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Die Fischerin vom Müggelsee

Maria Thamm, die Fischerin vom Müggelsee
Maria Thamm, die Fischerin vom Müggelsee © Foto: Ralf Drescher
Ralf Drescher / 08.12.2017, 07:00 Uhr - Aktualisiert 08.12.2017, 08:31
Berlin (MOZ) Noch ist Maria Thamm Oberschülerin im nahen Neu-Zittau (Oder-Spree) und lernt fleißig für ihr Abitur. Läuft alles nach Plan, könnte die 16-Jährige in fünf Jahren die erste Müggelseefischerin in der Geschichte von Berlin-Rahnsdorf werden.

"Ich habe schon mehrere Jahre im Betrieb meiner Eltern geholfen, unter anderem am Wochenende Fischbrötchen verkauft", erzählt die junge Frau, die vor Kurzem ihren Motorradführerschein gemacht hat. "Da sieht man schon, dass Fischer ein harter Beruf ist. Man muss ja bei fast jedem Wetter mit dem Kahn auf den Müggelsee."

Seit September macht Maria Thamm im Rahmen ihrer Schulausbildung ein einjähriges Praktikum in der Müggelseefischerei ihres Vaters Andreas. Von Montag bis Mittwoch geht es zu Hause in Berlin-Rahnsdorf an den Räucherofen, mit dem Kahn auf Spree und Müggelsee oder bei schlechtem Wetter ans Netzeflicken. Mit dem Fischerboot kommt die junge Frau schon ganz gut klar, und auch das Stellnetz kann sie schon ohne Hilfe auswerfen. Donnerstags und freitags drückt Maria Thamm in Neu-Zittau weiter die Schulbank und arbeitet an ihrem Fachabitur in Wirtschaft und Verwaltung.

"Nach dem Ende der Schulausbildung kann meine Tochter dann die Fischereischule im sächsischen Königswartha besuchen", sagt Müggelseefischer Andreas Thamm. "Die Ausbildung zum Fischwirt dort dauert drei Jahre, und den praktischen Teil der Lehre gibt es bei mir und Kollegen."

Thamm ist bereits stolz wie Bolle, dass seine Maria die erste Fischerin auf dem Müggelsee werden könnte. Da die auf den Fischgütern liegenden Fischrechte auch im alten Fischerdorf Rahnsdorf traditionell seit Jahrhunderten immer an den ältesten Sohn der Familie gehen, hat es zumindest offiziell noch nie eine Fischerin gegeben. "Obwohl viele Fischerfrauen ihren Männern wohl auch beim Fischfang zur Hand gegangen sind und nicht nur beim Schlachten und beim Verkauf geholfen haben", erzählt Andreas Thamm.

Thamm war schon zu DDR-Zeiten als Mitglied einer Genossenschaft auf Köpenicker Gewässern mit Netzen und Kahn unterwegs. Nach der Wende konnte er dann ein altes Fischgut in der Rahnsdorfer Dorfstraße übernehmen. "Wir sind in diesem Haus bereits die 13. Fischerfamilie, die von hier aus Fischfang auf Spree und Müggelsee betreibt", berichtet Thamm stolz.

Der 63-Jährige ist inzwischen der einzige Müggelseefischer. In den früheren Fischerhäusern wohnen heute zum großen Teil Senioren. Und wenn doch mal eine junge Familie eines der Häuser bezieht, geht es zum Broterwerb meist in ein Büro im Zentrum Berlins.

"Ich möchte die Rahnsdorfer Fischertradition fortführen und sie später einmal an die nächste Generation weitergeben", sagt Maria Thamm mit fester Stimme. Die Chancen auf eine Fischerin vom Müggelsee stehen derzeit also gar nicht so schlecht.

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