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Altbarnimer Förderverein freut sich zum Lebendigen Adventskalender über volles Kirchenschiff

Besuch vom Bischof aus Myra

Geschenke für die lieben Kinder: Bischof Nikolaus und sein Knecht Ruprecht besuchten die Kleinbarnimer Fachwerkkirche zum Lebendigen Adventskalender.
Geschenke für die lieben Kinder: Bischof Nikolaus und sein Knecht Ruprecht besuchten die Kleinbarnimer Fachwerkkirche zum Lebendigen Adventskalender. © Foto: MOZ/Ulf Grieger
Ulf Grieger / 08.12.2017, 06:30 Uhr
Altbarnim (MOZ) So einen Nikolaustag hat die 1776 gebaute Kleinbarnimer Fachwerkkirche lange nicht gesehen: Alte und junge, kleine und große Gäste kamen, um beim Lebendigen Adventskalender Neutrebbins das Türchen zu öffnen. Gesammelt wurden vor Ort Spenden für die Altarsanierung.

Sankt Nikolaus, der sagenhafte Bischof von Myra, hatte zunächst Knecht Ruprecht in das Oderbruch-Altdorf vorausgeschickt, um zu erkunden, wer ihn dort erwartet. "Wart ihr denn auch alle lieb?", donnerte denn auch der Knecht, wunderbar gespielt von Dr. Hagen Mallow aus Wubrigsberg. Erst dann trat er ein, der Bischof. Mit rotem Mantel und Mitra sowie dem goldenen Hirtenstab sah er beeindruckend aus. Doch an seiner vertrauten Stimme wurde Pfarrer Arno Leye natürlich gleich erkannt. Er erzählte die Überlieferung von dem aus der heutigen Türkei stammenden Bischof, der so gut gewesen sein soll, sein gesamtes ererbtes Vermögen an die Armen zu verteilen. Wider dem Bibelvers, dass eher ein Kamel durchs Nadelöhr passt, als dass ein Reicher ins Himmelreich kommt. Die Gäste kamen seinem Wunsch nach einem Weihnachtslied nach. Was allerdings erst so richtig harmonierte, als die Textheftchen dafür ausgeteilt waren.

Solche Hilfe brauchte Ursula Baer, mit 92 Jahren älteste Teilnehmerin, freilich nicht. Sie hat noch ein wunderbares Gedächtnis. Von 1946 an, als die Katholikin aus Essen ins Oderbruch kam, bis 1985 hatte sie im Schul- und Bethaus sowie im neuen Schulhaus des benachbarten Altbarnimer Ortsteiles Großbarnim den Kindern das Lesen, Rechnen und Schreiben bei gebracht. "Hier sind heute viele meiner einstigen Schüler , zeigte sie auf die Erwachsenen , die es sich bei Glühwein, Plätzchen und Bratäpfeln gut gehen ließen. "Ich fühle mich hier in der evangelischen Gemeinde sehr gut aufgehoben als Christin", betonte sie.

Natürlich war sie auch dabei, als im Jahre 2000 mit Hilfe des Fördervereins "Freundeskreis Kirche Altbarnim" die Hüllensanierung des Gotteshauses erfolgen konnte und als neun Jahre später der hölzerne Glockenstuhl neu erreichtet wurde.

Gastgeberin war am Nikolausabend Steffi Albrecht. Seit acht Jahren ist sie Vorsitzende des Fördervereins, der aktuell 17 Mitglieder hat. Während sie Glühwein ausschenkte, berichtete sie vom aktuellen Projekt des Vereins: der Komplettsanierung des Altars. Das gesamte barocke Kirchgestühl samt Altar stammt aus der Zeit des Kirchbaus im Jahre 1776. Aber wie so oft, gibt es besondere Details. Drei der vier Nischen der Altarwand sind besetzt mit Schnitzfiguren: Es handelt sich um die Apostel Lukas, Markus und Johannes. An der Predella, dem Altarunterbau, befindet sich ein Abendmahlsrelief. Und an Stelle des Kanzelkorbes gab es ursprünglich wohl ein Kreuzigungsrelief, wovon noch ein Fragment aufgestellt ist. Diese kunstvollen Elemente sollen einmal die Altfriedländer Klosterkirche geschmückt haben, schreibt der Historiker Reinhard Schmook im Kirchenführer für den einstigen Kirchenkreis Oderbruch. Die Kleinbarnimer Kirche gehörte bis 1860 zur Wriezener Mutterkirche, danach wurde sie Tochterkirche von Alttrebbin. Das Patronat hatte das Kloster bzw. die Herrschaft Altfriedland inne. Für die Altarsanierung wurde auch beim Adventskalender Geld gesammelt. Dies auch in der Hoffnung, dass dafür nicht noch neue denkmalpflegerische Auflagen erteilt werden. Vor allem an der Empore sind zahlreiche Farbflicken zu bewundern. Sie zeugen von den vielen Untersuchungen der Farbschichten, die seit 1861 dort aufgetragen wurden, durch Restauratoren.

An einen Taufengel, wie er in ähnlichen Gotteshäusern wie Altwriezen und Altwustrow einst hing bzw noch hängt, kann sich selbst Ursula Baer nicht erinnern. Eine auf dem Dachboden gefundene Rolle und ein Loch in der Kirchendecke könnten aber Hinweise sein, dass es auch dort so etwas gab. Es existiert auch eine Taufschale von 1777.

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