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Michael Dietrich 28.05.2010 21:17 Uhr
Red. Uckermark, Uckermark

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Hochwasser flutet Polder

Schwedt (moz) Im Nationalpark Unteres Odertal werden seit Freitag 4500 Hektar Polderwiesen geflutet, um dem Hochwasser Höhe und Druck zu nehmen. Mit Bildern und Botschaften davon will Brandenburgs Regierung zeigen, dass sie handelt, dass sie etwas tut zur Entlastung der Deiche auf polnischer und deutscher Seite. Neben Ministerpräsident Matthias Platzeck waren auch Innenminister Rainer Speer und Umweltministerin Anita Tack dabei.

  Polderflutung im Nationalpark: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (l.) verfolgt mit Umweltministerin Anita Tack und Innenminister Rainer Speer am Freitag das Einströmen des Oder-Hochwassers durch die geöffnete Enkelsee-Schleuse. © Oliver Voigt

Die Polderflutung ist ein mediales Großereignis im Nationalpark. Der Ministerpräsident und sein Innenminister erklimmen in sportlichen Jacken und mit Schirm-mützen die Schleuse, die unter ihnen Millionen Kubikmeter Wasser den Weg freigibt in die Polderwiesen vor Schwedt.

Eigentlich wollte das Landesumweltamt zunächst nur den 1800 Hektar großen Polder 10 öffnen und beobachten, wie sich das auf das Hochwasser auswirkt. Sinkt anschließend der am Freitag bis auf über 9 Meter gestiegene Pegel wieder, hätte vielleicht auf die Flutung des Schwedter und Criewener Polder verzichtet werden können. Doch vor den vielen Kameras, Mikrofonen und Fotoapparaten bekommt das Geschehen eine eigene Dynamik, es regieren klare, einfache Botschaften. „Wir öffnen alles, was wir haben“, verkündet Matthias Freude, Präsident des Brandenburger Landesumweltamtes.

„Wir entlasten die deutschen und polnischen Deiche“, erklären Anita Tack und Matthias Platzeck. Kein Wenn und Aber, das Land soll wissen, hier wird entschlossen gehandelt. Am Abend begann der Wasser- und Bodenverband dann nach dem Polder 10 auch die Bauwerke in den Deichen des Polder A/B zu öffnen.

Am Wochenende werden die Überflutungsflächen volllaufen. Schwedt wird dann wieder am Oder-Meer liegen. Das war zuletzt im März während des Winter-Hochwassers so, im Juni allerdings zuletzt während des Hochwassers 1997. Die Erfahrung von damals: Die Flächen innerhalb der Deiche im Nationalpark können 60 bis 80 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen und damit den Anstieg des Oder-Pegels spürbar verlangsamen. Das Hochwasser kann auf einer breiten Fläche abfließen und etwa der Hälfte der 3000 Kubikmeter Wasser, die pro Sekunde durch das Tal fließen, Platz geben.

Während der Flutung verlieren die Landwirte ihre Weideflächen, besiedelte Gebiete wie Schwedt, Criewen oder Gartz sind durch Deiche weiterhin geschützt. Matthias Platzeck versuchte am Freitag, vor den vielen Medienvertretern auch etwas Ruhe und Überlegtheit auszustrahlen. „Wir gehen davon aus, dass wir ein ähnliches Hochwasser wie 1997 erleben, aber besser vorbereitet sind und alle besonnener reagieren.“

Wegen der Polderflutung musste noch keine Alarmstufe III ausgerufen werden, damit ist erst am Wochenende zu rechnen. Die Deichwege sind ab sofort nur noch von Einsatzkräften zu betreten.



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