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Biberbeauftragter Dirk Schulz informiert Wriezener Abgeordnete über seine Arbeit

Landwirte als Leidtragende

Nadja Voigt / 08.12.2017, 07:15 Uhr
Wriezen (MOZ) Dirk Schulz ist Biberberater. Und hat als solcher alle Hände voll zu tun. Am Dienstag nahm er sich die Zeit, den Mitgliedern des Ausschusses für Gewerbe, Ordnung, Sicherheit, Umwelt, Landwirtschaft und Tourismus von seiner Tätigkeit zu berichten.

"Die Landwirte sind die Leidtragenden", machte Dirk Schulz im Ausschuss für Gewerbe, Ordnung, Sicherheit, Umwelt, Landwirtschaft und Tourismus im Wriezener Rathaus am Mittwochabend deutlich. Dort stellte er den Abgeordneten seine Arbeit vor. In Altlandsberg hat er einen Forst-, Garten- und Landschaftsbaubetrieb, ist Wildschadenschätzer, Jäger. Und Biberberater. Als solcher wurde er - gemeinsam mit Antje Reetz vom Gewässer- und Deichverband - ausgebildet. Lange lebte er zudem in Bayern und konstatierte gleich, dass es dort in jedem Dorf Leute wie ihn gibt. "Die ehrenamtliche Tätigkeit ist dort viel besser ausgeprägt", sagte Dirk Schulz. Alle Gemeinden verfügten in Bayern über biberkundige Personen. Und warb vor allem auch innerhalb der Verwaltung dafür, dass sich mehr Mitarbeiter zum Biberberater ausbilden und schulen lassen.

Dirk Schulz berät vor Ort, wie er in dem Gespräch mit den Abgeordneten über seine Arbeit berichtete. In enger Abstimmung mit den Behörden mache er sich ein Bild und dann Vorschläge, wie weiter vorzugehen sei. "Es gibt immer nur so viele Biber, wie das Revier ernährt", so der Fachmann. Allerdings könne das Revier 500 Meter oder auch fünf Kilometer betragen. Ob es eine Übersicht über die Population gebe, wollte Wriezens Bauamtsleiter Karsten Ilm wissen. "Der Biber ist überall, in jeder Pfütze, in jedem Torfstich, jedem Fließ. Bis nach Berlin rein", antwortete Dirk Schulz.

Er empfahl der Verwaltung, gefällte Bäume über den Winter liegen zu lassen und nicht gleich zu beräumen. "Das ist seine Winternahrung. Ein Biber ernährt sich von Laub und Rinde. Eine andere Wahl hat er nicht." Deshalb sei es besser, die Bäume an Ort und Stelle zu belassen, bevor der Biber sich neue Nahrungsquellen sucht.

"Wir müssen um unser Leben fürchten, wenn das nächste Hochwasser kommt", sagte Peter Sperr, Ortsvorsteher von Altwriezen/Beauregard. Und gab gleich zu Bedenken, dass man Brandenburg mit Bayern nicht vergleichen könne. "Die bayerische und die brandenburgische Biberverordnung unterscheiden sich wenig", insistierte Dirk Schulz.

"Sie sind der Seelentröster", sagte Gerhard Dewitz (SPD) an Dirk Schulz gerichtet und zeigte sein Unverständnis darüber, dass es im 21. Jahrhundert nicht möglich sei, eine Lösung für das Biber-Problem zu finden. Doch dazu fehle anscheinend der politische Wille. "Es ist schlimm, nicht mal die Landräte haben eine Handhabe", sagte er in der Diskussion. "Ich bin für den Wolf und den Biber. Aber nur da, wo sie hingehören." Man müsse an die Landesregierung ran, so Dewitz weiter, denn es könne auch im Hochwasserfall niemand garantieren, dass die im Deich verbauten Millionen halten, was sie versprechen.

Dirk Schulz machte am Mittwochabend keinen Hehl daraus, dass es über kurz oder lang eine Bejagung des Bibers geben müsse, eine Vergrämung allein werde nicht viel bringen. Dennoch machte er den Anwesenden sehr deutlich, dass von Nicht-Fachleuten nicht in den Lebensraum eingriffen werden dürfe. Durch den Schutzstatus sei das sowohl beim Biber - als auch beim Wolf - eine Straftat, die verfolgt werde.

Eine weiteres Problem, auf das der Biberberater aufmerksam machte, ist die mögliche Vermischung des schwarzen und des braunen Bibers. Oder ob der Schwarze Biber den einheimischen eventuell verdrängen wird. "Wenn wir ihn nicht vergrämen können, ist es sinnvoll, Bäume zu schützen", sagte Karsten Ilm und zeigte aktuelle Fotos von der Straße zwischen Neugaul und Rathsdorf. Dort werden nun - vom Land zu 100 Prozent und mit weit über 100 000 Euro gefördert - Biberschutzmatten angebracht. "Bewährt haben sich auch Estrichmatten aus dem Baumarkt, um Bäume zu schützen", erklärte Dirk Schulz. Die verzinkten Metallgitter seien zum Beispiel für Privatleute eine preiswerte Alternative. "Allerdings kann es noch so viele Gitter geben, der Biber wird immer einen Baum finden, wo kein Gitter dran ist." Er müsse deshalb in irgendeiner Form begrenzt werden, schlussfolgerte Dirk Schulz.

Kommentar: Zeit, selbst zu handeln

Der Hilfeschrei aus dem Oderbruch verhallt seit Jahren ungehört. Und natürlich ist der Unmut der Bürger verständlich, wenn sie sich in ihrer Sorge nicht ernst genommen fühlen. "Der Biber bedroht unsere Existenz", heißt es immer wieder. Und wie könnte es auch anders sein, wenn der Nager ein sensibles Gefüge stört, Zuflüsse verstopft, ganze Alleen fällt, Straßen untergräbt. Doch vielleicht sollte die Zeit, in der ein ganzer Landstrich darauf baut, irgendwer "da oben" werde es schon richten, sich für das Problem interessieren und sich der Sache annehmen, vorbei sein. Vielleicht ist es nun an der Zeit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Die Ausbildung von Biberberatern, die fachlich geschult sind, könnte ein erster Schritt dahin sein. Nadja Voigt

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