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Ein Jahr nach der Vogelgrippe: Nach der Notschlachtung ihrer Tiere blickt Familie Müller wieder zuversichtlich in die Zukunft

Schwantener nach Vogelgrippe-Drama wieder optimistisch

Halten fest zusammen: Ronny Müller mit seinen Eltern Hannelore und Karl-Heinz Müller (von links).
Halten fest zusammen: Ronny Müller mit seinen Eltern Hannelore und Karl-Heinz Müller (von links). © Foto: Wiebke Wollek
Wiebke Wollek / 08.12.2017, 06:43 Uhr
Schwante (OGA) Vor einem Jahr sind auf Karl-Heinz Müllers Hof in Schwante 600 Tiere getötet worden, weil in einer Probe der Vogelgrippe-Virus H5N1 nachgewiesen wurde. Noch immer ist der Landwirt wütend und traurig. Dennoch schaut die Familie nach vorn. Demnächst soll ein Schwarzhalsschwanen-Pärchen einziehen.

Büffelkopfenten und viele weitere Arten mit elegantem Gefieder ziehen scheinbar gemütlich ihre Runden durchs eiskalte Wasser. Noch hat sich keine Eisschicht auf den Teichen gebildet. Doch selbst wenn es soweit ist - die Enten halten einiges aus. "Bis minus 15 Grad bleiben selbst die empfindlichen Arten, wie die Bahama-Enten, draußen", erklärt Karl-Heinz Müller. "Wenn es länger sehr kalt bleibt, kommen sie ins Überwinterungshaus." Europäische Enten und Gänse hingegen fühlen sich den ganzen Winter über wohl an der frischen Luft. Damit sie schwimmen können, wird das Eis aufgeklopft. "Aber sie benötigen mehr Nahrung, weil sie durch die Kälte mehr Energie verbrauchen", sagt der 67-Jährige. "Wir achten darauf, dass die Tiere satt werden."

Familie Müller lebt für ihre Tiere und kümmert sich liebevoll um Enten, Gänse, Ziervögel, Brieftauben und Hühner. Insgesamt leben nun wieder knapp 400 Tiere auf dem Hof. Vor der Keulung im Dezember 2016 waren es mehr als doppelt so viele. Mastgeflügel gibt es heute nicht mehr bei den Müllers. Das führt zu starken finanziellen Einbußen. Der Anbau von Getreide, Kartoffeln, Futterrüben und Raps sichert das Überleben des Landwirtschaftsbetriebes. Außerdem gibt es Kühe auf dem Hof. "Uns geht es zwar schon viel besser, aber nur dann, wenn wir nicht gerade an den 2. Dezember vor einem Jahr denken", sagt Karl-Heinz Müller. "Es war schrecklich, wir haben die Welt nicht mehr verstanden." Es sei zwar bei einer einzigen Ente das Virus H5N1 nachgewiesen worden, allerdings sei kein Tier krank gewesen. "Es gab hier weder Seuchen noch Todesfälle. Die Vogelgrippe ist nicht ausgebrochen", betont Müller. "Über 40 Jahre mühevolle Zucht wurde durch die Tötung innerhalb von sechs Stunden dahingerafft", erzählt Müller noch immer voller Fassungslosigkeit.

Bis in den späten Abend dauerte die Notschlachtung. Die Müllers haben sich bei heruntergelassenen Jalousien im Haus aufgehalten, damit sie die Tötungen nicht mit ansehen mussten. Das Schreien der Tiere zu hören, sei eine Qual gewesen.

Die Welle der Hilfsbereitschaft, die die Familie nach dem Schock-erlebnis erreichte, sei überwältigend gewesen. "Der Bürgermeister besuchte uns, und die Bevölkerung hat uns beigestanden", sagt Ehefrau Hannelore Müller. Menschen aus Oberkrämer und Umgebung sammelten Spenden. Sohn Ronny krempelte den Hof in einer Hauruck-Aktion mit vielen Helfern um und gestaltete die Außenanlagen neu - als Überraschung für seine Eltern, die trotz vieler Bedenken Ende Januar in den Urlaub gefahren waren. "Der Hof sieht heute schöner aus als damals", lobt Karl-Heinz Müller. Ein Psychologe besuchte die Eheleute mehrfach. "Noch einmal würde ich so etwas nicht durchstehen", betont Hannelore Müller.

Das Virus wurde mehr oder weniger durch Zufall entdeckt. Der Geflügelhalter hatte beim Landkreis eine Ausnahmegenehmigung der Stallpflicht für einzelne Enten beantragt. Dafür mussten Proben zur Kontrolle eingeschickt werden. Bei einer dieser Proben wurde der Grippeerreger entdeckt. Das Veterinäramt handelte damals nach dem Tierseuchengesetz, das die Tötung des gesamten Bestandes vorsieht. Karl-Heinz Müller will sich nun für eine Änderung des Gesetzes stark machen. Unterstützung findet er beim Aktionsbündnis Vogelfrei. Die Mitstreiter sprechen sich gegen die Keulung auf Verdacht aus. Dann hätte bei Familie Müller nur ein Tier getötet werden müssen.

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