Bad Saarow (moz) In Bad Saarow sollen im Herbst weitere sogenannte Stoplersteine für ehemalige jüdische Bürger verlegt werden, die durch die Verfolgung der Nationalsozialisten ums Leben kamen. „Wir wollen fünf weitere Steine an drei Adressen verlegen“, sagt Christian Pietá von der Gruppe „Jüdische Spuren.“ Die Mitglieder der Gruppe haben sich zum Ziel gesetzt, das jüdische Leben im Kurort zu erforschen. 230 Namen von jüdischen Bürgern wurden ermittelt, die mit Bad Saarow in Verbindung stehen, sei es, weil sie dort ein Wochenendgrundstück besaßen oder dort gewohnt haben. „Von 62 Personen wissen wir, dass sie zwischen 1933 und 1945 zu Tode gekommen sind, davon 47 durch Verfolgung und Deportation“, so Christina Pietá.
Das gilt zum Beispiel für Felicia Basser, die mit ihrer Tochter Alice in der Uferstraße 1 gewohnt hat. „Während die Tochter durch Zufall der Deportation entging, wurde die Mutter Ende August 1942 in Berlin aus ihrer Wohnung abgeholt, nach Riga deportiert und dort am 8. September 1942 ermordet“, so Christian Pietá.
Vor dem Haus in der Uferstraße 14 soll an die Eheleute Leo und Clara Bry mit einem Stolperstein erinnert werden. „Sie haben nach der Pogromnacht 1938 Bad Saarow verlassen“, so Christian Pietá Sie wurden in Riga Jungfernhof ermordet.
Das Ehepaar Fritz und Margarete Behrens, die ein Haus in der Platanenstraße 7 hatten, verkauften dies 1939 und bemühten sich, nach Amerika zu emigrieren. 1942 werden sie nach Theresienstadt deportiert. „Fritz Behrens verstirbt dort im November 1942, seine Ehefrau Margarete wird am 16. Mai 1944 in Auschwitz ermordet“, sagt Christian Pietá.
Die Stolpersteine sind eine Aktion des Künstlers Gunter Demnig, der auch die Verlegung Ende Oktober wieder vornehmen wird. Es handelt sich um Betonsteine, mit einer beschrifteten Messingplatte, auf der Namen und Daten der NS-Opfer stehen. Sie werden in den Gehwegen eingefügt.
Derweil bemüht sich die Gruppe, Angehörige und Nachkommen der Familien ausfindig zu machen. „Das ist noch nicht abgeschlossen“, so Christian Pietá.
In einer extra Veranstaltung soll auch das Gedenkbuch für die verfolgten und ermordeten Juden von Bad Saarow mit neuen Informationen ergänzt werden. Das Gedenkbuch, in dem die Namen und die Informationen stehen, die bekannt sind, wurde so angelegt, dass es jederzeit ergänzt werden kann. Christian Pietá hat seit Ende Januar 65 Akten ausgewertet, die sich im Entschädigungsamt finden.
Derweil sucht die Initiativgruppe noch Paten, die mithelfen, die Verlegung der Steine zu finanzieren. Ein Stein kostet 95 Euro. Bisher sind in Bad Saarow 16 Stolpersteine verlegt worden. Dazu gibt es einen Flyer, der unter anderem in der Touristinformation im Bahnhof Bad Saarow ausliegt. Am Bahnhof Bad Saarow wurde auch eine Gedenktafel für die verfolgten jüdischen Bürger angebracht.
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