Bernau (moz) „Sie hauen ab!“ Dem Ruf eines Demonstranten folgt erst Stille, dann ohrenbetäubender Jubel auf der Breitscheidstraße. Durch die Polizeiabsperrung hindurch können die Gegendemonstranten eine Fahne mit rechtsradikalen Symbolen zu erkennen, die von einer Gruppe schwarz gekleideter Gestalten vom Busbahnhof in Richtung Bahnhof getragen wird. Kurze Zeit später folgt die zweite Gruppe. Dann ist klar: Die geplante Demonstration der Rechtsradikalen ist gescheitert. In Bernau gab es kein Durchkommen für sie.
Kein Durchkommen: Auf der Breitscheidstraße haben sich rund 500 Gegendemonstranten versammelt. Mit einer Sitzblockade versperren sie den Nazis drei Stunden lang den Weg zu ihrer geplanten Route. Foto: Jörg Funke
Auf der Straße herrscht Volksfeststimmung. Bunt gekleidete Menschen jubeln, fallen sich in Arme. Die Erleichterung ist greifbar, auch bei der Polizei, die mit mehreren Hundertschaften auf eine Eskalation vorbereitet war.
Bereits am Bahnhof fingen die Polizeibeamten die rechten Demonstranten am Vormittag ab und separierten sie auf dem Busbahnhof. Dort trudelten bis gegen Mittag immer mehr zumeist männliche Demonstranten ein, die ihre Gesinnung durch Tatoos und Aufschriften verdeutlichten. Sorgfältig wurden sie auf gefährliche Gegenstände untersucht. Die Polizei stellte unter anderem Schlagstöcke und ein Messer sicher. Auch Flaschen mussten die Teilnehmer abgeben. Bis gegen 12 Uhr hatten sich rund 90 Mitglieder und Sympathisanten der radikalen Kameradschaft am Busbahnhof versammelt.
Bunt ging es unterdessen auf der Breitscheidstraße zu, wo verschiedene Vereinigungen wie das Netzwerk für Toleranz und Weltoffenheit zur Gegenveranstaltung eingeladen hatten. Rund 200 schwarz vermummte Mitglieder der Antifa waren ebenfalls angereist, unter ihnen viele Minderjährige. Schlachtrufe ertönten. „Ich finde es aber besonders toll, das der Großteil der Demonstranten aus ganz normalen Bernauer Bürgern besteht“, erklärte die Bundestagsabgeordnete Dagmar Enkelmann (Die Linke), die in vorderster Reihe der Sitzblockade saß. Mit dieser wollten die Gegendemonstranten den Rechtsradikalen den Weg zur geplanten Route durch das Puschkin-Viertel versperren.
„Die Blockierer begehen eine Ordnungswidrigkeit“, machte Polizeisprecherin Martina Schaub deutlich. Weil sie die ordnungsgemäß angemeldete Demonstration behindern, verstoßen sie gegen die Versammlungsfreiheit. Den Blockierern war das egal. Gegen 13 Uhr forderte Polizeidirektor Hans-Jürgen Willuda die Sitzenden dreimal auf, die Straße zu räumen. Doch niemand rührt sich.
Um 14 Uhr trifft Polizeichef Willuda eine Entscheidung. Aus Gründen der Verhältnismäßigkeit entscheidet er sich, die Blockierer, unter denen sich auch Kinder und Jugendliche befinden, nicht gewaltsam von der Straße zu räumen. Er bietet den rechten Demonstranten an, auf dem abgeschirmten Gelände des Busbahnhofes zu demonstrieren. Das Angebot lehnen sie ab und ziehen sich anschließend grüppchenweise zurück zum Bahnhof.
„Das ist gut als Auftakt auch für die nächsten Demonstrationen“, freut sich Dagmar Enkelmann. „Bernau hat Flagge gezeigt.“
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