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Zwischen Handarbeit und Hightech

Frauke Adesiyan / 08.12.2017, 06:45 Uhr - Aktualisiert 08.12.2017, 09:18
Frankfurt (Oder) (MOZ) Jeden Tag ein Türchen öffnen, das ist Alltag im Advent. Die Märkische Oderzeitung schaut in diesen Tagen hinter Türen, die für neugierige Blicke sonst verschlossen bleiben. Heute gibt es einen Einblick in die Arbeit im IMD Labor Oderland.

Es ist eine unscheinbare blaue Holztür mit einem Bullauge auf Augenhöhe, die Sandra Sadlau im Ärztehaus am Kleistpark aufschließt. Dahinter rauscht, surrt und piept es. Riesige Apparate mit hellgrauen Oberflächen stehen im Raum. Unter ihren Abdeckungen werden auf Transportbändern Blutproben bewegt, Greifarme befördern sie in die richtigen Maschinen, je nachdem, ob sie auf Toxoplasmose, Hepatitis, Tumormarker oder vieles mehr getestet werden sollen. Über einen Barcode wird das Ergebnis dem jeweiligen Patienten zugeschrieben, das geht dann verschlüsselt und über gesicherte Datenverbindungen zu dem behandelnden Arzt.

"Als ich angefangen habe, lief es so anders", staunt Sandra Sadlau über die rasante technische Entwicklung in ihrem Beruf. 1992 war sie die erste medizinisch-technische Laboratoriumsassistentin (MTLA), die das inzwischen auf 150 Frankfurter Mitarbeiter angewachsene Labor aus der Ausbildung übernommen hat. Heute ist sie leitende MTLA und selbst für die Auszubildenden zuständig.

Einer, der gerade ausgelernt hat und übernommen wurde, ist der 20-jährige Philipp Weißenfeld aus Eisenhüttenstadt. Er bedient in einem kleineren Raum Automaten, die die Anzahl der roten und weißen Blutkörperchen und Blutblättchen bestimmen sowie den Langzeitzucker von Diabetes-Patienten. Bleibt eine Probe im Automaten hängen oder sind die Werte auffällig, gleicht die Arbeitsweise auf einmal wieder der, die Sandra Sadlau vor 25 Jahren gelernt hat. Dann macht Weißenfeld einen Ausstrich und bestimmt die Werte unter dem Mikroskop. "Ich wollte immer etwas medizinisches machen", begründet der junge MTLA seine Berufswahl. Die Ausbildung kam ihm gelegen, weil die Fachschule in Eisenhüttenstadt kein Abitur mehr als Voraussetzung verlangt. Die gesenkten Einstiegsvoraussetzungen sind eine Auswirkung des Fachkräftemangels, der auch das Labor erreicht. Immer weniger Jugendliche beginnen die Ausbildung, nur ein Bruchteil besteht die Prüfungen. Noch kann das IMD Labor Oderland damit werben, ausschließlich ausgebildete medizinisch-technische Assistenten zu beschäftigen. Doch die Besetzung der Stellen wird schwieriger.

Dabei boomt das Geschäft. "Wir sind sehr schnell gewachsen in den vergangenen Jahren", bestätigt Sandra Sadlau und erklärt damit auch die Vielzahl der Geräte und Kühlschränke, die in den vielen Gängen und Räumen in dem Ärztehaus stehen. Kuriere fahren Proben von Hunderten Praxen, Krankenhäusern und Behörden in das Labor. Allein in Frankfurt werden jährlich etwa eine Million Aufträge mit über 13 Millionen Analysen bearbeitet.

Wenn die Kuriere im Labor ankommen, geht es schnell. Von den Transportkisten kommen die Proben in die Datenerfassung. An einem großen Tisch sortieren Mitarbeiterinnen die Röhrchen in Ständer, lesen die Daten ein, Blutproben werden in einer Zentrifuge in flüssige und feste Bestandteile getrennt. Anschließend kommen die Röhrchen in den Samplemanager, wie die gewaltigen hellgrauen Maschinen genannt werden, die die Proben zu den Tests weiterleiten.

Viel manueller geht es auf einer anderen Etage in der Mikrobiologie zu. Hier stehen stapelweise Schälchen, in denen unter anderem Stuhlproben auf Pilze oder Würmer getestet werden. Urin wird auf Nährboden gegeben, um in Brutschränken Bakterienkulturen zu züchten, die beispielsweise darüber Auskunft geben können, welches Antibiotikum beim Harnwegsinfekt hilft. Und weiter hinten stehen in mehreren Blutkulturschränken Fläschchen über Fläschchen, die auf Blutvergiftung untersucht werden. Liegt eine Sepsis vor, fluoreszieren bestimmte Wirkstoffe, die zu dem Blut gegeben wurden.

Alle Mitarbeiter hier tragen weiße Laborkleidung, auch Besucher müssen einen Kittel überziehen. Zu den Sicherheitsbestimmungen gehören außerdem Handschuhe und die Benutzung von Plastik- statt Glasgefäßen. Ein Raum, in dem die Tuberkulose-Diagnostik vorgenommen wird, unterliegt noch strengeren Bedingungen. Hier sorgt Unterdruck dafür, dass keine Keime nach außen dringen. "Man muss schon vorsichtig sein", sagt Sandra Sadlau. Angst habe sie aber nicht.

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