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Zuhörer des Vortrag über die Arbeit der Staatssicherheit in Eisenhüttenstadt stellten viele Fragen

Wille zur Konspiration entscheidet

Observationsfoto: Diese Straßenszene in Eisenhüttenstadt ist von einem Mitarbeiter der Staatssicherheit aufgenommen worden. Das Bild befindet sich in den Akten der Außenstelle der Unterlagenbehörde der Staatssicherheit in Frankfurt.
Observationsfoto: Diese Straßenszene in Eisenhüttenstadt ist von einem Mitarbeiter der Staatssicherheit aufgenommen worden. Das Bild befindet sich in den Akten der Außenstelle der Unterlagenbehörde der Staatssicherheit in Frankfurt. © Foto: BSTU Frankfurt (Oder)
Elke Kögler / 08.12.2017, 07:00 Uhr
Eisenhüttenstadt (MOZ) Das Interesse am Wirken der Mitarbeiter der Staatssicherheit in der Stahlstadt scheint ungebrochen. Beim Vortrag am Mittwochabend gab es für Kurzentschlossene nur Stehplätze.

"Je stärker der lokale Bezug, desto größer das Interesse", lautet das Fazit von Rüdiger Sielaff nach seinem Vortrag über das Wirken der Staatssicherheit (Stasi) in Eisenhüttenstadt. Der Leiter der Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde in Frankfurt hat am Mittwochabend im bis auf den letzten Platz besetzten Foyer des Eisenhüttenstädter Dokumentationszentrums für DDR-Alltagskultur Interessantes zum Thema "Beobachten, verfolgen, zersetzen" vorgetragen. Anschließend hat er Fragen der 55 Vortragsbesucher beantwortet, die einen Sitzplatz ergatterten. Weil alle Sitzplätze bereits vor Beginn der Veranstaltung telefonisch reserviert waren, gab es für Kurzentschlossene nur noch Stehplätze. "Aufgrund des großen Ansturms überlegen wir derzeit, noch eine dritte Veranstaltung zum Thema anzubieten", erklärte der Organisator der Veranstaltung Axel Drieschner. Die am Mittwochabend organisierte Veranstaltung war bereits aufgrund des großen Interesses des ersten Vortrages im September dieses Jahres organisiert worden.

In der Kreisdienststelle des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit in der Friedrich-Engels-Straße waren 61 hauptamtliche Mitarbeiter, vier Offiziere im besonderen Einsatz - also Spione in Betrieben - sowie zudem zwei hauptamtliche Inoffizielle Mitarbeiter tätig. Das geht aus einem Dokument über den Stellenplan des Jahres 1989 hervor, erläuterte Rüdiger Sielaff den Zuhörern. Die Aufgaben der Stasi-Behörde umfasste die Sicherung von militärischen Stützpunkten - etwa der Truppenübungsplatz der Sowjetarmee in Müllrose - sowie von Betrieben - unter anderem das Eisenhüttenstädter Stahlwerk, der Forstwirtschaftsbetrieb in Müllrose, der Kreisbetrieb für Landtechnik Finkenheerd und die Yachtwerft in Eisenhüttenstadt. Um sämtliche Aufgaben bestmöglich zu erledigen, engagierten die Verantwortlichen der Staatssicherheit ein große Anzahl von Informanten. Diese übermittelten der Stasi etwa Informationen über die allgemeine Stimmungslage in den Betrieben und in der Stadt, über Besucher aus der Bundesrepublik oder über Fluchtabsichten von Bürgern aus dem eigenen Land. So waren etwa im Jahr 1983 vier Inoffizielle Mitarbeiter im Hotel Lunik der Stahlstadt im Einsatz, um Gäste auszuspähen.

Nach dem fast einstündigen Vortrag von Rüdiger Siebert hatten seine Zuhörer jede Menge Fragen. Eine der Fragen war, welche Kriterien zu Grunde gelegt werden, um eine Person offiziell als Inoffizieller Stasi-Mitarbeiter zu identifizieren. "Die Person muss sich sowohl willentlich als auch wissentlich auf die Aufgabe als Informant eingelassen haben und vor allem einer Konspiration zugestimmt haben", erläuterte Rüdiger Siebert. Mit Konspiration ist insbesondere gemeint, dass die Mitarbeiter wissentlich unter einem Decknamen arbeiteten sowie ihre gesammelten Informationen in von Stasi-Verantwortlichen genutzten Privatwohnungen an Mitarbeiter der Staatssicherheit übermittelten. "Die Einwilligung zur Konspiration musste dabei nicht zwingend schriftlich erfolgen", schilderte der Außenstellenleiter der Unterlagenbehörde in Frankfurt. Vielmehr habe stattdessen ein Handschlag genügt. Eine weitere Frage der Zuhörer war, ob es sich für Betroffene lohnt, einen Antrag auf Einsicht von Informationen zu stellen, die über diese recherchiert wurden, obwohl eine bereits zuvor gestellte Anfrage keine Ergebnisse lieferte. "Wenn die erste Anfrage bereits vor längerer Zeit beantwortet wurde, könnte sich ein zweiter Antrag durchaus lohnen", sagte daraufhin Rüdiger Siebert. So könnten etwa Informationen in Akten anderer Betroffener enthalten sein.

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