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Mit Plan aus der Pleite

Größtes Projekt: Roland Lingstädt schweißt am Mahlwerk für einen Brecher, der in Frankreich bei der Verarbeitung von alten Autoscheiben zum Einsatz kommen soll.
Größtes Projekt: Roland Lingstädt schweißt am Mahlwerk für einen Brecher, der in Frankreich bei der Verarbeitung von alten Autoscheiben zum Einsatz kommen soll. © Foto: dpa
13.05.2010, 17:07 Uhr
Waren/Potsdam (In House) Schweißblitze zucken durch die Halle, eine Drehmaschine grummelt: Bei der Forst- und Spezialmaschinenbau GmbH Forus in Waren werden sechs Monate nach der vorläufigen Insolvenz wieder große Anlagen zur Zerkleinerung von Holz und Müll zusammengebaut.

„Die Sanierungsmaßnahmen beginnen langsam zu greifen“, sagt Insolvenzverwalter Christian Graf Brockdorff aus Potsdam. Brockdorff, der in der Branche als besonders erfahrener Insolvenzanwalt gilt, soll nach dem Willen der Gläubiger jetzt einen Insolvenzplan erarbeiten. „Ein absolut seltener Fall“, erläutert die Neubrandenburger Insolvenzrichterin Astrid Hacker. „Das machen wir nur bei drei Prozent aller Insolvenzen“, sagt der Jurist Brockdorff.

Ein Insolvenzplan gibt Schuldnern und Gläubigern die Möglichkeit, einvernehmlich das betroffene Unternehmen als solches zu erhalten und zu sanieren. Wenn so eine Fortführung möglich ist, kann eine Zerschlagung des Unternehmens oder der Verkauf abgewendet werden.

Wenn alles gut geht, kann Forus laut Brockdorff Anfang 2011 aus der Insolvenz heraus wieder neu starten. Die Firma ist kein Einzelfall. „Der ganze Maschinenbau in Deutschland hat arg gelitten und kämpft um Aufträge und Erholung“, sagt Brockdorff. Jüngst hat die Potsdamer Kanzlei das Eberswalder Walzwerk Finow im Barnim nach einem ähnlichen Verfahren vor dem Aus gerettet.

In Eberswalde waren nach Angaben der Geschäftsführung Forderungen von insgesamt etwa 30 Millionen Euro von 400 Gläubigern angemeldet worden. Diese hatten dann Quoten von 25, 30 und 80 Prozent für die Rückzahlung zugestimmt und damit den Weg zur Sanierung geebnet.

Vor allem die Produkte der Warener Maschinenbauer, die in 16 Länder exportiert wurden und werden, seien gut. „Forus hat einen Namen im Ausland, der für sich spricht“, bestätigt Hacker. Zudem verfüge die Firma, die eng mit der Universität Rostock kooperiert, über zehn Patente.

Forus wurde mit der Wende aus dem ehemaligen DDR-Kombinat Forsttechnik in Waren heraus gegründet. Ab Mitte der 1990er-Jahre sorgte das Unternehmen mit seinen Neuentwicklungen über Deutschland hinaus für Aufsehen. Die Warener bauen Holz- und Müllzerkleinerer, die inzwischen auf allen Erdteilen zu finden sind, ein Großteil in Japan. Die PS-starken und bis zu 20 Tonnen schwere Brecher zermalmen Sperrmüll, Baumstubben oder auch Eisenbahnschwellen.

Mit der Finanzkrise kam Mitte 2009 jedoch ein Einbruch: Der Umsatz sank um die Hälfte von zuletzt noch acht auf knapp vier Millionen Euro. Das verkrafte keine Firma, meint Brockdorff. „Jetzt haben wir die „Fertigungstiefe verändert“, erläutert der Anwalt. So würden bestimmte Stähle so angeliefert, dass sie gleich eingebaut werden. Früher habe Forus viel mehr selbst gefertigt, das habe sich geändert.

Von 41 Mitarbeitern im Herbst 2009 blieben noch 29 Beschäftigte, darunter Mitbegründer Reinhold Grewatsch, der in Brockdorffs Auftrag die Firma weiter leitet. Entstand früher mancher Brecher in 1600 Arbeitsstunden sind es jetzt noch 400 Arbeitsstunden – „Lego für Große“ beschreibt es Grewatsch. Dabei bleiben die Maschinenbauer innovativ. Man baue etwa bestehende Holz- und Müllbrecher individuell um.

Derzeit wird gerade der größte Brecher für die französische Glasindustrie gebaut. Der soll unter anderem Windschutzscheiben so zerkleinern, dass das Glas und die darin enthaltene Folie voneinander getrennt werden. Außerdem sollen die Brecher künftig auch Aluminium zerkleinern, Versuche mit Porenbeton laufen ebenfalls.

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