Berlin (moz) Das Ei ist für Wieland Förster ein Synonym für Vitalität. Aber nicht nur das Keimende und Wachsende meint der Bildhauer. Für ihn ist es „Ursprung, Urgrund alles Seienden“. Der Kunsthistoriker Heinz Schönemann wies gestern in der Berliner Akademie der Künste auf diese Eigenart im Werk des Bildhauers Wieland Förster hin und hob damit das Besondere im Schaffen und in der „entschlossenen Denkungsart des Künstlers“ hervor. Er erinnerte auch an den schweren Weg, den Förster in seinen 80 Lebensjahren „unbeirrt von den Katastrophen“ gegangen ist.
In einer anrührenden Rede dankte Präsident Klaus Staeck dem 1991 aus der Akademie ausgetretenen damaligen Vizepräsidenten Wieland Förster, dessen Biografie für die in Ost- und Westberlin gleichermaßen existierenden und nach dem Mauerfall zu vereinenden Kunstinstitute „von großer Wichtigkeit gewesen wäre, weil sich in seinem Leben und Schaffen auf exemplarische Weise ein deutsches Schicksal ausdrückt“.
Förster, der von 1968 bis 1972 mit Ausstellungsverbot belegt und nur durch die Intervention des Akademiepräsidenten Konrad Wolf 1974 gegen den Widerstand der Funktionäre in die Akademie der Künste der DDR aufgenommen worden war, konnte es nicht mit seinem „Begriff von Wahrhaftigkeit vereinbaren, wie das Ost-West-Zusammenwachsen stattfand“. Umso mehr freut sich Staeck darüber, dass Förster die Archive der Akademie nun reicher macht, „im Sinne des Bewahrens eines Erbes, das nicht nur eine herausragende Künstlerschaft dokumentiert, sondern mit Tagebüchern und Briefen auch Zeitdokumente liefert“.
Beim gestrigen Festakt übergab der Künstler symbolisch für sein Archiv eine Mappe mit Briefen, Skizzen und dem Original-Manuskript seines Romans „Der Andere. Briefe an Alena“. Zu dem Material gehören Briefwechsel mit der Tänzerin Gret Palucca und dem Komponisten Hanns Eisler. Er vertraue der Akademie, sagte er. Diese solle die Unterlagen nicht als Kunstwerk, sondern als Zeugnisse aufbewahren.
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