten Volksfest Thüringens, und den Stadtfesten in Rostock und Stralsund. 50 Mitarbeiter hat die Firma. Viele Saisonarbeiter kommen inzwischen aus Rumänien. Die freuen sich schon darauf, die Winterpause bis Anfang März nach Hause fahren zu können. Einheimische Arbeitskräfte sind kaum zu finden.

Außer Helene Sendler vielleicht. Die steht in der "Feuerzangenbowle", die auch zum Stahnsdorfer Unternehmen gehört. Früher war sie auch Schaustellerin. Als ihr Mann starb, gab sie das Gewerbe auf, hilft aber immer noch gern aus. "Man muss schon dafür geboren sein", sagt sie. So ähnlich beschreibt es auch Petra Hadlok. Mit 16 verließ sie das Schulinternat und begann mit ihren Eltern umher zu reisen. Inzwischen ist sie 65 Jahre alt und immer noch unterwegs - falls sie sich nicht gerade zu Hause um die Sondergenehmigungen für die Transporte ihrer Fahrgeschäfte kümmert.

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